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Kryptowährungen im Fall Kassensturz bei Kim Jong-un: Wie der Bitcoin-Crash Nordkoreas Nuklearprogramm die Mittel raubt

Kim Jong Un: Gesundheitszustand und potenzielle Nachfolger
Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un hatte mit seinen Hackern viel Geld eingenommen
© Brendan Smialowski / AFP
Bitcoin und andere Kryptomünzen sind in den letzten Wochen stark eingebrochen. Das ist nicht nur für Privatanleger ein Problem – sondern auch für die Waffenprogramme des nordkoreanischen Regimes. 

Es sind spektakuläre Raubzüge, mit denen sich Nordkoreas Hacker in den letzten Jahren von belächelten Kleinganoven zu einer der größten Cyber-Gefahren der Welt entwickelten.  Das Regime profitierte erheblich davon. Nun aber steht es vor einer großen finanziellen Herausforderung. 

Mit dem Crash des Krypto-Marktes schmolz auch die Beute aus den digitalen Raubzügen erheblich ein, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf Quellen in der Regierung Südkoreas. Für Diktator Kim Jong-un ist das ein echtes Problem: Die Krypto-Einnahmen gelten als wichtigste Finanzierungsquelle für sein Nuklearwaffen-Programm. 

Schrumpfende Beute

Die Verluste sind immens. Das auf die Bewegungen in Krypto-Netzwerken spezialisierte Unternehmen Chainalysis überwachte monatelang Münzen, die bei Nordkorea zugeschriebenen Hacks gestohlen, aber bislang nicht durch Spezialdienste gewaschen wurden. Alleine diese Kryptomünzen hatten ursprünglich einen Wert von 170 Millionen US-Dollar. Nach dem Crash sind davon nur noch 65 Millionen geblieben. Die Beute aus einem einzelnen Raubzug soll alleine 80-85 Prozent ihres Wertes verloren haben, statt mehr als 50 Millionen soll sie nun weniger als zehn Millionen Dollar wert sein. 

Kim Jong-uns Regime trifft der Crash in einer empfindlichen Phase. Seit Anfang des Jahres hat Nordkorea seine Raketentests enorm nach oben gefahren. Das kostet: Alleine dieses Jahr soll der finanziell sonst enorm klamme Staat bereits 620 Millionen Dollar dafür verpulvert haben, schätzen südkoreanische Regierungsstellen. Und das, obwohl das international weitgehend isolierte Land ohnehin durch Covid und eine Wirtschaftskrise gebeutelt ist. Sollten die Hacker als Einnahmequelle für das Programm nicht mehr ausreichen, müsste das Regime umdenken, glaubt Südkorea. Und das nötige Kleingeld aus anderen Quellen auftreiben.

Wenig Risiko, riesige Gewinne

Die Krypto-Raubzüge hatten dem Regime in den letzten Jahren einen stetigen Strom an Einnahmen eingebracht. Wurde das Land lange wegen seiner isolierten Position im Internet verlacht, zeigte sich das bald als Vorteil. Weil das Land weitgehend vom World Wide Web isoliert ist, muss es sich - von spektakulären Ausnahmen abgesehen - keine große Sorge um Gegenschläge machen. "Für Nordkorea ist es ein günstiges, risikoarmes aber hochrentables kriminelles Geschäft", sagte ein südkoreanischer Antiterror-Experte der "New York Times". 

Nach einer eher einfachen Startphase haben Nordkoreas Hacker wie die Lazarus-Gruppe (hier erfahren Sie mehr) immer gewieftere Methoden entwickelt, um durch Erpressung oder Raubzüge auf Kryptobörsen digitale Währungen ins Land zu bringen. Dabei waren sie teilweise enorm erfolgreich. Alleine beim Angriff auf das Blockchain-System Ronin waren im März Währungen im Wert von 615 Millionen Dollar eingenommen worden. Heute wäre die Beute in der Währung Ether allerdings nur noch 230 Millionen Dollar wert. 

Nordkorea macht erstmal weiter

Krypto-Währungen sind seit einigen Wochen stark eingebrochen. Lag der Höchstwert der bekanntesten Währung Bitcoin im November noch bei knapp 60.000 Euro pro Münze, ist er seitdem immer weiter gesunken – die anderen Währungen folgten demselben Trend. Bei zwei besonders starken Crashes im Mai und Juni verlor alleine der Bitcoin quasi über Nacht jeweils nahezu die Hälfte seines Wertes, andere Währungen waren noch deutlich härter betroffen und waren auf einen Schlag de facto wertlos. Mit einem Wert um 18.000 Euro hat der Bitcoin aktuell weniger als ein Drittel seines Höchstwertes.

Bislang scheint Nordkorea aber einfach weiterzumachen wie bisher. Erst vor einer Woche wurden bei einer Attacke auf den Horizon-Bridge-Dienst der Harmony Blockchain Münzen im Wert von knapp 100 Millionen Euro von einer US-Firma gestohlen. Experten meinen, das Muster der folgenden Geldwäsche-Versuche zu kennen. "Das sieht ziemlich nach dem bekannten Vorgehen nordkoreanischer Hacker aus", erklärte Nick Carlsen, ein ehemaliger FBI-Ermittler, der nun auf Krypto-Verfolgung spezialisiert ist, gegenüber "Reuters". Wäre das zutreffend, hätte Nordkorea seit Anfang des Jahres vermutlich mehr als 1,1 Milliarde Dollar über Raubzüge eingenommen – das entspricht etwa 60 Prozent aller gestohlenen Krypto-Währungen.

Quellen:Reuters, New York Times, Chainalysis

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