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Insider packt aus Geld machen um jeden Preis: Wie Kim Jong Uns Cyberarmee dem Regime Millionen einbringt

Kim Jong Un Computer Hacker
Kim Jong Un betreibt eine ganze Reihe von Hacker-Einheiten
© Kcna/ / Picture Alliance
Nordkoreanische Hacker schaffen seit Jahren immer wieder aufsehenerregende Angriffe. Jetzt haben Insider ausgepackt. Die Hacker-Einheiten sind alles andere als glamourös - und bringen dem klammen Regime trotzdem Millioneneinnahmen.

Ob der Trojaner "Wannacry", der Hack der Sony-Filmstudios oder Diebstahl von Bitcoin-Millionen: Nordkoreas Cyberarmee ist berühmt-berüchtigt. Der Alltag der meisten Hacker ist allerdings deutlich unspektakulärer. Die über die ganze Welt verbreitete Cyberarmee schuftet bis zum Umfallen - und konzentriert sich eher auf kleinkriminelle Geschäfte als spektakuläre Aktionen.

Das erzählten ehemalige Mitglieder von Nordkoreas Cybereinheit gegenüber "Bloomberg". Bereits Kim Jong Il, der Vater und Vorgänger des aktuellen Herrschers Kim Jong Un, soll die Einheiten mit dem Namen "Büro 91" Mitte der Neunziger Jahre gegründet haben. Ihr Ziel: mit allen möglichen Mitteln Geld einzubringen. Und das ist laut Insidern deutlich unspektakulärer als man es sich den Hackeralltag ausmalen würde.

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Ein ehemaliger Hacker, der nur "Jong" genannt wird, erzählte "Bloomberg" wie es bei den Hackern wirklich zuging. Statt Banken auszuräumen und Staaten anzugreifen, hätten er und seine Einheit nach jedem Strohhalm greifen müssen. Sie bastelten Raubkopien von Programmen, scheffelten Geld im Spiel "Diablo" oder knackten Glückspiel-Webseiten, um dort zu betrügen. Jeder Cent zählte.

Hacker wider Willen

Der Traumjob war das nicht. Eigentlich wollte Jong Arzt werden, die staatlichen Behörden beschlossen aber, dass er stattdessen Informatik studieren sollte. Nach dem Studium in China arbeitete er kurz in der nordkoreanischen Heimat. Dann sollte er "die Zukunft Nordkoreas erhellen" - also Kohle ins Land bringen. Dafür wurde er wieder nach China geschickt.

Doch auch das war eher Elend als Hacker-Glamour. Über die Grenze gelangte der Hacker in spe zu Fuß, das Geld für den ersten Computer musste er selbst auftreiben. Auch danach behielten ihn nordkoreanische Aufpasser genau im Blick. Er und seine Genossen mussten zusammen Propaganda rezitieren, nur manchmal durfte man Fußball spielen. Das Highlight in der raren Freizeit: heimliches "Counterstrike"-Spielen im Internet-Cafe um die Ecke. Das war immer noch besser als das Elend in der Heimat.

Hart war es aber allemal. Wer zu wenig Kasse machte, wurde nach Hause geschickt. Ließ man Geld verschwinden oder war nicht patriotisch genug, drohte das Arbeitslager. "Wir waren alles andere als Elitehacker, nur ein paar schlecht bezahlte Programmierer", stellt Jong klar. Mit echten Angriffen, wie Kreditkartendiebstahl, Erpresser-Software oder Spionage hatte er nichts am Hut. Dass es sie gibt, bezweifelt er aber nicht. "Nordkorea würde alles tun, um an Geld zu kommen."

Kleinkriminelle mit Millioneneinnahmen

Jong schätzt, dass er alleine dem Regime knapp 100.000 Dollar im Jahr einbrachte. Nach Ansicht von Experten gibt es Hunderte wie ihn, die Nordkorea in Nachbarstaaten wie China, Kambodscha oder Russland schickt. Sie sollen dem klammen Staat jährlich mehrere Hundert Millionen Dollar im Jahr einbringen. In der Hochzeit habe Nordkorea alleine in der Grenzregion um Shenyang über Hundert solcher Einheiten betrieben, die ihre Geschäfte als legale Kleinstunternehmen tarnten. Mittlerweile hat China dort aber kräftig aufgeräumt, Nordkorea zog sich in andere Regionen zurück.

Jong indes ist nicht mehr Teil des Apparats. Nachdem er mit einem Staatsdiener aneinander geraten war, floh er. Nachdem er zwei Jahr hackend durch China gestreunt war, entschied er sich, dass er zurück nach Korea musste. Nachdem er sich mit einem gefälschten chinesischen Pass nach Bangkok durchgeschlagen hatte, brachte ihn die südkoreanische Botschaft nach einer Sicherheitsprüfung schließlich nach Seoul. Dort lebt Jong heute als Programmierer. Ab und zu fragen die südkoreanischen oder US-Geheimdienste mal nach den ehemaligen Kollegen. Etwa einem dubiosen vierstöckigen Haus in Pjöngjang, in dem Prozessoren kopiert werden sollen. Doch davon weiß Jong nichts.


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