VG-Wort Pixel

Street View in Schottland Der bizarre Google-Mord in der Giles Street


Ein Mann steht mit einer Axt auf der Straße, vor ihm liegt ein lebloser Körper. Internetnutzer glauben, einen Mord in Google Street View entdeckt zu haben. Doch der Vorfall stellt sich als Witz heraus
Von Christoph Fröhlich

Es sieht aus wie ein Mord am hellichten Tag: Ein Mann steht auf der Straße, in der Hand hält er eine kleine Axt, vor ihm liegt ein scheinbar lebloser Mann im roten Overall auf dem Kopsteinpflaster. Stellen Sie sich vor, Sie würden das Verbrechen entdecken. Was würden Sie tun? Vermutlich die Polizei rufen. Das tat auch ein besorgter Nutzer, der die eben beschriebene Szene auf dem Straßenbilderdienst Google Street View entdeckte. Er klickte sich am heimischen Computer durch die Giles Street im schottischen Leith, Edinburg und entdeckte den Mann, der nach einem Gewaltverbrechen offenbar flüchten wollte, als ihn das Google-Auto fotografierte.

Die Polizei ging dem Hinweis nach und besuchte den Tatort, die Einfahrt vor einer Autowerkstatt in der Giles Street. Dort trafen die Beamten den 56 Jahre alten Besitzer Dan Thompson, die scheinbare Leiche auf dem Bild. Der Mann konnte sich erst einmal keinen Reim auf die Vorwürfe der Polizisten machen, bis ihm ein kleiner Scherz einfiel, der beinahe zwei Jahre zurücklag: Es war der August 2012, so erzählte es Thompson dem "Independent", als er das Google-Auto am Ende der Straße erblickte. Es musste erst eine Schleife um den Block fahren, also hatte er knapp eine Minute Zeit, sich etwas Kurioses einfallen zu lassen.

"Es ist absolut bizarr"

"Es gibt auf Google Bilder von Männern, die ihren nackten Hintern zeigen, aber ich dachte mir, wir machen etwas mit mehr Klasse", sagte er der "BBC". Also griff sein 31-jähriger Kollege Gary Kerr zur Axt, Thompson legte sich derweil auf die Straße - und beide warteten auf das Kameraauto.

Wenige Monate später wurden die Fotos auf Google Street View hochgeladen, daraufhin meldeten sich einige Freunde und Familienmitglieder bei den beiden. "Es ist absolut bizarr", sagt Thompson dem "Independent". "Ich dachte immer, die Leute verschwenden nicht ihre Zeit damit, vor dem Computer zu sitzen und sich in Street View durch kleine Seitenstraßen in Leith zu klicken."

Die beiden Polizisten nahmen die Situation mit Humor: "Sie waren sich ziemlich sicher, dass es ein Witz war, weil einer ihrer Kollegen sogar schon ein Auto hier hatte reparieren lassen. Wir lachten alle herzlich über die Situation und nach fünf Minuten gingen sie wieder".

Der Fall des toten Esels

Immer wieder werden auf Google Street View bizarre Aufnahmen entdeckt, die im Internet hohe Wellen schlagen. Im vergangenen Jahr hielt sich etwa ein hartnäckiges Gerücht, dass ein Kamerawagen des Suchmaschinenkonzerns einen Esel in Botswana überfahren hätte. Später stellte sich heraus, dass der Esel nicht tot war, sondern sich am Straßenrand nur im Staub gewälzt hatte.

@cfroeh folgen

Der Autor Christoph Fröhlich auf Google+


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker