HOME

Suchmaschine Baidu: Das Google des Ostens

Google droht wegen Zensur und Hackerangriffen seinen Rückzug aus China an und erhält dafür Applaus von Politik und Medien. stern.de-Redakteur Gerd Blank vermutet einen weiteren Grund: Google hat in China keine Chance gegen den Platzhirschen Baidu.

Dieser Artikel wird wahrscheinlich in China nicht gelesen werden können, denn es kommen darin Begriffe wie "chinesische Diktatur" und "Falun Gong" (eine in China verbotene religiöse Vereinigung) vor - Begriffe, vor denen Chinesen nach Ansicht der chinesischen Regierung beschützt werden müssen. Google will bei dieser Zensur nicht mehr mitspielen und zieht dort möglicherweise den Mausstecker. Unterstützung erhalten die erfolgsverwöhnten Suchmaschinen-Betreiber nicht nur aus dem Weißen Haus, sondern auch von anderen westlichen Regierungen. Doch ist die Zensur wirklich der alleinige Grund für den Rückzug? Die Behauptung ist unglaubwürdig, schließlich lebte das Unternehmen viele Jahre klaglos mit der Schere im Kopf.

Seit über zehn Jahren schickt sich Google an, die Welt zu erobern. In den USA und Europa hat es prächtig funktioniert, die Suchmaschine ist in allen westlichen Ländern die erste und wichtigste Anlaufstelle im Internet. In China konnte sich Google dagegen nicht durchsetzen, nur rund 30 Prozent aller chinesischen Internetnutzer suchten per Google. Zum Vergleich: In Deutschland ist Google für rund 90 Prozent die Suchmaschine der Wahl. Die Mehrheit der Chinesen vertraut der nationalen Suchmaschine Baidu. Aus gutem Grund: Mit Baidu lassen sich, ganz offiziell, rund zehn Millionen teils urheberrechtliche MP3-Dateien finden. In China ist das Kopieren von Bildern, Filmen und Musik nicht einmal mehr ein Kavaliersdelikt. Ein westliches Unternehmen, das in den USA und Europa mit Medienanbietern zusammenarbeitet, kann diesen "Service" nicht anbieten.

Alles nur geklaut?

Baidu wirkt auf den ersten Blick wie eine Eins-zu-eins-Kopie von Google: Schlichte Website, Logo, Suchfeld und ein paar Extra-Dienste. Auch auf dem zweiten Blick offenbaren sich keine großen Unterschiede: Von der Auflistung der Suchergebnisse bis zu einzelnen Services scheint man sich bei Baidu den amerikanischen Konkurrenten ganz genau angeschaut haben. Zu genau? Im Netz wird ganz offen darüber spekuliert, ob Baidu nicht zu tief in den Quellcode eingetaucht ist und einfach "copy & paste" gemacht hat, also technisch "kopiert und eingesetzt" hat. Schließlich, so der digitale Volksmund, wird Urheberrecht in China eher klein geschrieben.

Westliche Unternehmen, die sich großen Profit von einem Engagement auf dem chinesischen Markt erhoffen, müssen dieses Spiel mitspielen. Doch sie können nicht gewinnen. Als bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking die westliche Welt ganz erstaunt und erbost darüber war, dass in China einige kritische Webseiten nicht erreichbar waren, ging ein Aufschrei durch die Parlamente und Medien. Kleinlaut kam kurz darauf die Aussage, dass die Sportberichterstattung nicht eingeschränkt sei. Man nimmt in Kauf, dass in China andere Regeln gelten, das Reich der Mitte ist eher Diktatur als Volksrepublik.

Beugen oder Draussen spielen

Es wurde klar: Suchriesen wie Google und Yahoo mussten sich den Forderungen der chinesischen Regierung beugen. Journalisten bekamen keine Suchergebnisse, wenn sie beispielsweise nach "Falun Gong" suchten. Auch andere chinakritische Seiten konnten nicht erreicht werden. Jetzt, gut eineinhalb Jahre später, will Google nicht mehr zensieren. Das ist löblich und auch ein gutes Signal für andere westliche Unternehmen, die in China aktiv sind.

Ein weiterer Grund: Spionage und Hackerangriffe. Der Krieg der Systeme wird nicht mehr mit der Waffe, sondern mit der Maus ausgetragen. Informationen sind wichtiger als Rohstoffe. Chinesen versuchten, sich in viele E-Mail-Konten von Google Mail einzuhaken. Erwischt wurden laut einem Google-Sprecher nur die Betreffzeilen von zwei Konten. Dennoch ein mögliches Imageproblem, schließlich will Google Unternehmen davon überzeugen, E-Mail- und andere Office-Dienste gegen Gebühr zu nutzen. Doch wenn vertrauliche Daten bei der Kopiernation landen könnten, brechen Geschäftsmodelle zusammen. Und gegen organisierten Datenraub, besonders unter wahrscheinlich staatlicher Federführung, ist keine Firewall gewachsen.

Der Google-Sprecher sagte, dass der Angriff in einem noch nie dagewesenen Ausmaß stattfand: "Das war der Größte Angriff, seit es Google gibt." Da hilft nur der Rückzug. Der Zensurvorwurf ist für Google daher ein guter Anlass, um sich mit weißer Weste aus China zurückziehen. Zumal, wenn man sich der Unterstützung westlicher Politk- und Medienprominenz sicher sein kann. Doch entscheidend ist: Trotz einem Marktanteil von rund 30 Prozent, den Google innhalb von vier Jahren erreicht hat, hat das Unternehmen gegen Baidu keine Chance. Die Amerikaner haben im falschen Revier das Bein gehoben und verziehen sich nun mit eingekniffenen Schwanz.

Das Erfolgsmodell Baidu

Doch das Suchfeld kampflos den Chinesen zu überlassen, könnte sich als Fehler erweisen. Baidu könnte die Google-Strategie anwenden und danach streben, andere Märkte zu erobern. Schon jetzt liest sich die Unternehmsgeschichte wie eine Anleitung zum Erfolg. Baidu wurde 2000 gegründet und ist seit 2005 börsennotiert. Bereits zwei Jahre später wurde Baidu als erstes chinesisches Unternehmen überhaupt in den wichtigen Nasdaq-100-Index aufgenommen. Das vom chinesischen Staat kontrollierte Unternehmen hat keine Skrupel beim Herausfiltern von kritischen Angeboten, im Gegenteil: Sucht ein Nutzer nach bestimmten Begriffen, wird ihm der Zugang zu Baidu für mehrere Minuten komplett gesperrt. Inzwischen ist Baidu die achtgrößte Website der Welt und verarbeit mehr Suchanfragen als Yahoo und Bing - alleine durch Suchanfragen innerhalb der chinesischen Mauer. Doch in andere Länder ist es nur ein Katzensprung, in Japan gibt es bereits eine lokalisierte Version, andere Länder werden folgen.

Dank Digitalisierung rückt die Welt zunehmend enger zusammen. Für viele Unternehmen ist es egal, in welchem Land Entwickler und Programmierer sitzen. Obwohl der Firmensitz vielleicht im Silicon Valley liegt, haben die IT-Fachleute ihren Schreibtisch oft in Mumbai. Neue Ideen und Technologien sind die Gold-Nuggets, die es aufzuspüren gilt. Google hat es vorgemacht und kaufte Unternehmen wie Youtube und Doubleclick ein. Doch nicht nur Google hat ein Auge auf junge Start-ups geworfen. Warum sollte Baidu nicht auch dieses Geschäftsmodell kopieren?

Von Gerd Blank
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.