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Tipps für den digitalen Alltag: Netzwerke knüpfen

Moderne Haushalte verfügen über einen ganzen Zoo netzwerkfähiger Geräte. Grund genug, die wichtigsten Spielarten der Vernetzung einmal näher zu beleuchten. Teil fünf der Serie mit Überlebenstipps für den digitalen Alltag.

Von Rainer Hattenhauer

Netzwerke wirken nur auf den ersten Blick abschreckend

Netzwerke wirken nur auf den ersten Blick abschreckend

Was früher der Job professioneller Netzwerkspezialisten war, muss der moderne PCAnwender heute selbst erledigen: die gesamte Desktop-, Laptop, Handy- und Mediacenterhardware untereinander sowie mit dem Internet verbinden. Der Vernetzungswahn kennt dabei keine Grenzen: Sogar der Kühlschrank mit Onlineanbindung wurde schon erfunden, um die zur Neige gehende Butter selbstständig im Onlineshop nachzubestellen.

Dominierte in den 80er-Jahren noch das legendäre Turnschuhnetzwerk (wichtige Dateien wurden per Diskette von Rechner zu Rechner getragen), so etablierte sich in den 90ern die Rechnervernetzung per Kabel. Das neue Millennium steht schließlich ganz im Zeichen der drahtlosen Vernetzung; Netzwerkkabel sind im modernen Haushalt größtenteils verschwunden. Damit einher geht der höhere WAF (= wife acceptance factor): Der im Keller befindliche, drahtlos an Fernseher und Hi-Fi-Anlage angebundene Medienserver lässt sich dem weiblichen Haushaltsvorstand besser vermitteln als das Kabelgewirr und die Lautstärke, die ein im Wohnzimmer eigens zu diesem Zweck installierter PC in der Regel mit sich bringt.

Das Problem ist: Ganz so einfach, wie sie in der Werbung dargestellt wird, ist die Vernetzung von Computern auch heute noch nicht. Ein wenig Theorie kann nicht schaden, bevor man sich anschickt, mit dem heimischen Netzwerk dem örtlichen Universitätsrechenzentrum Konkurrenz zu machen. Betrachten Sie das folgende Kapitel als Handreichungen zum Thema Netzwerktechnik im häuslichen Bereich. Beachten Sie aber: Die volle Bandbreite der Thematik kann hier nicht behandelt werden, denn mit dem Thema Netzwerktechnik lassen sich ganze Bücher füllen.

Das braucht man

Einen WLAN-fähigen Router: Lassen Sie sich nicht einreden, dass man einen PC auch problemlos als eigenständigen Router konfigurieren und sich zusätzliche Hardware sparen kann: Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum gesparten Geld. Und meist bekommen Sie einen Hardwarerouter ohnehin als Dreingabe zu Ihrem DSL-Anschluss dazu.
Einen günstigen Standort: Der Router sollte in unmittelbarer Umgebung in Ihrem Büro stehen. Wählen Sie einen Desktop-PC aus, der auf den Router über ein einfaches Lan-Kabel zu Konfigurationszwecken zugreifen kann. Das hat den Vorteil, dass bei einer Fehlkonfiguration immer noch eine physikalische Verbindung zum Router besteht. Per Wlan hätte man in einem solchen Fall keine Chance, das Gerät zu erreichen. Sollte der Router im Keller stehen (müssen), so bietet sich zur Konfiguration ein Laptop oder Netbook an, das man ebenfalls kurzfristig per Netzwerkkabel an den Router anbindet.

Am Rechner

einen Netzwerkanschluss: Die Clients, also die Geräte, die auf den Router zugreifen sollen, müssen über entsprechende Netzwerkhardware verfügen. Bei kabelgebundener Vernetzung sind dies ein Ethernetanschluss am Endgerät sowie passende Kabel (sogenannte Patchkabel). Bei drahtloser Vernetzung muss im zu vernetzenden Gerät ein Wlan-Netzwerkchip eingebaut sein, der Verbindungen nach dem Standard 802.11 ermöglicht. Sie können WLAN-Funktionalität bei Standard-PCs auch mithilfe eines USB-Wlan-Sticks nachrüsten.
Einen Browser: Dieser dient als Zugang zum Router.
Optional: einen Bluetooth-Anschluss: Während die Vernetzung von Bluetooth-Geräten untereinander relativ unproblematisch ist, kann man bei dem Versuch, ein Handy oder einen Drucker per Bluetooth mit einem PC zu vernetzen, durchaus schon einmal graue Haare bekommen. Insbesondere unter Windows gestaltet sich die Bluetooth-Kopplung mittels exotischer Dongles, die in der Regel wie USB-Speichersticks aussehen, dann problematisch, wenn die Treiber nicht mitspielen.

Router: die Kommunikationszentrale

Auspacken, anschließen und wundern: Wie komme ich vom PC auf den Router? Die meisten Router lassen sich heute per Browser administrieren. Stöpseln Sie Ihren Desktoprechner oder Ihr Notebook per LAN-Kabel an den Router an und konfigurieren Sie diesen wie folgt:

Finden Sie in der Bedienungsanleitung des Routers dessen IP-Adresse heraus. Das ist meist eine Nummer der Form 192.168.x.x. Ich verwende nachfolgend die Zahl 192.168.0.254.

An dieser Stelle schon ein Hinweis: Sollten Sie durch unüberlegtes Probieren den Router so falsch konfiguriert haben, dass er nicht mehr unter der werksseitig definierten Adresse erreichbar ist, gibt es am Router eine magische Tastenkombination, die das Gerät wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzt. Auch diese Information findet man im Handbuch.

- Geben Sie in Ihren Browser die zuvor ermittelte IP-Adresse ein. Sie landen nun auf der Weboberfläche des Routers.
- Geben Sie das werksseitig definierte Kennwort ein, das ebenfalls dem Handbuch zu entnehmen ist. Meist lautet das Kennwort an dieser Stelle 0000. Sie glauben gar nicht, wie viele Router sich durch Eingabe genau dieses Passworts knacken lassen, und das nur, weil der Besitzer zu faul war, es zu ändern. Diesen Fehler werden Sie natürlich nicht begehen:
- Ändern Sie sofort das Administratorpasswort des Routers. Dieses kann man zum Beispiel bei Fritz!Boxen im Bereich Einstellungen/System vornehmen.

Nun ist es an der Zeit, sich ein wenig auf dem Router umzuschauen. Die Oberfläche umfasst in der Regel die folgenden Konfigurationsbereiche:
- Im Bereich Internet werden die Internetzugangsdaten für Ihren Provider (bspw. T-Online, Alice, 1&1) eingegeben.
Der Bereich Wlan führt zur Konfiguration des drahtlosen Netzwerks.
Im Untermenü System beziehungsweise Netzwerk kann die Anbindung drahtgebundener Netzwerkgeräte vorgenommen sowie der DHCP-Server konfiguriert werden. Insbesondere wird hier auch das Passwort des Routers neu definiert. Zusätzlich kann per Firmwareupdate die Routersoftware aktualisiert werden. An Letzterem sollten sich aber nur Fortgeschrittene versuchen.

Die LAN-Anbindung

Die erste Verbindung haben Sie schon geknüpft: Gelangen Sie per Browserinterface von Ihrem PC oder Laptop auf den Router, dann steht schon der erste Teil des Netzwerks. Klappt die Verbindung nicht, so kann das zwei Gründe haben:
- Trivial: Die Kabelverbindung zwischen PC und Router ist gekappt. Also: korrekten Sitz der Patchkabelstecker überprüfen.
- Ist die Hardware korrekt angeschlossen, aber es kommt dennoch keine Verbindung zustande, überprüfen Sie, ob dem PC vom Router automatisch eine IP-Adresse zugwiesen wurde. Die Zuweisung der IP-Adresse durch den Router erfolgt ganz automatisch über DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) und wird unter Windows durch Eingabe des Befehls ipconfig in eine Kommandozeile (Start/Suchfeld: Eingabeaufforderung oder Ausführen ...) getestet.

In der Regel sollte der DHCP-Server nach einem Reset des Routers automatisch laufen und jedem angeschlossenen Gerät automatisch eine Adresse zuweisen. Dies können Sie folgendermaßen überprüfen bzw. aktivieren:
1. Begeben Sie sich mit dem Browser in die Netzwerkkonfiguration des Routers und suchen Sie dort nach dem Punkt Netzwerkeinstellungen/IP-Adressen.
2. Aktivieren Sie dort den DHCP-Server. Im Falle einer Fritz!Box gelangen Sie in das beschriebene Menü erst dann, wenn Sie die Expertenkonfigurationsoption aktiviert haben. 3. Aktivieren Sie nun im Konfigurationsdialog Ihres LAN-Adapters den Punkt IP-Adresse automatisch beziehen). Damit werden Gateway und Namensserver automatisch zugewiesen.

Sie können die Zuweisung einer Adresse aber auch leicht selbst vornehmen. Diese Variante bietet sich in überschaubaren heimischen Netzwerken an. Auch dann, wenn Ihr Router kein DHCP beherrscht, gilt es manuell Hand anzulegen. Der folgende Abschnitt wendet sich daher an die Experten, die ihr Netz durch manuelle IP-Zuweisung selbst kontrollieren wollen:

1. Begeben Sie sich in den Bereich Systemsteuerung und geben Sie dort den Suchbegriff Netz ein. Es erscheint der Menüpunkt Netzwerk- und Freigabecenter. Starten Sie diese Anwendung. Alternativ gelangen Sie mit einem rechten Mausklick auf das Netzwerk-Icon in der Taskleiste zum Netzwerk- und Freigabecenter.
2. Wählen Sie auf der linken Seite den Punkt Netzwerkverbindungen verwalten (bzw. unter Windows 7 Adaptereinstellungen ändern).
3. Führen Sie einen rechten Mausklick auf das Symbol der zu konfigurierenden Verbindung durch. Im vorliegenden Fall sollte es sich um den Eintrag LAN-Verbindung handeln. Klicken Sie auf den Kontextmenüpunkt Eigenschaften.
4. Wählen Sie im nun auftauchenden Fenster den Punkt Internetprotokoll Version 4 (bzw. je nach Netzwerktyp auch Version 6) aus und betätigen Sie den Knopf Eigenschaften. 5. Im folgenden Dialog tragen Sie die IP-Adresse des Adapters sowie die Subnetzmaske, den Standardgateway und den bevorzugten Namensserver (DNS) ein.

Dazu einige Erklärungen: Die IP-Adresse muss im selben Unternetz liegen wie der Router. Besitzt der Router die Adresse 192.168.0.254, dann wählen Sie für die IP des PCs eine Adresse aus dem Zahlenraum 192.168.0.X. X darf eine Zahl zwischen 1 und 254 sein. Sie muss sich von der Adresse des Routers unterscheiden. Die Subnetzmaske wird beim Klicken in das Eingabefeld automatisch auf 255.255.255.0 gesetzt. Als Gateway, also Schnittstelle zum Internet, wählen Sie die IP des Routers. Ebenso verfahren Sie mit der Adresse des DNS (Domain Name Server): Dieser bekommt ebenfalls die Router-IP. Der DNS übersetzt Internetadressen à la www.google.de in IP-Adressen wie 74.125.39.106. Stellen Sie sich das ungefähr so vor: Sie suchen in einem Telefonbuch zu einem Namen eine Telefonnummer.

6. Bestätigen Sie die Änderungen mit OK.

Internetzugang einrichten

Bei der beschriebenen Router-basierten Konfiguration werden die Zugangsdaten des Internetproviders direkt auf dem Router eingetragen.

1. Wählen Sie im Routerkonfigurationsmenü den Punkt Internet/Zugangsdaten. Geben Sie dort Ihre Zugangsdaten ein, die Ihnen von Ihrem Internetanbieter mitgeteilt wurden.
2. Speichern Sie die Änderung ab. Überprüfen Sie, ob Sie eine Internetseite aufrufen können.

Sie sehen: Die Konfiguration des Internetzugangs ist bei vorhandener DSL-Infrastruktur in wenigen Minuten erledigt.

Drahtlos glücklich: Wlan-Technik

Versteht man das oben erläuterte Prinzip der Lan-Verkabelung, ist der Weg zum drahtlosen Netz nicht weit. Nachfolgend zeige ich Ihnen, wie Sie das heimische Wlan aktivieren und ein Wlan-fähiges Endgerät ins Netz einbinden. Zunächst muss das drahlose Netzwerk am Router freigeschaltet werden. Bei der Verschlüsselung sollte die stärkste Variante, die von den anzubindenden Geräten unterstützt wird, verwendet werden. Die Reihenfolge der Verschlüsselungsstärke geht dabei von unverschlüsselt über WEP und WPA zu WPA2, der stärksten Verschlüsselung. Praktisch alle aktuellen Geräte beherrschen den WPA2-Modus.

1. Loggen Sie sich auf dem Router ein und begeben Sie sich zum Menü Wlan. Geben Sie Ihrem Netz einen aussagekräftigen Namen (die sogenannte SSID) und aktivieren Sie den Wlan-Sender. Die SSID kann und sollte später nach erfolgreicher Konfiguration verborgen werden. Während der Konfigurationsphase dient sie aber zur Unterscheidung des eigenen WLAN von Nachbarnetzen. Sollte es Probleme mit dem Netzwerk des Nachbarn geben, haben Sie an dieser Stelle auch die Gelegenheit, mit Ihrem Netz auf einen anderen Kanal auszuweichen.
2. Begeben Sie sich in das Wlan-Untermenü Sicherheit und aktivieren Sie dort die höchstmögliche Verschlüsselung, die Ihre Clients (Laptop, Handy, Netbook, PDA, iPod …) unterstützen.
3. Vergeben Sie ein komplexes Passwort mit einigen Sonderzeichen und bestätigen Sie die Konfiguration des Routers.

Nun kommt der Client an die Reihe.

4. Aktivieren Sie auf Ihrem mobilen Gerät den Wlan-Empfang. Kurze Zeit nach der Aktivierung meldet das Gerät die in der Umgebung erkannten drahtlosen Netzwerke.
5. Melden Sie sich durch Auswahl des soeben konfigurierten Netzes am Wlan an. Sie werden dazu aufgefordert, das im Router definierte Passwort einzugeben. Nach dessen Eingabe wird der Client in das Drahlos-Netzwerk integriert und Sie können lossurfen.

Es empfiehlt sich, den WLAN-Geräten wie oben beschrieben feste IPs zuzuweisen und nicht mit DHCP zu arbeiten: Der Verbindungsbau zum Wlan-Router geht in diesem Fall schneller. Die manuelle Zuweisung von IP-Adressen wurde bereits im Abschnitt Lan-Anbindung beschrieben.

Freigiebig: Dateien über das Netz tauschen

Nachdem Sie nun Ihr Heimnetz geknüpft haben, bietet es sich zum Tausch von Medien an. Die einfachste Variante bei Windows-Maschinen ist das Einrichten einer Netzwerkfreigabe. Das ist bei Windows Vista und Windows 7 mit wenigen Mausklicks erledigt:

1. Begeben Sie sich unter Vista in das Netzwerk- und Freigabecenter und aktivieren Sie dort unter Freigabe und Erkennung die Optionen Netzwerkerkennung, Freigabe von Dateien und Freigabe des Öffentlichen Ordners.
2. Führen Sie von einer anderen Windows-Maschine im Netz über die Startmenü-Option Netzwerk einen Netzwerkscan durch. Darauf sollte der Öffentliche Ordner als Netzwerkfreigabe gefunden werden.

Unter Windows 7 wurde die Netzwerkfreigabe ein wenig umstrukturiert: Sie finden sie unter dem Punkt Heimnetzgruppen und Freigabeoptionen auswählen im überarbeiteten Netzwerk- und Freigabecenter. Die oben besprochenen Einstellungen müssen Sie bei Windows 7 unter Erweiterte Freigabeoptionen vornehmen. Außerdem haben Sie unter Windows 7 die Möglichkeit, explizit Medienordner wie z. B. den Bilder- oder Musik-Ordner für die Netzwerkmitglieder freizugeben.

Bluetooth: für kurze Strecken

Zu meinem Geheimtipp unter den Netzwerktechniken hat sich in letzter Zeit Bluetooth entwickelt. Der Kurzstreckenfunk, der nach seiner Einführung mit einigen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte, ist mittlerweile bei den Handys kaum wegzudenken. Ich selbst nutze Bluetooth zum Übertragen von selbst erstellten Arbeitsblättern oder von Unterrichtszusammenfassungen in PDF-Form auf Schülerhandys: Das spart Zeit (das Hochfahren eines PCs zwecks Austausch von Dateien via Memorystick erübrigt sich) und schont im Übrigen auch den tropischen Regenwald, denn die Dateien können später bequem vom Handy auf den Schüler-PC übertragen werden: Der Ausdruck entfällt.

Der Austausch von Dateien via Bluetooth von Handy zu Handy ist denkbar einfach:

1. Aktivieren Sie auf den beiden Tauschpartnern die Bluetooth-Funktion.
2. Wählen Sie auf dem Senderhandy die zu sendende Datei im Dateimanager aus. Wählen Sie die Option Senden/über Bluetooth. Daraufhin hält der Sender Ausschau nach empfangsbereiten Handys in der Umgebung.
3. Wählen Sie das Handy aus, das die Datei empfangen soll. Der Empfänger muss nun seinerseits der Übertragung zustimmen. Schließlich wird die Datei abgeschickt und landet am gewünschten Ort.