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Umstrittener Scan von E-Mails: Google zeigt Besitzer von Kinderporno-Mails an

US-Polizisten haben einen Mann überführt, der im Besitz von kinderpornografischen Bildern gewesen sein soll. Der Hinweis kam von Google. Doch der moderne Fahndungserfolg sorgt für Diskussionen.

Dass Google das Nutzungsverhalten seiner User bis ins Kleinste analysiert, ist nicht neu. Im April gab der Suchmaschinenriese sogar zu, die E-Mails und Google-Drive-Dokumente aller Nutzer seines Gmail-Dienstes zu scannen. Das wurde einem Mann aus Houston offenbar zum Verhängnis: Wie der "Business Insider" berichtet, sind Google drei kinderpornografische Bilder des Users im Gmail-Postfach aufgefallen. Vermutlich schlug ein automatisches Warnsystem Alarm. Daraufhin wurder das amerikanische National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) informiert, das sich wiederum an die örtliche Polizei wendete, die den Mann schließlich festnahm.

Täter war der Polizei bereits bekannt

Detective David Nettles sagte zu dem Vorfall: "Er versuchte, nicht geschnappt zu werden, er versteckte die Bilder in seinen E-Mails. Ich kann die Informationen nicht sehen, ich kann das Foto nicht sehen, aber Google schon." Bei der Hausdurchsuchung entdeckten die Polizeibeamten auf dem Handy und dem Tablet des Mannes mutmaßlich kinderpornografisches Material und verdächtige Textnachrichten, schreibt "Business Insider". Die Kaution wurde auf 200.000 Dollar festgesetzt.

Der Mann war der Polizei bereits bekannt: Bereits 1994 war er wegen Kindesmissbrauchs an einem achtjährigen Jungen verhaftet worden, schreibt Tim Wetzel vom US-Sender "Khou 11 News". "Er sah wie ein normaler Mann aus", sagt seine Nachbarin Yesenia Gonzales der Online-Ausgabe des Senders. "Gott sei Dank gibt es Google."

Es gibt keine Privatsphäre mehr

Google hat sich zu dem Fall bislang nicht geäußert. Vermutlich verwendete das Unternehmen eine Technologie, bei der bereits bekannte Bilder mathematisch abstrahiert und in einer Datenbank hinterlegt werden, sodass sie eindeutig identifizierbar sind. Verschickt ein Gmail-User eines der Bilder, wird das NCMEC automatisch informiert. Google hat die Pflicht, Inhalte wie kinderpornografische Bilder zu melden, wenn es davon erfährt.

Im Fall des 41-jährigen Verdächtigen hatte Google den Mann aber aus freien Stücken angezeigt, weshalb es auch kritische Stimmen gibt. Die Journalistin Julie Bort schreibt auf "businessinsider.com": "Die Debatte zeigt, wie viel Privatsphäre Nutzer von Google-Diensten wie dem E-Mail-Service erwarten können: Gar keine."

Christoph Fröhlich