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Neue Technologie: "Es geht um Leben und Tod" - warum 5G die Wettervorhersage um 40 Jahre zurückwirft

Mit dem neuen Mobilfunk-Standard 5G soll unsere Zukunft so digital werden wie nie. Doch in manchen Ländern bedeutet die Technologie einen gewaltigen Rückschritt - und macht Wetterkatastrophen quasi nicht mehr vorhersehbar. Deutschland ist bisher nicht betroffen.

Stürme würden durch die 5G-Störungen deutlich schwieriger vorhersagbar

Stürme würden durch die 5G-Störungen deutlich schwieriger vorhersagbar

Picture Alliance

Wohl von keiner Technologie erwartet man sich eine solche Revolution: Der neue Mobilfunk-Standard 5G soll nicht nur das mobile Internet in völlig neue Geschwindigkeits-Dimensionen hieven, sondern unsere gesamte Wirtschaft und Gesellschaft digitalisieren. Autonome Autos, komplett digital geschaltete Städte, ungeahnte Möglichkeiten verspricht die kommende Technologie. Doch Wetterexperten warnen nun: In Bezug auf Wetter-Prognosen droht wegen 5G eine Katastrophe.

"Am Ende könnte es den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen" - so drastisch formuliert es Tony McNally, Wetterexperte des Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage gegenüber dem "Guardian". "Die Umsetzung bei der Einführung von 5G könnte ernsthaft unsere Fähigkeit beeinträchtigen, große Stürme vorherzusagen."

Kaum messbare Dampf-Signale

Schuld sind die für die neue Technologie frei gemachten Frequenzen, warnte die NASA in einem Artikel in der Fachzeitschrift Nature. Um Stürme effektiv vorhersagen zu können, sind Forscher auf ein sehr schwaches Signal angewiesen, das von Wasserdampf auf einer Frequenz von 23,8 GHz abgegeben wird. Das Problem: Viele der für 5G freigegeben Frequenzen liegen in einem sehr ähnlichen Spektrum, in den USA sind das etwa die Bereiche zwischen 24,25 und 24,45 GHz sowie zwischen 24,75 und 25,25 GHz. Wird in Zukunft in diesen Bereichen dauergefunkt, gehen die schwachen Signale des Dampfes in diesem Grundrauschen schlicht unter. 

Die Folgen wären dramatisch. Die dadurch fehlenden Wetterdaten würden die Fähigkeit das Wetter vorherzusagen um 40 Jahre zurückwerfen, sagte Neil Jacobs, der Leiter der für Ozeane und die Atmosphäre zuständigen US-Behörde NOAA, letzte Woche vor dem US-Kongress. Der Supersturm Sandy wäre etwa ohne diese Daten vor der Küste verortet worden, so Jacobs. So wären statt mehrerer Tage nur wenige Stunden für Schutzmaßnahmen geblieben - und die Katastrophe noch größer gewesen. Sandy hatte 2012 trotz Vorbereitungszeit mindestens 147 Menschen das Leben gekostet.

Ist Deutschland gefährdet?

Für Deutschland erwarte man diese Probleme nicht, erklärte die europäische Satelliten-Organisation EumetSat gegenüber dem "Weather Channel Deutschland". "Bei der Auktion wird nicht für die Bänder um 26 GHz geboten, die mit potenziell unerwünschten Emissionen die Satellitensensoren stören." In den europäischen Ländern wird aktuell vor allem um Frequenzen im Bereich zwischen 3,4 und 3,8 GHz geboten. Die Frequenzen zwischen 24,25-27,5 GHz wurden allerdings am 14. Mai dieses Jahres per Beschluss ebenfalls für die Nutzung für 5G bestimmt. Ab dem 31. Dezember 2020 können sie nach aktuellem Stand von den EU-Staaten versteigert werden.

Einen Fehler der USA will man dabei vermeiden. Die dortigen Behörden haben besonders laxe Grenzwerte für die Intensität der Störungen gesetzt, sie erlauben um das 150-fach stärkere Störungen als die EU. Die Weltorganisation für Meteorologie empfiehlt derweil noch strengere Grenzen: Sie sollen nach Meinung der Experten gar 3000 mal strenger sein als die der USA.

Wie stark die europäischen Vorhersagen tatsächlich leiden, wird sich zeigen müssen. Da sich das Wetter global beeinflusst, spielen bei der Berechnung der europäischen Voraussagen auch die US-Messungen eine Rolle. "Es ist ein globales Problem", fasst US-Meterologe Jordan Gerth das Problem gegenüber "Nature" zusammen. Nur die Lösung findet aktuell noch national statt.

Quellen: Nature, The Guardian, "Washington Post", "The Weather Channel", Europäische Kommision