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Verstörendes Experiment Mütter überführen erwachsene Männer auf Instagram, die minderjährigen Mädchen nachstellen

Mädchen spielt auf der Wiese am Handy
Junge Mädchen werden in sozialen Netzwerken regelmäßig belästigt – vor allem von erwachsenen Männern (Symbolbild)
© PhotoZel / Getty Images
Eine Tech-Firma aus den USA will Pädophile auf Instagram in die Falle locken und so Missbrauch verhindern. Die Erfahrungen, die die Mitarbeiter dabei machen, sind schockierend.

Apps wie Instagram gehören für viele Kinder zum Alltag, sie verbringen viele Stunden ihrer Freizeit dort. Offiziell müssen Nutzer 13 Jahre alt sein, um sich in dem Netzwerk anmelden zu dürfen. Doch die Altersangaben werden nicht überprüft, auch für Jüngere ist es ohne größere Schwierigkeiten möglich, einen Account zu erstellen. Die Eltern wissen oft nicht davon oder sind sich der Gefahren, die im Internet auf ihre Kinder lauern können, nicht bewusst.

Das Tech-Unternehmen Bark betreibt eine App, die es Eltern erlaubt, die Aktivitäten ihrer Kinder am Handy besser zu überwachen und möglicherweise einzuschränken. Außerdem arbeitet die US-amerikanische Firma auch mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um Pädophile zu überführen. Dazu nutzt das Unternehmen Make-up, moderne Methoden der Fotomanipulation und Schauspielkunst: So entstehen fiktive Instagram-Nutzerinnen im Teenager-Alter, die Sexualstraftäter anziehen sollen.

Erwachsene schlüpfen in die Rolle minderjähriger Mädchen

Eine von ihnen ist Sloane Ryan, eine 37 Jahre alte Mutter, die bei Bark mit diesem speziellen Projekt betraut ist. In einem Text auf der Blog-Plattform "Medium" hat sie ihre Arbeitsweise beschrieben – aus Sicherheitsgründen benutzte sie dabei ein Pseudonym statt ihres echten Namens. Die Erfahrungen, die sie darin schildert, sind teils erschütternd und zeigen, wie skrupellos erwachsene Männer auf Online-Plattformen minderjährigen Mädchen nachstellen.

Für das Projekt schlüpfte Ryan in die Rolle der elfjährigen Bailey und übernahm ihren fiktiven Instagram-Kanal. Sie postete einige Fotos in einem Stil, wie es elfjährige Mädchen tun: mit Rechtschreibfehlern, Abkürzungen, Hashtags, mehreren Ausrufezeichen und Emojis. Für die Bilder wurde sie von einer Stylistin zu einem Mädchen in dem Alter zurechtgemacht, ihr Gesicht wurde mittels Software angepasst. So war die 37-Jährige schließlich nicht mehr von einem elfjährigen Mädchen zu unterscheiden – und zahlreiche Männer fielen darauf herein.

Sexuelle Nachrichten von Männern um die 40

Auf ein simples Selfie hin hätten sich innerhalb von nur zwei Stunden 15 erwachsene Männer mit Privatnachrichten gemeldet, berichtet Ryan: "Die Hälfte von ihnen hätte man wegen des Verschickens von obszönen Inhalten an Minderjährige anklagen können." Noch immer ist Ryan schockiert von dem "Ausmaß an Grausamkeit und Perversion". Tatsächlich lassen die Nachrichten, die sie in der Rolle der Elfjährigen erhält, wenig Interpretationsspielraum. Viele der Männer, einige um die 40 Jahre alt, schicken ihr eindeutige, hochsexualisierte Sätze, senden Fotos ihrer Genitalien und fordern Nacktbilder von dem Mädchen.

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Ryan dokumentiert in ihrem Text diese Nachrichten mit Screenshots – auf Zitate verzichten wir hier. Auch nach Monaten ist diese Arbeit für Sloane Ryan immer noch psychisch höchst anstrengend, sie fühle sich traumatisiert, schreibt sie. Manchmal nimmt sie sogar Telefonanrufe an, mit verstellter Stimme. Alle Interaktionen mit den Männern werden von ihrem Team genau festgehalten und an die zuständigen Behörden weitergegeben.

Sie wollen Eltern warnen und Straftäter zur Rechenschaft ziehen

Mit dem ungewöhnlichen Projekt wollen die Verantwortlichen von Bark einerseits Eltern die Gefahren im Netz deutlicher vor Augen führen. "Wenn Eltern an Sexualstraftäter denken, denken sie an jemanden, der ihr Kind in einen Kofferraum steckt und davonfährt. Sie denken nicht an den unsichtbaren Missbrauch, der online geschieht", sagte Ryan. "Die brutale Realität ist, dass er nicht im gleichen Raum oder Gebäude sein muss, um ein Kind zu missbrauchen, nicht einmal im gleichen Land."

Andererseits soll ihr Team dazu beitragen, dass Täter, die bereits Kinder missbraucht haben, zur Rechenschaft gezogen werden oder Pädophile erkannt werden, bevor es zu Straftaten mit echten Kindern kommt. Zu einzelnen Fällen könne sie sich nicht äußern, erklärt Ryan, in diesem Jahr aber habe ihr Unternehmen das FBI bereits auf mehr als 300 Männer aufmerksam gemacht.

Quellen:Text von Sloane Ryan auf "Medium" / Bark


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