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Apple Event: iPhone X: Apple hat seine Magie wiedergefunden

Apple hat - wie erwartet - sein neues iPhone vorgestellt. Das iPhone X ist aber mehr als nur das beste iPhone aller Zeiten. Apple hat endlich seinen alten Glanz wiedergefunden.

Als Steve Jobs vor zehn Jahren das vorstellte, war noch nicht zu ahnen, wie sehr seine Vision des Smartphones unsere Welt verändern würde. Mit einem Zittern in der Stimme eröffnete sein Nachfolger Tim Cook heute die erste Keynote im nach dem Gründer benannten "Steve Jobs Theater" in der neuen Firmenzentrale Apple Park. Im Gepäck hatte er das wichtigste Gerät seit Jahren: das iPhone X.

Zum zehnten Geburtstag des iPhones hat Apple sich jede Menge vorgenommen. In den letzten Jahren wurde immer wieder Apples Mangel an Innovationen bemängelt. Allem Anschein nach hat man sich viele für das iPhone X aufgespart. Es ist tatsächlich das innovativste iPhone seit Jahren. Die Magie ist zurück.

Der Zauber muss warten

Zunächst musste man aber Spannung aufbauen. Mit der Watch Series 3.0 mit LTE und dem Apple TV 4K hat Apple in erster Linie lange erwartete Produkt-Pflege betrieben - also das, was viele dem iPhone-Konzern vorwarfen. Die Geräte sind sicher gut, aufregend sind sie für sich nicht. Dann kam endlich das iPhone, zunächst in einem Rückblick. "Wir haben mit dem iPhone eine Innovation nach der anderen geliefert", erklärte Cook. "Das hat uns heute hierher gebracht." Statt des Paukenschlags kam aber nur das iPhone 8.

Tim Cook steht bei der Apple-Keynote vor einem Bild des iPhone X

Tim Cook hat heute das iPhone X und das iPhone 8 vorgestellt


Wer sich nun die große Innovation erhofft hatte, wurde wieder enttäuscht. Klar, das iPhone 8 sieht mit seiner Glasrückseite sehr schick aus, ist schneller und schießt bessere Fotos. Wie immer eben. Auch, wenn mit den extrem guten Low-Light-Aufnahmen - mit satten 83 Prozent mehr Lichtaufnahme - und nachträglichem Ausleuchten von Porträts schon tolle Neuerungen an Bord sind. Hätte Apple nur dieses iPhone gezeigt, wäre die Begeisterung trotzdem deutlich verhaltener gewesen. Das kann auch ein praktisches Feature wie kabelloses Laden nicht retten. Schließlich gibt es das bei auch schon.

Direkt aus Cupertino: Der Apple-Abend in Bildern: So schick sind iPhone X und Co.
iPhone X Apple

Das 5,8 Zoll große Display nimmt fast die gesamte Vorderseite des iPhone X ein.

iPhone mit X ...

"Aber wir hören hier nicht auf", erlöst Cook unser Warten. Und dann der magische Satz, auf den Anhänger immer wieder hoffen: "We do have one more thing." Das iPhone X. Das wird "iPhone Ten" ausgesprochen, ist also Apples Ansicht nach so weit fortgeschritten, dass man die "9" einfach überspringt. Man habe mit dem iPhone das letzte Jahrzehnt geprägt "Nun zeigen wir ein Produkt, dass die Marschrichtung für die nächsten zehn Jahre angibt." 

Tatsächlich folgt ein wahrer Sturm der Innovation, die Apple solange vermissen lies. Das neue Design mit dem fast die ganze Front bedeckenden Display hat man zwar auch schon bei Samsung und LG gesehen, so zu Ende gedacht wie Apple hat es bisher aber noch keiner. Chef-Designer Jonathan Ive hat nicht nur die Hardware neu gestaltet - sondern gleich die ganze Art der Nutzung umgekrempelt.

Wischen und gucken

Wie kein zweites Smartphone zuvor verzichtet das iPhone nun auf Knöpfe. Als Samsung beim Galaxy S8 den Home-Button strich, ersetzte man ihn durch einen virtuellen Knopf im Display, der Fingerabdruck-Scanner landete auf der Rückseite. Bei Apple wird beides ganz abgeschafft. 

Bei der Steuerung wird nun gewischt, statt gedrückt. Ob das Schließen einer App oder das Wechseln über die Multitasking-Ansicht: Beides geschieht nun über ein Wischen vom unteren Rand nach oben. Das vorher mit dieser Geste geöffnete Kontrollzentrum landet nun wie bei am oberen Rand. Ansätze für eine Gestensteuerung gab es schon vorher, so konsequent hat sie aber noch keiner als wichtigstes Steuerelement umgesetzt.

Schau mir in die Linsen

Beim Entsperren hat Apple ebenfalls die Nase vorn. Statt des Fingerabdrucks ist nun das Gesicht gefragt. Auch hier setzt Apple Maßstäbe: Während Android-Smartphones durchaus Gesichter erkennen, geht Apple einen Schritt weiter. Face ID setzt auf Infrarot, einen Punktprojektor und weitere unterschiedliche Techniken inklusive künstlicher Intelligenz, um jedes Gesicht genau abzuscannen und zuverlässig und sehr schnell wiederzuerkennen.

Das soll mehr als 20-Mal so sicher sein wie das Entsperren per Fingerabdruck, nur in einem von einer Million Fällen kann ein anderes Gesicht den Scanner austricksen, behauptet Apple. Zudem soll Face ID durch Infarot sogar im Dunkeln funktionieren und bemerken, ob man wirklich auf den Bildschirm schaut. Hat man seine Augen woanders, bleibt der Screen gesperrt. Da kann weder Androids Gesichtserkennung noch Samsungs Iris-Scanner mithalten. Die Spielereien mit sich nach Vorgaben des eigenen Gesichtausdrucks bewegenden Emojis, Animojis getauft, gibt es dann noch dazu.

Ab auf die Matte

Auch beim faden Thema Wireless Charging bekommt Apple doch noch den Wow-Effekt hin. Natürlich können andere Geräte das bereits viel länger. Mit Apples kommender Ladematte kann man aber alle Geräte, vom iPhone, der neuen Apple Watch Series 3 und den AirPods alle auf einer Fläche kabellos laden - inklusive schicker Animation und Akkustand aller Geräte auf dem iPhone-Screen. So sexy war Wireless Charging noch nie. Da kann man sogar über den albernen Namen AirPower hinwegsehen.

Dass Apple für das iPhone X dann natürlich noch die beste Kamera aller Zeiten, Selfies mit Tiefeneffekt und Video-Aufnahmen mit künstlicher Intelligenz verspricht, ist dann nur noch das Sahnehäubchen. Genauso wie die zwei Stunden zusätzliche Akku-Laufzeit.

Am Ende kommt doch die Ernüchterung. Satte 1149 Euro verlangt Apple für das kleinere iPhone X mit 64 GB Speicher. Für 256 GB legt man sogar 1319 Euro hin. So teuer waren Mainstream-Smartphones noch nie. Selbst wenn alles wirklich so toll funktioniert, wie Apple das behauptet, ist der Preis für die meisten Kunden eine schlichte Zumutung. Aber vermutlich wird Apple wenig Probleme haben, die neuen Geräte unter die Leute zu bringen. Der Magie sei Dank.