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Galaxy S5: Samsungs Alles-muss-rein-Handy

Ein Fingerscanner, ein Pulsmesser, ein Riesendisplay und eine HD-Frontkamera für Selfies: Samsungs Galaxy S5 ist vollgestopft mit Technik. Doch ist das genug?

Von Christoph Fröhlich

Samsung liebt den großen Auftritt, das war am Montagabend wieder offensichtlich: Knapp 5000 Journalisten drängelten sich in einer riesigen Halle in Barcelona und warteten auf die Präsentation des Galaxy S5, das in seiner Bedeutung für die Smartphone-Branche längst mit dem iPhone gleichgezogen hat. Es war das Highlight des diesjährigen Mobile World Congress. Doch bevor Samsung-Chef JK Shin sein neuestes Gadget aus der Sakkotasche zog, mussten die Pressevertreter zunächst Sitzfleisch beweisen: Fast zehn Minuten spielte ein kleines Streichorchester die typische Samsung-Melodie, die immer wieder von dramatischen Akkorden untermalt wurde.

Als das Orchester verstummte und alle dachten, nun geht die Samsung-Show los, griff der Dirigent erneut zum Taktstock - und stimmte dann das zweite Stück an. War das Galaxy S5 etwa noch gar nicht fertig und hinter der Bühne wurde noch fleißig geschraubt? Oder wollte sich Samsung einfach der Hektik der heutigen Zeit nicht beugen? Doch nach einer knappen Viertelstunde ging das Licht dann aus und auf einer riesigen Leinwand zählte ein Countdown herunter. Vorhang auf für das Galaxy S5.

Ein Smartphone für den Alltag

Woraus kommt es bei einem Smartphone an? Nach eigenen Angaben wollen die mittlerweile mehr als 200 Millionen Samsung-Kunden nicht die beste Technologie, erklärt Firmenchef Shin zu Beginn des Events. Sie wollen vor allem Einfachheit. Ihr Smartphone soll ein schönes Design haben, eine gute Kamera, sie wollen immer mit Freunden verbunden sein und sie wollen topfit bleiben. Das sei die Grundlage bei der Entwicklung des Galaxy S5 gewesen, sagte der Samsung-Manager.

Als Shin dann das neue Top-Handy aus der Tasche zog, war der Applaus etwas verhalten. Nach dem imposanten Intro, das nicht weniger als ein Weltwunder erwarten ließ, gab es dann doch nur ein Handy zu sehen. Und viele der vorab kursierenden Gerüchte hatten sich nicht bewahrheitet. Ein ultrahochauflösendes 2K-Display? Sucht man vergebens. Ein edles Metallgehäuse? Vielleicht beim nächsten Mal. Ein runderneuertes Betriebssystem? Naja, ein bisschen zumindest.

Das kann das Galaxy S5

Das Galaxy S5 hat einen 5,1 Zoll (12,9cm) großen Bildschirm mit Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel). Im Inneren stecken ein Vierkernchip und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Die Kamera auf der Rückseite knipst mit 16 Megapixeln, die Frontkamera hat 2,1 Megapixel - damit sind Selfies in HD-Qualität möglich. Der Akku hat eine Kapazität von 2800 Milliamperestunden und soll bis zu 12 Stunden Videowiedergabe ermöglichen. Das neue Top-Galaxy ist zudem IP67-zertifiziert, ist also vor Staub und Spritzwasser geschützt. All das ist völlig ausreichend, doch Samsung war in den letzten Jahren bekannt dafür, die Messlatte hochzulegen. Doch diesmal sollten nicht rasend schnelle LTE-Verbindungen oder rasend schnelle Prozessoren im Mittelpunkt stehen, sondern neue Sensoren, die den Alltag der Nutzer leichter machen sollen.

Im Home-Button am unteren Rand des Bildschirms steckt wie im iPhone 5S ein Fingerabdruckscanner. Im Gegensatz zum Apple-Handy reicht es aber nicht, den Finger einfach auf den Scanner zu legen. Stattdessen muss man nun darüber wischen, um das Telefon zu entsperren. Dafür beherrscht das Galaxy mehr Funktionen: So kann man mit dem Fingerscanner einen Privatmodus starten, der persönliche Daten wie Bilder und Dokumente vor fremden Augen schützt. Außerdem kann man den Scanner auf Webseiten mit Paypal-Integration zum bezahlen nutzen. Wie gut das im Alltag klappt, muss ein Test zeigen.

Sportlehrer in der Hosentasche

Der zweite neue Sensor, ein Pulsmesser, befindet sich in der nun leicht geriffelten Rückseite, die für einen besseren Halt sorgen soll. Um die Herzfrequenz zu messen, muss der Finger einfach auf die Rückseite gelegt werden, anschließend zeigt das Smartphone nach etwa fünf Sekunden einen Messwert an. Die Ergebnisse sollen ersten Tests zufolge aber häufig schwanken. Das S5 hat auch einen eingebauten Schrittzähler.

Die App "Personal Fitness Tracker" profitiert von den neuen Sensoren. Die Anwendung sammelt die Daten und errechnet daraus eine Art Fitness-Index. Die Touchwiz-Oberfläche wurde überarbeitet, viele Apps haben neue Symbole spendiert bekommen. Eine so große Revolution wie Apples Umstieg auf iOS 7, wie es viele Fans zuvor erhofft hatten, gab es aber nicht.

Neue Kamera-Modi und Spritzwasserschutz

Ein weiteres Highlight ist die Kamera auf der Rückseite. Der Autofokus der Foto-App löst in rekordverdächtigen 0,3 Sekunden aus. Laut Samsung ist das bis zu viermal schneller als bei Konkurrenz-Modellen. Spannend klingt zudem ein Feature namens "Selective Focus": Damit kann man Bilder, wie bei einer Lytro-Kamera, im Nachhinein scharf stellen. Ein anderer Modus erlaubt es dem User, einen Raum so zu fotografieren, dass man auf dem Handy anschließend einen virtuellen Rundgang machen kann.

Zusammen mit dem S5 zeigte der Konzern die Datenuhr Gear Fit. Sie sieht wie ein Fitness-Armband aus, kann auf ihrem leicht gebogenen Display (1,84 Zoll) aber im Zusammenspiel mit einem Smartphone auf eingegangene E-Mails oder Kurznachrichten hinweisen.

Das Galaxy S5 wiegt 145 Gramm, ist 8,1 Millimeter dick und erscheint in vier Farben: weiß, schwarz, blau und gold. Es erscheint im April weltweit in 150 Ländern. Zum Preis hat sich Samsung bislang nicht geäußert.