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Neues Betriebssystem: Mit iOS 14 plant Apple eine weitreichende Änderung auf allen iPhones

Apples iOS-Betriebssystem hat in den vergangenen 13 Jahren viele Änderungen durchgemacht. Eines blieb jedoch immer gleich: Die Standard-Apps von Apple konnten nicht durch andere Anwendungen ersetzt werden. Das könnte sich womöglich noch in diesem Jahr ändern.

iOS 12 hat einige Neuerungen im Gepäck

Mit der nächsten iOS-Version könnten große Änderungen kommen.

Als Apple im Jahr 2008 seinen App Store startete, war das Angebot noch überschaubar: Gerade einmal 500 Mini-Programme standen zum Download für das iPhone bereit. Die Kacheln wurden ein gigantischer Erfolg: Innerhalb weniger Wochen wuchs das Angebot auf Tausende Apps, mittlerweile gibt es mehr als zwei Millionen (lesen Sie hier mehr zur Geschichte der Apps - und warum Steve Jobs sie ursprünglich gar nicht wollte).Einige Dinge haben sich seit den Anfangstagen des iPhones jedoch nicht verändert: Bis heute lässt es Apple nicht zu, Anwendungen von Drittanbietern als Standard-Apps einzurichten. Klickt man etwa auf einen Link, öffnet sich immer der Safari-Browser, auch wenn man Googles Chrome installiert hat. Doch genau das könnte sich bald ändern.

Apple plant lockerere Regeln

Einem Bericht des US-Nachrichtenportals "Bloomberg" zufolge denkt Apple darüber nach, im Herbst mit dem neuen Betriebssystem iOS 14 die bislang starren Regeln im Umgang mit Standard-Apps zu lockern. Nutzer könnten dann die vorinstallierten Standard-Apps durch beliebige Drittanbieter-Anwendungen ersetzen. Wer sowieso eine Gmail-Adresse hat, könnte dann die gleichnamige App als voreingestellten Mail-Dienst einrichten. Und wem die hauseigene Kamera-App zu wenige Möglichkeiten bietet, der könnte etwa das kostenpflichtige Profi-Tool "Halide" als Standard wählen.

Apples HomePod könnte ebenfalls durch diese Neuregelung attraktiver werden. Bislang funktioniert der Siri-Sprachlautsprecher ausschließlich mit dem Abodienst Apple Music, andere Musikstreamingdienste lassen sich nur über Umwege darauf wiedergeben. Mit einem entsprechenden Update könnten in Zukunft auch Spotify und andere Anbieter wie Deezer oder Tidal direkt über das Gerät abspielbar sein.

Entscheidung nicht endgültig gefällt

Entschieden sei die Sache noch nicht, schreibt "Bloomberg", man ziehe die Option in Cupertino aber offenbar ernsthaft in Betracht. Für Apple und mehr als eine Milliarde Nutzer wäre das nach 13 Jahren ein entscheidender Richtungswechsel. Bislang befinden sich auf dem iPhone 38 vorinstallierte Apps, darunter der Safari-Webbrowser, der Kartendienst Maps, ein Podcast-Player, Nachrichten und Mail.

Das Umdenken bei Apple könnte durch die Monopol-Untersuchungen in Europa und den USA eingesetzt haben. Ermittler prüfen seit vielen Monaten, ob der Konzern Mitbewerber durch (zu) strenge App-Store-Richtlinien gängelt und seine eigenen Dienste dadurch profitieren. Der schwedische Musikdienst Spotify etwa legte im März vergangenen Jahres bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen Apple ein. Darin wird dem Konzern aus dem kalifornischen Cupertino vorgeworfen, seine Macht zu missbrauchen. Apple wies die Vorwürfe des Geschäftspartners und Konkurrenten zurück.

Nicht nur um die starren Richtlinien bei der Wahl der Standard-Apps gibt es viele Diskussionen, sondern auch um die Tatsache, dass Apps ausschließlich über den App Store bezogen werden können. Apple habe den Markt widerrechtlich monopolisiert, argumentieren die Kritiker.

Darauf angesprochen entgegnete Apple-Chef Tim Cook im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem stern: "Kein vernünftiger Mensch würde Apple jemals als Monopolist bezeichnen." Zudem unterstrich er, dass es in jedem Markt, in dem Apple aktiv sei, starke Konkurrenz gebe und man keinen dominanten Marktanteil habe.

Einen ersten Blick auf iOS 14 wird Apple voraussichtlich Anfang Juni im Rahmen der weltweiten, hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC geben. Die finale Version der neuen Betriebssysteme wird in der Regel im September zum Download angeboten, parallel zum Verkaufsstart der neuen iPhone-Generation.

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