HOME

Palm Pre: Schmuckstück für iPhone-Verweigerer

Mit dem neuen Smartphone Pre will Palm zurück in die Taschen der Bundesbürger und gleichzeitig zeigen, dass nicht nur Apple tolle Handys bauen kann. stern-Redakteur Dirk Liedtke hat sich den smarten Hoffnungsträger genauer angeschaut.

Es war einmal eine Firma, deren kleine Taschencomputer so erfolgreich waren, dass ihr Name austauschbar für ähnliche Geräte wurde: "Palm Pilot" oder kurz "Palm". Diesem Gerät vertrauten die Menschen ihr Adressbuch, Einkaufszettel, Notizen und wer sich gut auskannte, auch E-Mails an. Wer einen Palm hatte, behütete ihn sorgsam in einer Schutzhülle aus Leder.

Als Jahre später Blackberry und iPhone die Talente des Palm mit einem Handy vereinten und als Smartphone leicht bedienbar mach-ten, war Palm längst in Vergessenheit geraten. Konkurrenzfähige Modelle kamen zu spät. Die Ver-kaufszahlen schrumpften. Aber jetzt bringt Palm ein neues Smartphone, den Pre, das aus der wachsenden Masse der iPhone-Kopien hervorsticht. Er hat das Zeug, zu einem Geheimtipp zu werden - für alle, denen digitale Technik kein Selbstzweck ist, sondern ein Hilfsmittel, den Alltag zu organisieren.

Das schwarze Handy ist von den Außenmaßen her etwas kleiner als ein Zehnerpack Papiertaschentücher, etwas dicker als eine Tafel Schokolade und liegt mit 136 Gramm Gewicht solide in der Hand. Es gleitet leicht in eine Jeanstasche und stört dort nicht. Sanfte Rundungen verleihen dem Pre freundliche Züge. Schiebt man das Gerät auseinander, neigt sich das Display leicht dem Betrachter entgegen und eine knubbelige Tastatur mit Qwertz-Belegung tritt hervor. Nur für Umlaute muss man eine Umschalttaste drücken.

Wer bislang ein normales Handy zum Telefonieren und simsen nutzt, wird sich schnell mit dem Pre anfreunden. Zum Telefonieren blendet man einfach auf dem berührungsempfindlichen Display ein großes Ziffernfeld ein. Um eine SMS oder eine E-Mail zu verfassen, benutzt man die Tasten und alle weiteren Funktionen steuert man mit Klicks auf das helle, kontrastreiche Display oder mit Gesten. Gesten?

Nette Geste

Unter dem Display befindet sich ein Bereich, der auf Fingerbewegungen reagiert und mit dem Aufleuchten jeweils einer weißen LED links und rechts eines Trackballs signalisiert: Befehl ist angekommen. Schnell prägen sich ein paar notwendige Bewegungen ein und man verinnerlicht das Bedienkonzept: um den Ausschnitt einer Webseite oder eines Fotos zu vergrößern, tippt man zweimal auf das Display. Um einen Schritt zurück zu gehen, wischt man auf dem Steuerbereich schnell nach links.

Wie einst der Palm Pilot hilft der Palm Pre, den Alltag unterwegs online zu organisieren: der Webzugang ist komfortabel, E-Mail-Konten, sowohl privat als auch geschäftlich lassen sich abfragen, Kalenderdaten mit dem PC abgleichen. Zugegeben, das können viele Smartphones, aber der Pre ist ein besonders harmonisches Gesamtkunstwert aus schicken Design und guter Software. Hat man das Gerät ausgepackt und zum ersten Mal eingeschaltet erklärt ein kleiner Lehrfilm die wichtigsten Funktionen. Und nach Eingabe einiger Passwörter etwa für das E-Mail-Konto und Facebook, läuft der Telefoncomputer sofort rund.

Ladestation mit Handymagnet

Das zeigt auch das gegen einen Aufpreis von rund 70 Euro erhältliche neuartige Ladegerät: Macht der Akku schlapp, legt man den Pre einfach auf einen schrägen Sockel, der an der Steckdose hängt. Ein Magnet hält das Handy in Position und der Saft wird wie bei einer elektrischen Zahnbürste per Induktion übertragen.

Der größte Nachteil des Pre ist die im Vergleich zum iPhone, Nokia- oder Google-Handys noch lächerlich kleine Zahl von Zusatzprogrammen, die man installieren kann. Zwar gibt es das Gerät offiziell nur bei O2, aber es läuft auch mit der Karte anderer Netzbetreiber. Und mit 481 Euro ist es auch noch günstiger als das iPhone.

Von Dirk Liedtke