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Sinkende Gewinne: Apple enttäuscht und wirft mit Geld um sich

Die letzten Innovationen sind Jahre her, die Aktie und die Gewinne sinken: Apple hat einen Durchhänger. Konzernchef Tim Cook macht Andeutungen über geplante Neuerungen - und beschenkt die Anleger.

Der beispiellose Erfolgslauf von Apple scheint zumindest vorerst gestoppt. Erstmals seit fast zehn Jahren sinkt der Gewinn des kalifornischen Kult-Konzerns. Obwohl der Hersteller des iPhones noch immer 9,5 Milliarden Dollar im Quartal verdiente, also umgerechnet gut 7,3 Milliarden Euro, werden die neuen Zahlen dem Unternehmen als Schwäche ausgelegt. Denn bislang war man von Apple gewöhnt, dass es stetig aufwärts geht.

Zwar erzielte die von Steve Jobs einst mitgegründete Firma zwischen Anfang Januar und Ende März noch immer den vierthöchsten Quartalsgewinn ihrer Geschichte. Verglichen mit dem entsprechenden Dreimonatszeitraum im Jahr zuvor bedeutete das jedoch ein zweistelliges Minus – nämlich einen Rückgang von gut 18 Prozent. Beim Umsatz gab es noch ein Plus, und zwar um 11,2 Prozent auf 43,6 Milliarden Dollar.

Banges Warten auf die nächste Technik-Revolution

Einst revolutionierte Apple die Art, wie wir Musik hören – mit dem iPod. Auch die Kategorie der Tablet-Computer machten die innovativen Amerikaner populär. Und jetzt? Kommt nichts Neues mehr von Apple? Das fragen sich inzwischen viele Beobachter.

Bei der Telefonkonferenz nach der Präsentation der Quartalszahlen ging Konzernchef Tim Cook denn auch stärker denn je auf Sorgen ein, dass das Unternehmen an Innovationstempo verloren habe. Er erwähnte das "Potenzial für aufregende neue Produktkategorien". Und sprach von "Hardware, Software und Diensten, bei denen wir es nicht erwarten können, sie in diesem Herbst und im Jahr 2014 einzuführen".

Zumindest für Apple-Verhältnisse waren das ungewöhnlich offene Worte. Normalerweise macht der Konzern um alles, was er plant, ein riesiges Geheimnis. Doch so richtig konkret wurde Cook dann auch nicht. Hinweise, um welche neuen Produktkategorien es gehen könnte, gab der Unternehmenschef nicht. Spekuliert wird über eine Computer-Uhr, ein günstigeres iPhone-Modell sowie schon seit Jahren über einen Apple-Fernseher.

Immerhin laufen die Verkäufe noch

Die Verkaufszahlen des iPhone waren in dem aktuell betrachteten Zeitraum zwischen Anfang Januar und Ende März noch ganz ordentlich. Analysten hatten hier schon einen Einbruch befürchtet. In dem Quartal seien 37,4 Millionen dieser Handys abgesetzt worden, teilte das Unternehmen mit. Das waren nur etwas weniger als im Vergleichszeitrau des Vorjahres. Allerdings: Von dem Rekord aus dem Weihnachtsquartal mit 47,8 Millionen Geräten ist man weit entfernt. Zudem ist zu sehen, dass das Geschäft nach der Festzeit immer schwächer läuft.

Das iPhone behauptete sich damit als Apples wichtigste Geldmaschine. Zugleich ist jedoch nicht bekannt, wie viele Geräte des neuen und teureren iPhone 5 verkauft wurden und wie hoch der Anteil günstigerer älterer Modelle war.

Das iPad bestätigte nach dem Start des kleineren Modells im Herbst seine Rolle als Wachstumslokomotive. Hier schnellten die Verkäufe um um 65 Prozent auf 19,5 Millionen Geräte hoch. Allerdings ist das günstigere iPad mini auch weniger profitabel als die größere Version, spült dem Unternehmen also weniger Gewinn in die Kasse. Finanzchef Peter Oppenheimer sagte, dass deutlich mehr der kleineren Geräte verkauft wurden als im Weihnachtsquartal, als Apple mit Anlaufschwierigkeiten kämpfte. Der Verkauf der Mac-Computer sank mit knapp vier Millionen Geräten um zwei Prozent.

Von Euphorie keine Spur mehr

Die einstige Apple-Euphorie ist inzwischen merklich abgeflaut. Die Aktie fiel steil von ihrem Rekordstand bei 700 Dollar im September. Die Kursentwicklung sei extrem frustrierend gewesen, räumte Cook ein. Beobachter und Anleger warten gespannt darauf, dass der Konzern mit einem neuen Produkt wieder die Branche umkrempelt. Zuletzt wurde vor drei Jahren das iPad vorgestellt, das den totgeglaubten Markt der Tablet-Computer wiederbelebte. Seitdem bringt Apple Weiterentwicklungen von iPhone, iPad und Mac-Computern auf den Markt - und Experten sehen eine zunehmende Konkurrenz.

Cook räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, die neuen iMac-Tischrechner schon im vergangenen Jahr in einem Quartal mit dem iPhone 5 vorzustellen. Besser wäre gewesen, den Produktstart in dieses Jahr zu schieben.

Lass Dollar auf die Aktionäre regnen

Einen Trost hatte Cook für die Aktionäre parat, denn die können sich über eine höhere Dividende freuen. Denn angesichts der gigantischen Geldreserven von zuletzt 145 Milliarden Dollar erhöht Apple die Ausschüttung an seine Anteilseigner. Sie sollen bis Ende 2015 rund 100 Milliarden Dollar bekommen. Das sind 55 Milliarden Dollar mehr als bisher angekündigt. Die zuletzt stark gefallene Aktie legte nachbörslich zunächst um fünf Prozent auf über 423 Dollar zu - drehte dann aber wieder leicht ins Minus.

Mit der erweiterten Ausschüttung kommt Apple jahrelangen Forderungen von Aktionären noch weiter entgegen, die mehr von dem stetig wachsenden Geldberg abhaben wollen. Apple plant Aktienrückkäufe in großem Stil. Cook trat zugleich Sorgen entgegen, Apple schütte zu viel aus: "Wir werden nicht unterinvestieren", versprach er.

anb/DPA / DPA