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Überwachung: Von Bewegungsprofilen und Hintertüren

Überwachungen wären ohne digitale Technik weitaus schwieriger. Wie Menschen ausgespäht werden können, zeigen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit.

Von Dirk Liedtke

Bei Telefonaten im Mobil- und Festnetz werden die Nummer des Anrufers und des Angerufenen gespeichert. Spätestens 80 Tage nach der Rechnungsstellung werden sie etwa bei der Telekom und Alice gelöscht. Tritt das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung endgültig in Kraft, wird sich diese Frist auf sechs Monate verlängern. Bei Anrufen mit einem Handy wird auch die Funkzelle gespeichert, von wo der Anruf ausging. Aber auch ohne zu Telefonieren steht ein eingeschaltetes Mobiltelefon regelmäßig im Kontakt mit Funkzellen. Aus diesen Informationen lässt sich ein Bewegungsprofil erstellen. Zwei Beispiele belegen das.

Im Juli 2005 werden nach einem Mord in dem südlich von Hamburg gelegenen Ort Oedendorf, die Handynummern von 3000 Personen ermittelt, die sich in der Nähe des Tatorts aufhielten. Über eine "Funkzellenabfrage" können die vier Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 diese Daten ermitteln. Nach Protesten wird die Aktion abgebrochen.

Die Firma "Track your Kid" ortet auf Wunsch das Handy von "Kindern" oder "Senioren" auf ca. 250 Meter genau. Dabei wird unbemerkt eine SMS an Karte des Mobiltelefons geschickt. In Absprache mit den Netzbetreibern kann das eingeschaltete Handy über einen Abgleich mit den Funkzellen, die es benutzt, lokalisiert werden. Das System lässt sich leicht missbrauchen, um etwa den Partner auszuforschen. Künftig soll durch den Einsatz von Telefonen mit GPS-Technik wie in Navigationsgeräten die Ortung auf wenige Meter genau werden.

Auch bei der Internetnutzung fallen bei den T-Online, Arcor oder Alice zahlreiche Daten an. Bei E-Mails werden Absender und Empfänger aufgezeichnet. Die Adressen besuchter Webseiten werden bei Flatratekunden nicht gespeichert, obwohl dies technisch möglich ist. In der Vergangenheit geschah dies beispielsweise bei T-Online.

Durch die Hintertür

Softwarefirmen wie Microsoft müssen sich immer wieder gegen den Verdacht wehren, in ihre Programme geheime Hintertüren (sogenannte "Backdoors") für US-Geheimdienste wie den Auslandsgeheimdienst CIA (Central Intelligence Agency) oder den weltweit aktiven Datensammeldienst NSA (National Security Agency) einzubauen. Über diese Schnittstellen könnten unbemerkt etwa bei einem Telekommunikationsanbieter Daten abgezapft werden. Theoretisch könnte aber auch in die Software von Siemens-Telefonanlagen oder zur Rechnungsstellung bei Telefonfirmen (sogenanntes "Billing") eine digitale Hintertür eingebaut sein. In einem dokumentierten Fall wurde eine Hintertür in der Abhör-Software niederländischer Ermittlungsbehörden entdeckt. Besonders pikant: von niederländischen Ermittlern abgehörte Daten flossen von dort direkt an den israelischen Geheimdienst. Aus Israel stammte auch die Software. Allerdings verfügen Geheimdienste wie die NSA auch ohne diese Hilfsmittel über umfassende Möglichkeiten, um überall auf der Welt Telefonate, Faxe und E-Mails abzufangen und auszuwerten.

Die Deutsche Telekom dokumentiert ihren Umgang mit Kundendaten neuerdings besonders ausführlich im Internet www.telekom.com/datenschutz Die größte Schwachstelle bleibt aber der einzelne Mitarbeiter: Schlecht bezahlte und oft demotivierte Mitarbeiter in Call Centern haben Zugang zu vielen Kundendaten des jeweiligen Unternehmens. Gegen Bestechung könnte der eine oder andere schwach werden und Daten verkaufen. Die Telekom würde dies allerdings mitbekommen, weil Zugriffe auf Kundendaten dokumentiert werden.

Rätselhaft bleibt allerdings, wie diese recht strengen und aus Kundensicht eigentlich beruhigenden Vorschriften, bei der Bespitzelung des eigenen Aufsichtsrats und Journalisten umgangen werden konnten.