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Zuhause-Tarife: Die Sparmaßnahme

Weg mit dem Festnetz und dem alten Telefon. Vodafone, O2 und die E-Plus-Tochter Base locken mit Handy-Tarifen fürs Telefonieren zu Hause. Der stern beantwortet die wichtigsten Fragen zum Wechsel.

Ein wenig unheimlich mag es manchem vorkommen - aber es geht tatsächlich: Man kann ganz hervorragend ohne Festnetztelefon leben - und den gesamten Kommunikationsbedarf über ein Handy abwickeln. Das kann praktisch sein, wenn in einer Familie die Eltern und alle Teenager ihr eigenes Telefon haben. Das kann preiswert sein, wenn die leidige Grundgebühr für das Festnetz wegfällt. Und sogar das Internet ist per Mobilfunk unter Umständen zu erträglichen Preisen schneller als etwa per Modem oder ISDN zugänglich.

Wer zahlt wieviel?

Einen Dschungel an verschiedenen Tarifen gilt es zu durchschauen, wenn mit dem Wegfall des Strippentelefons Geld gespart werden soll - die Anbieter machen es den Kunden alles andere als leicht. Je nach Telefoniergewohnheiten kann selbst ein Prepaid-Vertrag mit vorab bezahlten Gesprächsvolumen die günstigste Variante sein - deren Preise sind nämlich in letzter Zeit stark gesunken.

Direkt auf Festnetzersetzer zielen Vodafone mit den "Zuhause"-Tarifen und O2 mit "Genion". Das Grundprinzip: Wer sein Handy zu Hause benutzt, zahlt dabei einen günstigeren Preis als unterwegs. Bei Vodafones "Zuhause"-Tarif erhielt der Kunde bislang ein separates Handy, das nur im eigenen Heim funktioniert. Seit letzter Woche lässt sich die Option "Zuhause Mobil" bei einem Vertrag mit Minutentarifen dazubuchen. Zudem gibt es zusätzlich zur Handy-Nummer auch eine "normale" Festnetztelefonnummer mit der Vorwahl des Wohnorts. So zahlen Anrufer nicht die teurere Gebühr für ein Telefonat ins Handy-Netz, sondern ebenso viel wie beim normalen Anschluss.

E-Plus reagiert mit einem etwas anderen Angebot. Statt eines "Zuhause"-Pakets bietet die E-Plus-Tochter "Base" eine Handy-Flatrate an: Zum Pauschalpreis von 25 Euro pro Monat sind alle Gespräche ins Festnetz kostenlos - zu Hause ebenso wie unterwegs. Eine preiswerte Ortsnetznummer für Anrufer gibt es hier allerdings nicht.

Was macht die Telekom?

Auch die Telekom-Töchter T-Com und T-Mobile basteln an einem Festnetzersatz-Paket - sie tun sich aber schwerer, weil schließlich auch die Festnetzanschlüsse aus dem Hause mit dem T kommen. Im Frühjahr 2006 soll es ein Angebot geben.

Letztlich will ein Wechsel also gut überlegt sein. Die Antworten auf die elf wichtigsten Fragen sollten bei der Entscheidungsfindung helfen.

Dirk Liedtke

Was passiert mit meiner jetzigen Festnetznummer?

Wer zu "O2 Genion" oder "Vodafone Zuhause" wechselt, kann seine bisherige Festnetzrufnummer mitnehmen. Damit diese so genannte Rufnummernportierung klappt, muss man aber unbedingt O2 oder Vodafone mit der Kündigung des Festnetzanschlusses beim bisherigen Anbieter (zum Beispiel der Telekom) beauftragen.

Flatrate-Abonnenten der E-Plus-Tochter Base erhalten eine Mobilfunknummer im E-Plus-Netz. Auf Wunsch kann man aber eine existierende Handy-Nummer zu Base mitnehmen. Mit Festnetznummern funktioniert das bei diesem reinen Mobilfunkangebot jedoch nicht. Das Grundprinzip der Rufnummernportierung lautet: Die Rufnummer gehört dem Kunden, nicht der Telefongesellschaft. Wer später mit seiner Festnetznummer wieder zur Telekom oder einem anderen Festnetz- oder Mobilfunkanbieter wechseln will, wird auch dies tun können. Soll die Festnetzrufnummer nach dem Wechsel weiter im Telefonbuch zu finden sein, ist auch das kein Problem: Beim Vertragsabschluss kann jeder Telefonkunde wählen, ob seine Daten in elektronische und gedruckte Telefonverzeichnisse aufgenommen werden sollen. Das gilt für Festnetzrufnummern ebenso wie für Mobilfunkrufnummern.

Was bezahlen die Leute, die mich anrufen?

Neben dem Vorteil, dass Sie selbst zu günstigeren Preisen telefonieren, haben Tarife mit Zuhause-Zone vor allem den Zweck, dass Ihre Gesprächspartner nur einen billigeren Anruf ins Festnetz bezahlen müssen, nicht ins Handy-Netz. Zwar berechnet T-Com für Anrufe auf Genion- oder Vodafone-Zuhause-Nummern 0,2 Cent pro Minute mehr als für Anrufe ins normale Festnetz. Dennoch sind Anrufe auf der Festnetznummer deutlich günstiger als Anrufe auf Mobilfunknummern.

Gibt es einen Einzelverbindungsnachweis auch bei Flatrates?

Bei Vertragsabschluss können Sie angeben, ob Sie einen Einzelverbindungsnachweis erhalten wollen. In der Standardausführung muss Ihnen die Telefongesellschaft diese Liste aller von Ihnen hergestellten Verbindungen kostenlos liefern.

Kann ich meine vorhandenen Geräte wie Schnurlostelefon oder Fax weiter verwenden?

Das Schnurlostelefon brauchen Sie nicht mehr - statt dessen benutzen Sie auch zu Hause Ihr Handy. Beim "Vodafone Zuhause"-Tarif erhalten Sie dafür auf Wunsch ein eigenes Telefon, das daheim bleibt - für einen Euro gibt es etwa das simpel gestrickte Motorola C115. Wer sich zu Hause auch per Mobilfunk ins Internet einwählen will, kann dazu demnächst bei Vodafone die so genannte "Zuhause"-"Talk & Web"-Box kaufen. Mit ihr lassen sich auch konventionelle Festnetzgeräte, Anrufbeantworter oder Fax per Mobilfunk nutzen. Die für Funk-Surfer ähnlich ausgelegte "Surf@home"-Box von O2 bietet diese Anschlüsse nicht.

Kann ich nach wie vor einen Anrufbeantworter nutzen? Und wie geht das?

Wie zu allen Mobilfunkangeboten gehört auch zu den "Zuhause"-Paketen und zum Flatrate-Tarif "Base" ein netzinterner Anrufbeantworter, die so genannte Mailbox. Zum "Base"-Vertrag und bei Vodafone gibt es allerdings nur die kleinste Mailbox-Version, die bis zu zehn Anrufe mit je maximal zweieinhalb Minuten Länge speichern kann. O2-Kunden können die größere Mailbox-Ausführung mit Kapazität für bis zu 50 Anrufe nutzen. Man sollte ferner beachten, dass die Abfrage der Mailbox nur zu Hause kostenlos ist. Wer den netzinternen Rufsammler unterwegs abhört, bezahlt dafür 19 Cent pro Minute.

Kann ich meine Homezone-Festnetznummer auch aufs Handy umleiten?

Wer mit seinem Handy unterwegs ist, aber keine Anrufe auf dem heimischen Anschluss verpassen will, hat die Möglichkeit, eine Rufweiterleitung auf sein Mobiltelefon einzurichten. Hier gibt es derzeit noch die deutlichsten Unterschiede zwischen den Angeboten von O2 und Vodafone: Im O2-Genion-Tarif sind Umleitungen aus der Homezone aufs Handy kostenlos. Wer auf der Home-Nummer anruft, erreicht den O2-Teilnehmer bundesweit zum Festnetztarif, und der Besitzer des Anschlusses zahlt für das weitergeleitete Gespräch ebenfalls keinen Cent zusätzlich. Kunden von "Vodafone Zuhause", die zu Hause ankommende Anrufe auf ihr Handy umleiten wollen, müssen die Weiterleitung aufs Handy dagegen zum Tarif für einen Handy-Anruf bezahlen. Und das kostet pro Minute rund um die Uhr happige 25 Cent.

Lohnt sich eine Flatrate für mich? Wenn ja, welche? Und was kosten eigentlich Telefonate ins Ausland?

Nicht nur bei E-Plus gibt es einen Pauschaltarif, sondern auch bei O2: Genion Flatrate für die Homezone bietet bei doppelter Grundgebühr kostenlose Gespräche zu Hause. Die Tarifvergleiche zeigen: Schon bei mittlerem Telefonaufkommen schneiden die Pauschaltarife von O2 (Genion Flatrate für die Homezone) und Base deutlich besser ab als die konventionellen Telefontarife auf Minutenbasis. Für Wenigtelefonierer, bei denen die bisherigen Heimtelefonrechnungen inklusive Grundgebühr regelmäßig unter den 25 Euro des Base-Tarifs beziehungsweise unter den 19,98 Euro der O2-Genion-Kombination für Handy und Homezone liegen, lohnt sich ein Wechsel dagegen nicht. Das Base-Angebot ist in allen Tarifvergleichen ungeschlagen. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie zu Hause guten E-Plus-Empfang haben und auch die meisten Ihrer Mobiltelefon-Partner einen Vertrag bei E-Plus oder Base haben, denn Telefonate in andere Handy-Netze sind teuer.

Wer häufiger ins Ausland telefoniert, sollte sich einen Wechsel vom Festnetz in jedem Fall gut überlegen. Denn schon Verbindungen ins europäische Ausland kosten mit den Home-Handys bis zu 99 Cent pro Minute, nach Australien können es sogar 1,89 Euro pro Minute sein. Im Festnetz finden sich Call-by-CallTarife in fast alle Länder, die oft unter 2 Cent pro Minute liegen.

Sind auch SMS zu Hause günstiger?

Nein. Bei den SMS-Kosten machen die Anbieter keinen Unterschied zwischen Homezone und unterwegs - es gelten die im jeweiligen Mobilfunktarif üblichen SMS-Preise, die um 20 Cent pro Kurzmitteilung liegen.

Was ist die günstigste Lösung für Paare? Lohnt es sich, den Home-Tarif zweimal zu buchen?

Auch wenn ein Handy ein persönliches Gerät ist, das man nicht so gern aus der Hand gibt: Es lohnt sich kaum, einen der speziellen Zuhause-Tarife für zwei Handys zu buchen. Denn den Aufpreis für diese Option können zwei Telefonierer auch bei hohem Gesprächsaufkommen kaum wieder hereinholen. Es empfiehlt sich also, nur eines der beiden Handys mit dem Festnetzersatz-Tarif auszustatten. Sinnvoll für Paare ist auf jeden Fall, beide Handy-Verträge beim gleichen Anbieter abzuschließen, weil dann Handy-zu-Handy-Gespräche günstiger sind. O2 bietet für Paare den speziellen Tarif "Genion Duo" an, bei dem Gespräche zur Handy-Nummer des Partners rund um die Uhr nur 3 Cent pro Minute kosten.

Ist der Anschluss zuverlässig?

Die Verbindungsqualität hängt natürlich davon ab, wie gut die Mobilfunksignale des jeweiligen Netzes bei Ihnen zu Hause zu empfangen sind.

Im Vergleich mit einem Festnetzanschluss haben die Home-Handys Vor- und Nachteile: So sind sie zwar unabhängig von der Steckdose, funktionieren also auch dann, wenn der Strom einmal ausfällt. Ist jedoch der Handy-Akku leer, können Sie nicht telefonieren. Im Gegensatz zu einem schnurlosen Telefon fürs Festnetz stellt man ein Handy nicht gewohnheitsmäßig auf eine Ladeschale. Wer sein Mobiltelefon auch zu Hause nutzt, sollte sich aus diesem Grund eine Tischladestation kaufen. Überlastungen, wie sie, etwa an Silvester, bei Mobilfunknetzen vorkommen, sind im Festnetz eher selten.

Wie weit reicht die Zuhause-Zone wirklich? Kann ich auch andere Adressen als meine Wohnung als "Homezone" auswählen?

Wie groß die Zone ist, in der Sie mit O2 Genion beziehungsweise Vodafone Zuhause zum günstigen Heim-Tarif telefonieren können, lässt sich auf den Internetseiten der Anbieter (www.o2online.de, www.vodafone.de) überprüfen. In der Praxis fällt die Zone meist etwas größer aus - unter Umständen sogar deutlich. Üblich ist in jedem Fall ein Radius von mindestens einem Kilometer um die Heimadresse.

Bei O2-Handys erscheint im Display ein Home-Symbol, solange Sie sich in der Homezone aufhalten. Vodafone arbeitet an einer ähnlichen Lösung. Wer das Vodafone-Zuhause-Paket mit separatem Zuhause-Handy nutzt, kann damit beim Verlassen der Zuhause-Zone nicht mehr telefonieren - weder abgehende noch ankommende Anrufe werden dann vom Netz durchgestellt.

Beide Anbieter erlauben ausdrücklich, als "Heim-Bereich" auch andere Adressen als die eigene Wohnung anzugeben; etwa den Arbeitsplatz, die Universität oder die Wohnung des Lebenspartners. Einmal pro Monat kann man die Zone wechseln. Das kostet bei Vodafone 4,95 Euro. O2-Kunden zahlen 7,50 Euro, wenn sie den Wechsel im Internet vornehmen, und 12,50 Euro, wenn der Wechsel über die Hotline erfolgt.

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