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Nach Hacker-Skandal: Sony will "The Interview" nun doch veröffentlichen

Interessante Wende im Sony-Hackerskandal kurz vor Weihnachten: Studio-Anwalt David Boies behauptet, sein Arbeitgeber woll den Film trotz Cyber-Skandal nun doch vertreiben.

Von Frank Siering, Los Angeles

Nordkorea wies die Anschuldigungen aus den USA als Verleumdung zurück

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Kurz vor Weihnachten herrscht ein heiles Durcheinander auf dem Gelände der Sony Studios in Culver City. Die Arbeitnehmer können ihre im Zuge des größten Hacker-Skandals in der Geschichte von Hollywood gesperrten E-Mails zum Teil noch immer nicht einsehen.

Aus Japan rauscht herüber, dass das Studio schon sehr bald verkauft werden könnte, und Sony-Chefin Amy Pascal soll nach der Veröffentlichung mehrerer umstrittener E-Mails, die unter anderem auch die Sony-Angestellte Angelina Jolie verärgert hatten, angeblich schon sehr bald ersetzt werden.

Inmitten dieses Chaos tritt David Boies auf. Er ist einer der Hausjustiziare von Sony. Im US-Fernsehen sagte der Anwalt am Wochenende, dass Sony sehr wohl daran festhalten werde, den gecancelten Film "The Interview" mit Seth Rogen und James Franco zu veröffentlichen.

Und das, obwohl das Studio in der vergangenen Woche angekündigt hatte, die Premiere und die Vertreibung des Films weltweit abzusagen.

Boies: "Sony hat die Veröffentlichung nur verzögert. Das Studio kämpft weiter darum, den Streifen zu vertreiben", so der Anwalt, der hinzufügte: "Wie der Film den Zuschauern gezeigt wird, das ist im Moment noch die große Frage, aber er wird mit Sicherheit vertrieben".

Distributoren wollen Risiko nicht eingehen

Sony-Boss Michael Lynton, dessen Job derzeit angeblich genauso zur Disposition steht wie der seiner Mitstreiterin Pascal, hatte unlängst noch behauptet, dass keiner der großen Distributoren, die mit Sony zusammenarbeiten, bereit war, das Risiko einzugehen und den Film zu zeigen.

"The Interview" war von Hackern unter Beschuss geraten. In der Satire wird die Ermordung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un geplant. Die US-Regierung behauptet, dass Nordkorea hinter der Cyberattacke steckt. Sogar Präsident Barack Obama mischte sich mittlerweile ein und ließ durchblicken, Nordkorea eventuell wieder auf die Liste von Nationen zu setzen, die Terroristen unterstützen.

Stars werfen Sony Feigheit vor

In Hollywood hatte die Absage des Films für reichlich Furore gesorgt. Nicht nur George Clooney, sondern auch diverse andere Stars hatten das Sony-Management als ,"feige" bezeichnet und verlangt, "mehr Rückgrat zu zeigen", wie "The Interview"-Hauptdarsteller Rogen dem Hollywood Reporter verriet.

Die jüngste Cyber-Attacke hat erneut Diskussionen laut werden lassen, dass die Sony Pictures, das Studio ist geschätzte zehn Milliarden Dollar wert, schon bald von der Mutterfirma Sony Corp. verkauft werden könnten. Sony-CEO Kazuo Hirai habe demnach diverse Interessenten, die ihm die "Kummerkiste" abkaufen wollen. Hinzu kommt, dass der jüngste Hackerskandal Sony rund 200 Millionen Dollar kosten könnte.