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Jubiläum 50 Jahre Marder: Dieser Schützenpanzer ist doppelt so alt wie seine Soldaten

Oldies but Goldies: Marder auf einer Nato-Übung in Polen.
Oldies but Goldies: Marder auf einer Nato-Übung in Polen.
© Kay Nietfeld / Picture Alliance
Gedacht war der Marder für das bewegliche Gefecht gepanzerter Verbände im Kalten Krieg. Inzwischen ist der Schützenpanzer 50 – doch bis zur Rente dauert es noch.

Als der Marder 1971 auf die Welt kam, flog die Bundeswehr noch den Starfighter F-104 und als Standardpanzer diente der Leopard 1. Diese Modelle hat der Schützenpanzer allesamt überlebt und nach 50 Jahren Dienst ist noch kein Ruhestand abzusehen – die Nutzungsdauer des Systems wird bis 2030 dauern. Dann sollen die letzten Marder vom Puma abgelöst werden.

Entwicklung des Kalten Krieges

Bei Inbetriebnahme löste der Marder den glücklosen HS-30 ab. Dieses Modell der Bundeswehr war mit zahllosen Mängeln gesegnet und verdankte die Beschaffung wohl nur umfangreichen Schmiergeld-Zahlungen, die zum HS-30-Skandal führten. Der Marder ist als Schützenpanzer konzipiert, das heißt, er soll eine Gruppe von Infanteristen ins Gefecht bringen. Durch seine Geschwindigkeit sollen die Infanteristen den Kampfpanzern folgen können. Die Panzerung bietet einen gewissen Schutz, eine Maschinenkanone Feuerunterstützung.

Neu war das Konzept nicht. Schon im Zweiten Weltkrieg folgten die Grenadiere den Panzern auf diese Weise. Doch das Fahrzeug selbst war ungleich leistungsfähiger als die oben geöffneten und nur unzureichend geschützten Schützenpanzer des Zweiten Weltkriegs wie das Sd.Kfz. 250. Dazu war der Marder eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zum amerikanischen M 113 mit seinen steil aufragenden Wänden.

Über 2000 Stück im Dienst

Der Marder setzt auf eine angeschrägte Panzerung, der Motor ist zum Schutz der Insassen vorn untergebracht. Die Grenadiere verlassen das Fahrzeug durch die Hecktore. Mit 600 PS bei 35 Tonnen Kampfgewicht ist er zudem gut motorisiert. Bewaffnet ist der Schützenpanzer mit einer 20-Millimeterkanone. Die Kanone konnte anderen Kampfpanzern allerdings nicht gefährlich werden. Die Bewaffnung wurde schnell um Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ Milan erweitert. Wie schon im Zweiten Weltkrieg wurden auf Grundlage des Basisfahrzeuges Varianten für Mörser und zur Panzerjagd entwickelt.

In der Hochzeit des Kalten Krieges besaß die Bundeswehr über 2000 Exemplare des Schützenpanzers. Anders als die Leopard-Kampfpanzer fand der Marder international allerdings keinen Anklang, als Neufahrzeug wurde er nur in unbedeutenden Mengen exportiert.

Später Kampfeinsatz

Wie die meisten Waffensysteme des Kalten Krieges sah der Marder nie den Einsatz, für den er gebaut wurde. Das bewegliche Gefecht großer Panzerverbände fand bekanntermaßen nicht statt. Dafür wurden in Afghanistan bis zu 15 Schützenpanzer parallel eingesetzt. Die Erfahrungen waren eher durchwachsen. 2011 wurde ein Marder bei Kunduz mit einer einfachen RPG (Rocket Propelled Grenade) beschossen und geriet in Brand. Im Juni des gleichen Jahres zerstörte eine Sprengladung von etwa 100 Kilogramm Sprengstoff einen Marder komplett.

Bei den Besatzungen war der Marder dennoch beliebt, denn alternative Fahrzeuge hätten auch keinen besseren Schutz geboten. Die Maschinenkanone sorgte für massive Feuerunterstützung und ein Gefühl der Sicherheit. Für die Patrouillenfahrten in Afghanistan wurde der Marder zu einer "fahrenden Festung" umgebaut, sodass die Grenadiere nicht im Inneren des Fahrzeuges sitzen mussten, sondern von Positionen auf dem Dach die Umgebung beobachten und unter Feuer nehmen konnten. Die Einsatzbedingungen in Afghanistan waren allerdings speziell. Die Aufständischen dort verfügten nur über die altmodischen RPGs und nicht über moderne Panzerabwehrraketen wie etwa die Aufständischen in Syrien. Von schweren Waffensystemen gar nicht zu reden.

Kurz vor der Rente 

Trotz mehrerer Modernisierungen – Kampfwertsteigerungen – ist die große Zeit des Arbeitspferdes des Heeres vorbei. Auch Anpassungen des Schutzes und der Elektronik können das veraltete Konzept nicht auffangen. In heutigen Schützenpanzern wird in aller Regel ein unbemannter und automatisierter Turm verwendet. Da keine Menschen im exponierten Turm sind, erhöht sich die Überlebensfähigkeit der Besatzung. Dazu ist es leichter möglich, verschiedene Türme für eine Basis zu entwickeln. Für das Zukunftsprojekt des Heeres der "Division 2027" ist der Marder allerdings nicht mehr vorgesehen. Die weitgehende Vernetzung der Einheiten auf dem Schlachtfeld findet ohne ihn statt, auch wenn der Marder noch bis 2030 im Dienst bleiben wird. Nachfolger des Marders wird der Schützenpanzer Puma.


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