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Airbus 380: Die "fette Gans" hebt ab

Der Super-Airbus hat seine Feuertaufe bestanden: Das Schwergewicht ist auf dem Jungfernflug. Das erste Urteil der Piloten über den Riesenflieger fällt begeistert aus.

Unter dem Beifall tausender Schaulustiger ist am Mittwoch der Airbus A380 erstmals gestartet. Das größte Passagierflugzeug der Welt hob um 10.29 Uhr in Toulouse zu seinem ersten Testflug ab. Als die 421 Tonnen schwere Maschine, die von den Airbus-Mitarbeitern auch "fette Gans" genannt wird, nach sechs Minuten aus dem Blickfeld der letzten Teleobjektive flog, war das Fahrwerk immer noch ausgefahren. An Bord der A380 befinden sich zwei Testpiloten und vier Flugingenieure. Hunderte Schaulustige hatten bereits seit Tagen in Campingwagen am Rande der Flugwerft übernachtet, um das Ereignis nicht zu verpassen.

Nach ersten Angaben des Testpiloten Jacques Rosay verläuft der Jungfernflug des A380 "absolut perfekt". "Der Start war perfekt, die Beschleunigung des Flugzeugs und die Steuerung sind exakt so wie auf dem Simulator", sagte Rosay rund zwei Stunden nach dem Start in einem Funkgespräch. Der Airbus fliege in etwa 3000 Meter Höhe. "Wir befinden uns etwa 100 Kilometer südlich von Toulouse, das Wetter ist herrlich und das Begleitflugzeug hat Fotos von uns gemacht". Das größte Passagierflugzeug der Welt soll gegen 14.30 Uhr in Toulouse-Blagnac wieder landen.

"Technologische Leistungsfähigkeit Europas"

Die Bundesregierung würdigte den Erstflug des Airbus A380 als "Beweis für die hohe technologische Leistungsfähigkeit Europas". Er sei das Ergebnis der exzellenten Zusammenarbeit in der europäische Luftfahrtindustrie, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Ditmar Staffelt (SPD), am Mittwoch. "Mit weltweit über 150 Bestellungen ist der A380, das neueste und größte Mitglied der Airbus-Flugzeugfamilie, schon jetzt eine Erfolgsstory. Dies sichert hoch qualifizierte Arbeitsplätze auch und gerade in der deutschen Luftfahrtindustrie", betonte er.

Mit dem A380 betritt der Flugzeughersteller Airbus an vielen Stellen technisches Neuland, bleibt aber auch bewährten Konzepten treu. Im Vergleich zu früheren Flugzeuggenerationen wurde beim A380 der Anteil von Verbundwerkstoffen weiter gesteigert: Rund 25 Prozent des Flugzeugs sind aus den modernen Materialien gefertigt.

Zwölfmonatiges Testprogramm

Das Testprogramm für den A380 wird in den kommenden zwölf Monaten mit insgesamt fünf Maschinen abgewickelt. Die am Mittwoch gestartete Maschine ist die einzige, die ihr gesamtes technisches Leben lang für Versuche reserviert bleibt. Sie hat keine Sitze. Stattdessen ist sie mit Rechnern im Gesamtgewicht von etwa 20 Tonnen bestückt, die direkt mit dem Boden kommunizieren. Während des Jungfernflugs werten etwa 30 Bodeningenieure die über Satellit übertragenen Mess- und Flugdaten aus. Insgesamt werden Daten von 6000 Parametern erfasst.

Eine zweite Maschine ohne Kabinen soll von Sommer 2005 an vornehmlich die Flugleistungen des A380 prüfen. Dabei geht es unter anderem um den Aktionsradius und um das Verhalten des Flugzeuges beim Start. Zwei Prototypen mit Kabinen werden die Parameter in dem neuen Flugzeug messen und die Gegebenheiten beim Anflug von Flughäfen austesten. Rund 2300 erfolgreiche Flugstunden sind nötig, damit der A380 die Zulassung der Luftfahrtämter der Welt erhalten kann.

Fallschirme für den Notfall

"Bei einem Erstflug probieren wir nur einfache Sachen", erklärte Chef-Testpilot Claude Lelaie. Man überprüfe das Fahrwerk, die Beschleunigung und das Einfahren der Landeklappen. Im Notfall können die sechs Tester mit Fallschirmen über einen Notschacht aus der Maschine aussteigen. Um ein besetztes Passagierflugzeug zu simulieren, startete die Testmaschine mit tonnenweise Wasser als Ballast.

Rund 10,7 Milliarden Euro hat die Entwicklung des Flugzeugs mit zwei Passagierdecks und einem Gepäckdeck bisher gekostet. Ein Drittel wurde von Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien als Kredit vorgeschossen. Die Entscheidung für eine zweite Frachtversion und höhere Anforderungen an die Lärmdämmung haben die Kosten um 1,45 Milliarden nach oben getrieben. Je nach Version kostet der A380 nach Liste 263 Millionen bis 286 Millionen Dollar. Das Flugzeug mit knapp 80 Metern Spannweite soll in der Standardversion 555 Passagiere über 15.000 Kilometer transportieren können. Über die nächsten 40 Jahre will Airbus mit dem A380 rund 150 Milliarden Euro einnehmen.

DPA / DPA