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Kulanz am Ende Amazon verschärft Rückgabe-Regeln für E-Books – bald keine Erstattung mehr für Bücherwürmer

Frau liest ein E-Book
E-Books sind eine tolle Sache: Tausende Bücher passen auf einen E-Book-Reader – aber für Autoren können die Geräte zum Problem werden.
© Jens Kalaene / Picture Alliance
Über Jahre waren E-Books, auch bei Amazon, eine sehr günstige Möglichkeit für Schnell-Lesende, Bücher quasi umsonst zu konsumieren. Damit ist in Zukunft offenbar Schluss.

Bei Amazon kann man fast alles innerhalb von 14 Tagen zurückgeben – und erhält den vollen Preis zurück. Das galt jahrelang auch für E-Books, die man unabhängig vom "Gebrauch" innerhalb dieser Frist einfach wieder stornieren konnte. Selbstverständlich war das vor allem dafür gedacht, falls sich ein vermeintlicher Bestseller als absolute Niete entpuppt – weniger für den Fall, dass man das Buch in Rekordzeit verschlungen hat. Dass Rückgaben gelesener Bücher recht oft vorgekommen sein müssen, zeigt eine Änderung in den Richtlinien, die Amazon offenbar plant.

Ab zehn Prozent kommt es bei Amazon zur Einzelfallentscheidung

Der New Yorker Interessenverband "The Authors Guild" berichtet, dass Amazon digitale Bücher künftig nur dann zurücknimmt, wenn bei der Reklamation weniger als zehn Prozent der Seiten gelesen worden sind. Eine ähnliche Strategie verfolgt beispielsweise auch der digitale Spiele-Shop Steam, der die Rückgabe nur dann akzeptiert, wenn Spiele zum Zeitpunkt der Stornierung weniger als zwei Stunden liefen.

Die Änderung der Richtlinien geht anscheinend aus Gesprächen zwischen Amazon und Autoren hervor, die sich über mangelnde Einnahmen beschwerten, obwohl viele Menschen die jeweiligen Werke erworben hatten. Als Grund dafür wurden wohl besagte Rückgaben identifiziert.

Soziale Medien tragen Mitschuld

In den USA soll die neue Regelung noch in diesem Jahr greifen, wann Amazon die Beschränkung auch für Deutschland einführt, ist noch offen. Den Trend zum Zurückgeben gelesener Bücher befeuern offenbar auch soziale Medien, allen voran Tiktok, berichtet "The Daily Dot".

Demnach kam es unter dem Hashtag "#Booktok" zu einer regelrechten Stornowelle, nachdem einflussreiche Persönlichkeiten darauf hingewiesen hatten, dass man ein Buch kostenlos lese könne, wenn man sich damit beeilt – auch wenn dieser Hinweis in vielen Fällen Teil einer Diskussion war, ob das überhaupt okay sei.

Die Verkäufer muss man dazu wohl kaum fragen, denn dort lautet die klare Antwort: "Natürlich nicht". Im Gegenteil: Die Autorin K. Bromberg wies auf Twitter darauf hin, dass Autoren im Falle einer Stornierung nicht nur die Kaufsumme wieder verlieren würden, sondern durch Gebühren sogar draufzahlen müssten. So könne es passieren, schreibt Bromberg, dass man Amazon trotz erfolgreicher Verkäufe am Ende des Monats Geld schulde. Die gleiche Erfahrung teilt Lisa Kessler auf Twitter. Beide Autorinnen sahen sich gezwungen, auf die Selbstverständlichkeit hinzuweisen, dass Amazon keine Bibliothek sei.

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