Consumer Electronics Show Katerstimmung auf der CES

Eigentlich gibt es keinen Grund zur Klage: Der weltweite Umsatz mit Unterhaltungselektronik wird auch in diesem Jahr eine neue Rekordmarke setzen. Das wird den Herstellern allerdings wenig nutzen - gefragt sind vor allem margenschwache Geräte.
Von Björn Maatz

Die Branche für Unterhaltungselektronik werde besser mit der weltweiten Wirtschaftskrise fertig als andere Sektoren, teilte der Industrieverband Consumer Electronics Association (CEA) am Dienstag auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mit. Allerdings könnten die in den vergangenen Jahren stets zweistelligen Wachstumsraten nicht mehr erreicht werden. Die CEA erwartet nur noch ein Plus von 4,3 Prozent. "Wir erleben die schlimmsten zwei Jahre in Folge seit den frühen 80er-Jahren", sagte CEA-Analyst Steve Koenig. Wenig Abhilfe dürften die laut Branchenverband wichtigsten Trends des Jahres schaffen: Dazu zählt die CEA Green-IT, also umweltbewusste Produkte, dazu kabellose Geräte sowie Steuerungsmöglichkeiten wie Touchscreens und Sprachaktivierung - doch nichts davon ist wirklich neu.

Die Unterhaltungselektronikbranche übt sich beim weltgrößten Branchentreffen in Nevadas schillernder Wüstenmetropole in Zweckoptimismus. Die weltweit nachlassende Nachfrage und der starke Preisverfall zahlreicher Kernprodukte wie Flachbildschirmfernseher und Digitalkameras haben dramatische Folgen für die Hersteller. Viele Unternehmen haben zurzeit Probleme, Konsumenten Elektronikartikel an den Mann zu bringen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden nicht zwingend für die Existenz notwendige Anschaffungen am ehesten verschoben. Das wissen auch die Branchengrößen: Panasonic und Sony etwa haben ihre Prognose für das laufende Jahr bereits Ende 2008 drastisch reduziert.

Der Markt für Mobiltelefone, mit einem Anteil von 26,7 Prozent der größte Umsatzträger in der Unterhaltungselektronik, wird zwar in Stückzahlen leicht um 2,1 Prozent steigen. Allerdings werden vor allem billige Einstiegsgeräte in Wachstumsregionen wie Afrika und dem Mittleren Osten nachgefragt, die den Konzernen kaum Gewinne bescheren. Nokia und Samsung rechnen für das laufende Jahr mit sinkenden Umsätzen. Etwas größer ist der Optimismus bei Laptops: Der Branchenverband CEA erwartet hier einen zweistelligen Zuwachs.

Umsatzbringer Netbooks

Das PC-Wachstum wird derzeit vor allem von kleinen Notebooks getrieben, den so genannten Netbooks. Der taiwanische Hersteller Micro-Star International präsentierte am Dienstag das weltweit erste Hybrid-Netbook mit Festplatte und Solid State Drive. Die Flashspeichermodule könnten die alten Festplatten in naher Zukunft ablösen, sind derzeit aber noch zu teuer. Hewlett-Packard (HP) stellte ein extrem dünnes Notebook vor, vergleichbar mit dem Mac Book Air von Apple. Die Chips für die ab März verfügbaren Geräte liefert Advanced Micro Devices (AMD). Der US-Konzern verabschiedet sich damit endgültig vom Netbook-Markt, der komplett vom größeren Rivalen Intel mit dessen Atom-Prozessor vereinnahmt ist. AMD sieht eine Marktlücke zwischen billigen Netbooks und teuren Geräten wie dem von Apple. "Das Thema Lifestyle wird immer wichtiger, muss aber leistbar sein", sagte eine Sprecherin. Die HP-Notebooks sollen zwischen 600 und 1000 Dollar kosten.

Die Innovationen verstecken sich bei der CES in diesem Jahr in Nuancen: Der koreanische Hersteller LG Electronics prahlt mit einem drahtlosen 55-Inch-Fernseher. Ganz ohne Kabelgewirr geht es aber nicht zu: Die Kabel werden an einer Media Box statt an dem Fernseher direkt angeschlossen. Der ganze Stolz des Computerherstellers Lenovo ist ein Rechner mit einem zweiten kleinen Monitor zum Herausziehen, etwa für die dauerhafte Anzeige von Instant Messaging. Und der deutsche Hersteller Grundig präsentiert als Hoffnungsträger ein 30 Dollar teures Radio von der Größe eines iPhones.

Für das DVD-Nachfolgeformat Blu-ray erwartet die CEA eine Verdopplung des Umsatzes, allerdings auf niedrigem Niveau. "Blu-ray wird noch lange von der DVD dominiert werden", sagte Tim Herbert von der Consumer Electronics Association. Ein starkes Wachstum verspricht sich der Industrieverband zudem von Navigationsgeräten, OLED-Displays und elektronischen Büchern.

FTD

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