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Die erste Radiosendung: Und plötzlich kam Musik über den Äther...

Klassik aus der Konserve, ein wenig Livemusik und einige Passagen aus der Bibel - so klang das erste Radioprogramm. Am Heiligen Abend des Jahres 1906 begann mit dem kanadischen Erfinder Reginald Fessenden die Geschichte des Rundfunks.

Von Ralf Sander

Der Phonograph spielte Händels "Largo". Nur wenige Menschen waren im Raum an diesem Heiligen Abend im Jahr 1906. Doch viel mehr Menschen hörten zu, die Seeleute an Bord der Schiffe vor der Ostküste der USA. Aus den Lautsprechern ihrer Funkanlagen, die sonst Morsezeichen übertrugen, erklangen plötzlich Musik und auch menschliche Stimmen. Wären die Männer auf den Schiffen der Küstenwache und der United Fruit Company nicht vorgewarnt worden, dass eine "besondere Übertragung" zu erwarten sei, ihnen wäre bestimmt der Schreck in die Glieder gefahren. Denn was sie an diesem 24. Dezember 1906 über den Äther empfingen, war die erste Radiosendung der Geschichte.

In der Küstenstadt Brant Rock in Massachusetts betrieb der Funkpionier und Erfinder Reginald Fessenden einen Funksender mit einer mehr als 130 Meter hohen Antenne. Fessenden war ein erfahrener und erfinderischer Experte auf dem Gebiet der noch jungen Kunst, Funkwellen zu übertragen und zu empfangen. Im Jahr 1900 gelang seine erste Pioniertat: Er sprach am 23. Dezember 1900 die ersten Worte, die je drahtlos übertragen wurden: "Eins, zwei, drei, vier. Schneit es bei Ihnen, Mr. Thiessen? Wenn ja, telegrafieren sie mir zurück." Mr. Thiessen am Empfänger telegrafierte zurück, funken konnte er nicht: Ja, es hatte begonnen zu schneien.

Sechs Jahre voller Hürden

Fast auf den Tag genau sechs Jahre später waren genug technische Hürden überwunden worden, um die Geschichtsschreibung des Rundfunks beginnen zu können. Nach ein paar einleitenden Worten spielte Fessenden die Händel-Aufnahme mit dem Phonographen, einem Vorläufer des Grammfons, ab. Dann griff er selbst zur Geige, um "Stille Nacht, heilige Nacht" zu Gehör zu bringen. Bei der letzten Strophe sang er sogar mit. Im Anschluss las Fessendens Frau Helen die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Die erste Radiosendung endete mit den Wünschen nach einem gesegneten Weihnachtsfest für die Menschen an den Empfängern und der Bitte um Hörerpost.

Musik aus der Konserve, Wortbeiträge, Zuhörerkontakt - Fessenden benutzte schon viele Elemente, die heute immer noch zum Standardprogramm des Radios gehören.

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