Digitaler Stadtführer Hey, Cruso, erklär mir die Stadt!

Dicke, zerlesene Stadtführer könnten bald Geschichte sein - digitale Stadtführer wie "cruso" sollen die Städte erobern
Dicke, zerlesene Stadtführer könnten bald Geschichte sein - digitale Stadtführer wie "cruso" sollen die Städte erobern
© colourbox.com
Den Stadtführer einfach mal in die Tasche packen - mit dem digitalen Stadtführer "Cruso" soll das bald kein Problem mehr sein. Zeit, den mobilen Erklär-Bär für Städte genauer zu betrachten.
Von Matthias Lauerer

Manchmal kann es so einfach sein. Da haben drei Berliner eine Idee, die es in deutlich abgespeckter Form schon seit Jahren in italienischen Kirchen gibt: Besucht man beispielsweise den Dom von Siena, so leiht man sich am Eingang einen reinen Audio-Führer aus. Kostenpunkt: ein paar Euro. Das längliche, große und schwere Gerät spricht und erklärt einem dann sogar über Stunden ohne Pause oder Hast die wunderschöne Architektur, weiß alles über die Geschichte des Bauwerks und wird sogar niemals müde. Und der Besucher? Hört einfach wandelnd zu und muss nicht im Infoblatt blättern und lesen. Nun gut, ein paar Knöpfe müssen gedrückt werden.

Mit einem technisch wunderbar vollgepackten Gerät hat sich nun ein Berliner Unternehmen auf den Markt der Stadtführungen gewagt: Das High-Tech-Gerät "cruso" will Touristen in Deutschland dabei helfen, fremde Städte zu erkunden.

Individuelle Erkundung der Stadt

Seit drei Monaten bietet die "Dreifach Einfach GmbH" aus Berlin den elektronischen Führer im Verleih an. Und wirbt mit den Worten: "Der cruso bietet allen Reisenden eine Lösung, die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf individuelle Weise zu erkunden." Doch was ist das Gerät eigentlich? "Der cruso ist ein automatisiertes mobiles Informationssystem, das auf satellitengestützter Positionsbestimmung basiert und für die Präsentation ortsbasierter Information entwickelt wird". Aha. So beschreibt es das Unternehmen.

Intelligent ist das Gerät, denn ein Digital-Kompass und das Global Positioning System, kurz GPS, ermitteln immer den aktuellen Standort des Touristen. Dann stehen "Er" oder "Sie" an einem bekannten Berliner Ort und lassen sich von dem kleinen Plastik-Kistchen alles, was man wissen sollte, vorlesen und erklären. Untermalt werden die Informationen sogar mit leiser, jeweils zum Ort passender Musik. Optisch kommt der "cruso" in Schwarz daher und wiegt fast soviel wie zwei 100 Gramm-Tafeln Schokolade. Seine Größe: 15 mal 20 Zentimeter.

Ab 2008 für ein Jahr ausleihbar

Der eingebaute kleine Bildschirm hilft bei der Bedienung. Symbole zeigen dem Nutzer spannende Bauwerke oder Geschichtsträchtiges in seiner Umgebung an. Wenn etwas interessiert, wird sanft auf den Bildschirm gedrückt, und der "cruso" legt los. Ob Audio-Aufnahmen aus der 770-jährigen Berliner Geschichte, oder Anekdoten des ehemaligen Palasts der Republik - 200 Berliner Punkte sind in ihm gespeichert. Montag bis Donnerstag kostet der Verleih zwölf Euro in den sechs Berliner Verleihstationen, so auch am Fernsehturm und im Domaquaree. Am Wochenende sind zwei Euro Aufschlag fällig, Schüler und Studenten erhalten zwei Euro Rabatt. Bislang lassen sich die Touri-Führer nur in der Hauptstadt leihen, doch schon in drei Wochen folgen Hamburg und München. Und: 2008 soll es dann möglich sein, das "Gerät auch für ein Jahr auszuleihen." Dies bestätigt auf stern.de-Anfrage Marco Köhler.

"Besonders Wandergemeinden in Niedersachsen und im Harz fragen nach dem Gerät", so Köhler. Denn der "cruso" ließe sich theoretisch auch außerhalb der Stadt einsetzen. In ein paar Jahren dann will man das Gerät sogar weltweit verkaufen. Bislang erklärte der "cruso" Sehenswürdigkeiten nur auf Deutsch, seit August auch in englischer Sprache. Italienisch, Spanisch, Französisch und Russisch werden folgen.

Auf die Idee kamen die drei Berliner Erfinder und Diplomingenieure Marco Köhler, 35, Felix Holzky, 31 und Matthias Tief, 37, vor drei Jahren. Im August 2005 wurde die "Dreifach Einfach - Kreative IT-Systeme GmbH" gegründet. Geforscht und entworfen wurde an dem "cruso" dann bis Anfang Juni 2007. Besonders die Akku-Laufzeiten mussten für den täglichen Touristen-Dauer-Einsatz auf heute 14 Stunden verbessert werden. Gebaut wird der "Cruso" in Deutschland, in Marienfelde von der "Dorazil Mikro Elektronik GmbH".

Und was heißt das nun für Touristen? Sie können sich mit dem "cruso" selbst ihren Weg durch die Stadt schlagen und sich Stadtführungen einfach nach ihrem Wunsch zusammenstellen.


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