Erfindung Stromerzeugung beim Disco-Fox


Tanzen ist nicht nur gut für die Figur, durch die Bewegung kann auch Strom erzeugt werden. Eine niederländische Designerfirma vermarktet jetzt die erste Strom erzeugende Tanzfläche der Welt. Auch in Deutschland besteht Interesse für diese "grüne" Idee!
Von Albert Eikenaar

Die Idee wurde schon vor einigen Jahren geboren. Junge niederländische umweltbewusste Architekten, Designer und Spezialisten für nachhaltiges Unternehmen ärgerten sich an der Energieverschwendung in einer Disco, die sie gerade besuchten.

Beim Bier und Bacardi philosophierten sie über die Frage, wie sie selbst einen trendy Danceclub einrichten würden. Könnte es möglich sein, so ein Lokal total nach grünen Prinzipien zu gestalten. Alles Öko? Die jungen Männer und Frauen sahen das als eine Herausforderung. So entstand der Gedanke von einer stromerzeugenden Tanzfläche als wesentlicher Teil eines umweltsparenden Tanzclubs der Zukunft. Dieser Tanzboden sollte das absolute Prunkstück werden.

Und siehe da: jetzt, zwei Jahre nach der hitzigen Diskussion über die Realisierung der damals spontanen Idee ist sie Wirklichkeit geworden im Rotterdamer Tanzwalhalla Watt. Geschäftsleute aus der Unterhaltungsbranche von Europa's größter Hafenstadt so wie kapitalkräftige Investoren aus Immobilienkreisen sahen die Chancen für ein neuartiges Tanz- und Kulturzentrum mit einem konsequenten Öko-Konzept.

Es wurde von oben nach unten realisiert. Auf dem Dach gesammeltes Regenwasser reicht für mindestens 50.000 Klospülungen. Der benötigte Rest kommt aus der Leitung. Doch diese Menge soll stetig gedrosselt werden. Immerhin reduzieren die Toilettenspülungen schon die Kosten. LED-Lampen sparen 85% des Stromverbrauchs im Vergleich mit Standard Theaterbeleuchtung. Die Klimaanlage berechnet von Minute zu Minute den aktuellen Bedarf an Kühlung und Wärme. Die Werte werden abgestimmt auf die Besucherzahl. So geht keine Kapazität ungenutzt verloren. Der Abfall wird um 50% verringert - das bedeutet eine erhebliche Senkung der Müllrechnung.

Insgesamt 30% weniger Energie verbraucht WATT bei diesem Gesamt-Konzept. Das ist jedenfalls das Ziel. Dabei geht es um Zehntausende Euro's. Den größten Teil der notwendige Elektrizität bezieht der Club zwar noch vom Energiekonzern, aber er erzeugt auch zusätzlich hausgemachten Strom mit der Tanzfläche. Eine spektakuläre Weltneuheit.

Der flexibel verlegte Kunststoffboden, bestehend aus Fliesen von 65 x 65 Zentimetern und insgesamt 30 m² groß, bewegt sich etwa einen Zentimeter rauf und runter, wenn die Tänzer oder Tänzerinnen sich rhythmisch darauf ausleben. Avancierte "Mechatronica" setzt diese minimalen Schwingungen in elektrischen Strom um. Je heftiger man tanzt, desto höher die Power. Davon allein brennen alle LED-Leuchten im dunklen Saal.

Dieser erhellende Erlös ist in der Startphase noch ziemlich dürftig. Die Entwickler des Systems sind jedoch zuversichtlich, dass sie jetzt nach den ersten aktuellen Erfahrungen imstande sind, die Zahlen zu verbessern. Im Club Watt werden sie beschränkt bleiben, weil eben die verhältnismäßig kleine Räumlichkeit nicht mehr hergibt. Aber die Konstruktion zur automatischen Herstellung von Strom kann man überall einbauen. Sie ist transportabel und der Größe sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Die Installation eignet sich für einen Massentanz im Fußballstadion bei entsprechender Ableitung der Energieerzeugung.

"Dolchstoß mitten ins Herz"

Experten aus aller Welt tanzen nun an, um dieses niederländische Stromsparmodell aus der Nähe zu begutachten und zu testen. Vorige Woche lagen die Fliesen drei Tage zu Demonstrationszwecken im Stand der Niederlande auf der Expo Real Immobilienmesse in München. Sie sollte den Gästen zeigen, wie innovativ die Holländer im Bereich der Bau- und Elektrotechnik sind. "Es war ein Riesenerfolg", so Vera Verkooyen des Sustainable Dance Clubs, der Firma, die den Boden weltweit vermarktet.

Nach München wird es demnächst weitere deutsche Städte geben, wo die Elektrotanzfliesen erprobt werden sollen. Berlin liegt an erster Stelle. Mehr will Frau Verkooyen nicht verraten.

Eines wird aber gleichzeitig unterstrichen. Das flache Kraftwerkwunder gibt es im Prinzip nicht zu kaufen oder zu mieten ohne auch andere grüne Maßnahmen durchzuführen. Alles zusammen bildet eine Einheit. Inzwischen kämpft Watt plötzlich mit kaltem Gegenwind. Die Kommune Rotterdam wird möglicherweise einem neuen megagroßen Kulturtempel für Jugendliche zustimmen. Ein Watt-Sprecher: "Wenn das tatsächlich wahr ist, dann bedeutet das unseren Untergang - und ein Drama für unser Publikum. Es wäre für uns ein Dolchstoß mitten ins Herz".


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