ILA Berlin hebt ab


Ordentlich Kerosin schnuppern kann man auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin. Der Luftraum ist vollgepackt mit Klassikern und fliegendem High-Tech. stern.de hat in den Himmel geblickt.

Es ist ein trister Frühlingsmorgen in Berlin, über dem Flughafen Schönefeld liegt ein düsterer Wolkenmantel. Und doch starren Tausende von Menschen gebannt in den Himmel; ihre Fotokameras sind schussbereit. Und dann ein gewaltiges Grollen. Aus der grauen Masse dringt plötzlich ein strahlend weißer Metallkoloss, fast schon engelsgleich schwebt er gefühlte 100 Meter über den Köpfen der Menschen. Ein Raunen geht durch die Menge, Sekundenbruchteile später entzündet sich ein Blitzlichtgewitter. Die A380-800, das größte Passagierflugzeug der Welt, ist auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) angekommen.

Das Fahrwerk des gewaltigen Flugzeugs ist bereits ausgefahren, doch landen mag der Pilot noch nicht. Erst will er zeigen, was der dicke Brummer alles kann. Also zieht er die Nase hoch, den Schub erhöht er dabei nicht. Der Flieger verliert an Fahrt. Es scheint fast so, als würde er in der Luft stehen. Dieses Manöver ist extrem schwierig. Wird der bis zu 850 Passagiere fassende Gigant zu langsam, so hätte dies einen Strömungsabriss zur Folge. Doch offenbar mit Leichtigkeit absolviert der Koloss dieses extrem schwierige Manöver für einige Sekunden. Dann bringt der Pilot den Giganten wieder in die Normalposition und gibt vollen Schub. Während der unzähligen Runden über dem Flughafengelände vollzieht er weitere spektakuläre Manöver und landet schließlich nach etwa 15 Minuten sicher auf der Landebahn.

Mekka für Flugzeugbegeisterte

Die offizielle Deutschlandpremiere des modernsten Langstreckenflugzeugs der Welt ist aber nur eines von vielen Highlights, die den Besucher auf der 250.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche erwartet. Zu sehen gibt es Luftfahrt pur von A wie Antrieb über H wie Historie bis hin zu Z wie Zünder von Raketensystemen. Kleine Flugdrohnen, Hubschrauber, Sportflugzeuge, VIP-Jets, Militärflieger - die ILA ist ein Mekka für Flugzeugbegeisterte.

Während des rund dreistündigen Flugprogramms, das täglich vom Auftritt der A380 eingeleitet wird, gibt es schier unglaubliche fliegerische Leistungen zu bestaunen. Hubschrauber vollführen Loopings. Eurofighter donnern krachend im Formationsflug dicht über dem Boden. Klassiker der Luftfahrt wie die Messerschmitt Bf 109 G-6 werden vor den Augen der Besucher wieder belebt. Eine MiG-29M OVT schmiert bildlich gesprochen vom Himmel ab - der Trudelflug wird vom Piloten gerade noch knapp vor dem Boden abgefangen. Und Flugkolosse wie der amerikanische Militärtransporter C17A Globemaster III brechen eine Landung spektakulär kurz vor dem Aufsetzen auf der Piste mit einem dröhnenden Durchstart-Manöver ab.

Folterkammern und Flugsimulatoren

Während der Pausen sorgen die Stände der insgesamt mehr als 1.000 Aussteller in den Messehallen für Kurzweil: Wie beispielsweise Flugzeugbauer neue Maschinen vor ihrem ersten Einsatz auf ihre Standfestigkeit prüfen, zeigt der Stand des Dresdner Unternehmens IABG. In einem speziellen Hangar werden die Giganten der Lüfte dynamischen Belastungsproben unterzogen. Rund 50.000 Mal simuliert man hierzu unterschiedliche Flugsituationen wie Starts und Landungen im Zeitraffer. Dies entspricht einer Belastung von 25 Flugjahren. IABG präsentiert eine anschauliche Miniatur einer solchen überdimensionalen Folterkammer und beschreibt den Verlauf der Verschleißtests mit interessantem Filmmaterial.

Ein großer Magnet sind die zahlreichen Flugsimulatoren, die den Besucher zu einem virtuellen Rundflug einladen. Ganz ohne Pilotenschein werden hier Transport- oder Militärmaschinen durch die Lüfte manövriert. Für eine authentische Stimmung sorgen dabei die Original-Cockpits, in denen die Hobby-Flieger Platz nehmen dürfen.

Deutschland im Weltraum

Neben der zivilen und militärischen Luftfahrt werden auf der ILA auch Forschung und Raumfahrt für den Besucher praktisch greifbar. So stellt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die in Bremen gebaute, 4,7 Meter hohe Vinici-Oberstufe der Trägerrakete Ariane 5 im Original vor.

Außerhalb der Messehallen gibt es neben der Flugschau rund 300 Fluggeräte zu bestaunen, in die teilweise sogar ein Einblick gestattet ist. So erklärt die Bundeswehr, wie die fliegende Aufklärungs- und Leitzentrale E-3A, besser bekannt unter der Bezeichnung Awacs, ihren Dienst verrichtet. Und auch das Probesitzen in der Kanzel eines brandneuen Eurofighters ist möglich.

Derzeit ist der Besuch der interessanten Ausstellung ausschließlich dem Fachbesucher vorbehalten. Vom 19. bis zum 21. Mai öffnet die ILA ihre Tore auch für das breite Publikum. Die Messe ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 16 Euro.

Udo Lewalter

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