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Museumsschiff Intelligentes Stützkorsett verhindert den Zusammenbruch von Lord Nelsons Flaggschiff "HMS Victory"

Der Sieg der "HMS Victory" begründeten die über 100 Jahre andauernde britische Herrschaft über die Meere. 
Der Sieg der "HMS Victory" begründeten die über 100 Jahre andauernde britische Herrschaft über die Meere. 
© BAE Systems / PR
Die "HMS Victory" "schwimmt" wieder - aber nicht auf dem Wasser. Sie wird von einem Hightech-System unterstützt, das verhindert, dass das 255 Jahre alte Schiff unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht.

Die "HMS Victory" dient als Museumsschiff in Portsmouth, Besucher bekommen dort einen lebendigen Eindruck vom Leben an Bord der Kriegsschiffe zur Zeit von Napoleon. Jetzt hat das eindrucksvolle Linienschiff eine Art von Korsett aus 134 Stützstangen bekommen. Die Stangen sollen den Druck des Wassers auf den Rumpf simulieren. Zuvor hatte man festgestellt, dass der Rumpf des Schiffes zusammensackte. An einer Seite soll das Schiff in jedem Jahr 0,5 Zentimeter verloren haben. Nun herrschen Bedingungen, als läge die "Victory" im Wasser.

Massage für den Rumpf

Die Stützen sollen die Gewichtsverteilung des Schiffes überwachen und "die variablen Drücke des Meeres nachahmen" und "frühzeitig vor Fehlern oder Schwächen warnen", so das Museum und die Firma BAE-Systems. Die Stützen sind mit Sensoren ausgestattet, die minütlich den Druck messen, der auf den Schiffsrumpf einwirkt, und sich dann so einstellen können, dass sie Spannungen in der gleichen Weise abbauen, wie es das Meer tun würde, wenn das Schiff schwimmen würde. Seit 1922 liegt die "HMS Victory" in dem Trockendock in Portsmouth, ursprünglich wurde sie von 22 Stahlkonstruktionen gestützt.

Nationales Denkmal

Die "HMS Victory" ist nicht irgendein Linienschiff der Zeit, es ist ein nationales Denkmal. Sie diente Lord Nelson als Flaggschiff in der Schlacht von Trafalgar 1805. Der britische Sieg über die vereinigten französischen und spanischen Flotten setzten den Ambitionen Napoleons auf eine Invasion der Britischen Inseln ein Ende – der Seekrieg war damit entschieden. Der herausragende Admiral seiner Zeit, Lord Nelson, fand während der Schlacht auf dem Schiff den Tod. Das machte die "Victory" zu einer nationalen Legende.

Das Schiff wurde 1765 zu Wasser gelassen und diente 47 Jahre lang. Die "Victory" hatte drei Masten mit 37 Segeln und erreichte eine Geschwindigkeit von 11 Knoten. Zur Zeit der Schlacht 1805 galt die "Victory" schon als alter Kahn und sollte eigentlich als Lazarettschiff für Kriegsgefangene dienen. Doch 1799 wurde sie weitgehend erneuert, weil Ersatz für die untergegangen "HMS Impregnable" benötigt wurde.

Bedeutendster britischer Seesieg

1805 hatte die "Victory" 104 Kanonen an Bord und war eines der stärksten Kriegsschiffe der Zeit. In der Schlacht von Trafalgar diente sie als Flaggschiff, was auch bedeutete, dass sie das stärkste Feuer des Gegners auf sich ziehen würde. Nelson führte die Schlacht anders, als die herrschende Lehre vorsah. Anstatt parallel zum Gegner zu segeln und ihn aus größerer Entfernung zu beschießen, stieß Nelson mit zwei Kolonnen seiner Schiffe senkrecht in die gegnerische Formation. Ziel war es, in einem brutalen Gefecht auf kürzeste Entfernung das gegnerische Zentrum zu vernichten und dann die Formation der Spanier und Franzosen zu zersprengen. Die "Victory" wurde in dem Gefecht schwer beschädigt, blieb aber letztlich siegreich. Nelson wurde von der Kugel eines Scharfschützen getroffen.

Die "Victory" musste danach nach Gibraltar geschleppt werden. Später diente sie als Beiboot, als Lager-, Truppen-, Gefängnis- und schwimmendes Schulschiff. 1922 fand die "Victory" ihr letztes Zuhause im Trockendock von Portsmouth. Durch die Trockenlegung wollte man ihren Rumpf vor den zersetzenden Kräften des Wassers schützen. Doch leider wurde die "Victory" nicht für ein Leben auf dem Trockenen gebaut. Schwerkraft und Trocknung setzten dem Holz des Rumpfes zu, insgesamt soll das Schiff 20 Zentimeter Höhe durch Schrumpfen verloren haben.

Quelle: BAE Systems


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