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Jahresrückblick

Militär-Technik: Rüstungspannen 2017: Rauchende Flugzeugträger, kaputte Panzer und Havarien auf hoher See

In den Videoclips des Militärs funktioniert das Gerät stets mit tödlicher Präzision. In Wirklichkeit kann eine Ministerin in ihrem teuersten Transportflugzeug nicht einmal ungestört ins Ausland fliegen. Und auch Putin muss sich wohl von seinem kaputten Flugzeugträger trennen.

Der Leopard 2 zählt nach wie vor zu den besten Kampfpanzern der Welt (Archivbild).

Der Leopard 2 zählt nach wie vor zu den besten Kampfpanzern der Welt (Archivbild).

Putins qualmender Flugzeugträger 

Militärisch war 2017 ein erfolgreiches Jahr für Russland, aber für einen Eintrag in der Pannenliste reicht es doch. Der altersschwache und einzige Russlands, die "Admiral Kusnezow", macht dem Kreml mehr Sorgen als Freude. Die eigentliche Rolle des Trägers war der Kampf gegen feindliche Schiffe. Inmitten einer Battle-Group sollte die Kusnezow Luftunterstützung geben, außerdem verfügte sie über einen Schwarm von Antischiffsraketen vom Typ SS-N-19 Shipwreck. Im Mittelmeer wurde sie gegen Bodenziele in Syrien eingesetzt und verlor dabei zwei Jets wegen technischer Probleme. Zu derartigen Abstürzen kommt es regelmäßig auch bei den Trägern der USA, doch bei der Kusnezow besteht der Verdacht, dass zumindest ein Absturz mit Materialproblemen zusammenhängt. Gleichzeitig steht die Hauptmaschine des Schiffs in dem Ruf, Probleme zu bereiten.

Nach dem Einsatz ging es direkt in die Werft – zu einer umfassenden Erneuerung, so wie sie die russischen Schlachtkreuzer der Kirow-Klasse durchlaufen. Doch während die gewaltigen Schlachtkreuzer mit erheblichem Aufwand zu waffenstarrenden Trägern modernster Raketen und Missiles umgerüstet werden, wurde das Budget für die Kusnezow deutlich zusammengestrichen. Blickt man auf die Schwerpunkte der neue mittelfristigen Rüstungsplanung Russlands – küstennahe Kampfschiffe, Fregatten und U-Boote – ist es fraglich, ob die Admiral Kusnezow je wieder in Dienst gehen wird.

Auffahrunfälle auf hoher See

Ein altersschwacher Flugzeugträger ist nicht schön, aber im Bereich "maritime Katastrophen" haben die USA in diesem Jahr gewiss größere Probleme. Kurz hintereinander wurden unabhängig voneinander zwei Lenkwaffenzerstörer der Arleigh-Burke-Klasse in Havarien mit zivilen Schiffen verwickelt. Dabei kam es nicht nur zu großen Schäden an der "USS Fitzgerald" und der "USS John S. McCain", sondern auch zu Toten und Verletzten. Offenbar lagen die Fehler, die zu dem Zusammenstoß führten, bei den Kriegsschiffen. Anders als zivile Frachter benutzen sie kein Transpondersignal, welches jedem anderen Schiff den eigenen Standpunkt mitteilt. Daher müssten sie in stark befahrenen Gewässern besonders aufmerksam sein. Aber obwohl die Brücke eines Zerstörers mit sehr vielen Personen besetzt ist, die Schiffe hochmoderne Radaranlagen besitzen und überaus wendig sind, kam es zu den Zusammenstößen. Schuld waren in beiden Fällen schwere Fehler der Brückenbesatzungen der Zerstörer.

Ministerin ohne Lift

Für Deutschlands Militär war es ein Jahr von Pech und Pannen. Den Auftakt machte der hochmoderne Militärtransporter Airbus A400M. Ein Projekt, dass vor allem mit Kostensteigerungen und Verzögerungen von sich reden macht. Im Februar wollte Ministerin von der Leyen den kleinen Partner Litauen mit dem neuen Transporter beeindrucken. Für den Hinflug reichten die Kräfte der Maschine noch, doch zurück musste Frau von der Leyen einen anderen Lift nehmen. Ihr Airbus litt unter einem Maschinenschaden. Zu den unzähligen Pannen des Flugzeugs kam jetzt noch eine Blamage auf großem diplomatischen Parkett hinzu. Infolge der Berichterstattung um die sitzengelassene Ministerin rückten die Probleme des Airbus erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Zum damaligen Zeitpunkt war keine der Maschinen im militärischen Sinne einsatzfähig. Nur mit permanenter Wartung konnten die Maschinen in die Luft gebracht werden. Den Litauern war klar: Im Ernstfall würden ihnen diese Transporter gewiss keinen Nachschub liefern können.

Eurofighter-Nepp

Der Eurofighter fliegt durch dicke Luft. Das kleine Österreich hat genug von dem "fliegenden Schrott". Die Maschinen sollen häufiger kaputt als einsatzbereit sein. Die Triebwerke müssen vorzeitig ausgetauscht werden. Aus lauter Ärger gewährten die Österreicher Einblick in die Rechnungen, die ihnen die Eurofighter-Gesellschaft regelmäßig schickte. Saftig trifft den Nepp nicht richtig, selbst für Standardteile wie Schrauben und Unterlegscheiben wurden ihnen fantastische Summen berechnet. Obendrein soll der Ankauf der Eurofighter mit Bestechungsgeldern geschmiert worden sein.

U-Boote und Panzer warten auf die Werkstatt

Die deutschen Streitkräfte werden seit Jahren von den gleichen Problemen geplagt. Neben den Nachwuchssorgen verzögert sich die Einführung neuer Waffensysteme regelmäßig um Jahre. Dahinter stehen komplizierte strukturelle Probleme, die nicht so einfach abzustellen sind. Im Jahr 2017 wurde der Blick der Öffentlichkeit auf ein anderes Problem gelenkt: Die Bundeswehr geizt bei Ersatzteilen. Um hier überschaubare Summen einzusparen, nimmt man in Kauf, dass ganze Truppenteile praktisch lahmgelegt sind. Bei der Panzertruppen sind weniger als die Hälfte der Leopard-2-Panzer einsatzbereit, der Rest wartet auf die Wartung. Ende des Jahres wurde zudem bekannt, dass kein einziges deutsches U-Boot im Moment kampffähig ist.

Raketenabwehr machtlos gegen Raketen-Oldie

Saudi-Arabien setzt auf westliche Militärtechnik. Abwehrsysteme vom Typ Patriot sollen das Land vor Raketenangriffen schützen. Seitdem Saudi-Arabien an einer Invasion im Nachbarland Jemen führend beteiligt ist, schießen die dortigen Rebellen regelmäßig Raketen älterer Bauart auf saudisches Gebiet. Ein Raketenangriff auf die Hauptstadt sollen die Patriots bravourös abgewehrt haben – so die offizielle Verlautbarung. In der "New York Times" haben namhafte Militärexperten diese Darstellung später zurückgewiesen. Demnach sollen die Saudis insgesamt fünf Abwehrraketen gestartet haben, aber keine einzige habe das Ziel treffen können. Sollte die "New York Times" recht haben, muss die ganze Raketen-Abwehrtechnik neu bewertet werden. Schließlich haben die Rebellen nur eine einzige Rakete abgefeuert, die auf alte Technik der UDSSR zurückgeht. Eigentlich sollte die Patriot mit ganzen Schwärmen moderner Raketen fertig werden, die Elektronik und Täuschkörper einsetzen, um Abwehrwaffen in die Irre zu führen.   

Panzer-Tod der Türkei

Alle modernen Kampfpanzer wurden im Kalten Krieg für Kämpfe konzipiert, die es heute nicht mehr gibt. Der Leopard 2 sollte als Duellpanzer in der norddeutschen Tiefebene den Kampf gegen die Panzer der UDSSR aufnehmen. Diesen Panzer hat die Türkei in den Gefechten gegen den IS bei der nordsyrischen Stadt Al-Bab eingesetzt und dem Image des deutschen Panzerbaus schweren Schaden zugefügt, denn die Kolosse wurde wie auf dem Schießstand ausgeschaltet. Die Ursache liegt zum einen darin, dass die türkischen Leopard keine Modernisierung der Panzerung erhalten haben, die sie besser vor seitlichen Treffer hätten schützen können.

Anderseits konnte man auf den Videos erkennen, dass die Panzerjäger des IS ihr Handwerk weit besser verstanden haben als die türkischen Kommandeure. Die ließen die Panzer in einem unübersichtlichen und nicht von Infanterie gesicherten Gelände auffahren und gebrauchten sie dann als statische Artillerie. Die Kämpfer des IS mussten sich in dem Trümmerfeld nur unbemerkt in eine gute Schussposition seitlich hinter einem Panzer in Stellung bringen. So hatten die Besatzungen der Leopard keine Chance.

Das sind Fehler, die man hätte vermeiden können. Doch auch die modernisierten Panzer der Bundeswehr verfügen über keine aktiven Abwehrsysteme. Sie sind der beste Schutz gegen Anti-Panzer-Raketen, weil sie die feindliche Rakete im Anflug abschießen, bevor sie auf der Panzerung einschlagen können. 

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