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Rüstungspannen: Militär-Airbus A400M - das Trauerspiel unseres Problemfliegers

Der Militär-Airbus A400M sollte der vielseitigste und beste Lufttransporter der Welt werden. Nun zeigt sich: Der Wundervogel kann meistens nicht einmal abheben. Und ein Ende des Trauerspiels ist nicht in Sicht.

Ein Airbus A400M im Anflug

Auf dem Papier soll der Militärtransporter A400M exzellente Leistungen erreichen, doch in der letzten Woche holte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Realität ihres Rüstungsprojekts ein: Ein A400M brachte sie zwar nach Litauen, streckte dort aber nach kurzem Flug die Flügel. Die Ministerin musste mit einer uralten Transall zurückgebracht werden. Offiziell ist der Kreml über die Truppenpräsenz der Nato in den baltischen Staaten sehr empört, unsere Pannenflieger dürften allerdings für Heiterkeit beim russischen Militär gesorgt haben.

Der hingegen dürfte nicht zum Lachen zumute sein: Beim A400M ist die Panne die Regel und nicht die Ausnahme. Der "Spiegel" legte nach und enthüllte, dass sich von insgesamt acht A400M der Bundeswehr derzeit nur ein einziger in die Luft erheben kann. Das entspricht einer Einsatzbereitschaft von 12,5 Prozent.

Serie von Pannen beim A400M 

Schon am 29. Januar blieb eine mit einer geborstenen inneren Cockpitscheibe auf Zypern liegen. Die Ersatzteillieferung verspätete sich, weil die nächste A400M nicht abheben konnte. Ohnehin sind alle Maschinen derzeit nur eingeschränkt einsatzfähig. Ein Defekt am Triebwerksgetriebe führt dazu, dass die Maschinen nach nur 20 Flugstunden wieder in die Werkstatt müssen.

Zur Veranschaulichung: Nach einem Flug Hin-und-Zurück nach Gran Canaria muss der Vogel in die Wartung, eine zweite Tour wäre ohne Mechaniker nicht mehr drin. Neben den Getriebeproblemen wird der Transporter von Rissen am Mittelrumpf geplagt, die nur durch den Austausch großer Bauteile beseitigt werden können. Bisheriger Tiefpunkt ist der Absturz eines A400M bei Sevilla im Mai 2015 mit vier Toten wegen eines Softwarefehlers.

"Extras" sind beim A400M noch gar nicht an Bord

Die bisherigen Probleme beziehen sich allein auf die grundlegenden Fähigkeiten des Flugzeugs, nämlich: Starten, Fliegen und Landen. Die besonderen Eigenschaften des taktischen , für die die A400M überhaupt angeschafft wurden, sind bislang noch gar nicht ausreichend erprobt worden - beziehungsweise sie sind überhaupt nicht implementiert.

Wegen der Verzögerung von mehr als fünf Jahren hat man beim A400M einen eigenwilligen Weg beschritten: Zuerst wird nur eine Grundversion des Fliegers ausgeliefert - alle "Extras" werden später aufwändig nachgerüstet. Die Bundeswehrmaschinen besitzen weder ein Selbstschutzsystem für Flüge und Starts/Landungen in bedrohten Umgebungen, noch über die Möglichkeit Fallschirmjäger abzusetzen. Angesichts der Geschichte des  A400M ist es unwahrscheinlich, dass diese nachträglich gelieferten Systeme reibungslos funktionieren werden.

Der Traum vom Wundervogel

Das Grundproblem des A400M ist seine extreme Vielseitigkeit bei einem ursprünglich kalkulierten niedrigen Preis. In jeder Beziehung sollte der Transporter Gegensätzliches vereinen. Er sollte möglichst weit und sparsam fliegen - aber auch schnell und hoch. Er sollte nicht nur einen Schützenpanzer transportieren, es sollte auch möglich sein, ihn in der Luft aufzutanken. Selbst als Tankflugzeug für kleinere Jets wollte man ihn einsetzen.

Für einen Transporter ist der A400M extrem manövrierfähig. Diese Vielseitigkeitsoffensive wurde dem A400M zum Verhängnis, aber sie sicherte das Projekt auch ab. Kein anderer Jet konnte all diese Anforderungen erfüllen, es gab daher keine Konkurrenz in der Beschaffung. 

Schwindende Stückzahlen

Doch seit Jahren bröckelt der Ruhm des Fliegers. Die theoretischen Glanzleistungen werden in der Praxis nicht erreicht. Solange das Triebwerksproblem und die minimalen Wartungsintervalle nicht gelöst sind, ist die Maschine nur zu symbolischen Einsätzen gut. Im Ernstfall wäre sie komplett unbrauchbar. Und selbst beim Transport der Ministerin versagte sie nun spektakulär. In der irren Welt des A400M gilt es schon als gute Nachricht, dass diese Panne "nur" durch ein Leck der Hydraulikleitung hervorgerufen wurde, und nicht den "Kern" des Triebwerks betrifft, wie Reuters berichtet.

Einst hoffte Airbus, ein Exportwunder aus dem Transporter zu machen. Doch je länger sich die Problemphase des Jets ausdehnt, umso weniger Kunden finden sich. Ein Teufelskreis: Nur hohe Stückzahlen können zu bezahlbaren Preisen und zu Gewinnen für Airbus führen.

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Kein Licht am Ende des Tunnels

Ein Ende des Jammers ist nicht in Sicht: Im Jahr 2022 soll die letzte Transall der Bundeswehr außer Dienst gestellt werden. Wie es dann weitergehen soll, weiß kein Mensch. Auf die A400M will sich die Bundeswehr nicht verlassen. Was nichts anderes heißt, als dass man befürchtet, dass die A400M dann immer noch nicht einsatzbereit wäre - das entspräche einer Verzögerung von über zehn Jahren.

Um die Lücke zu füllen, schafft die Bundeswehr Transporter vom Typ C-130J "Super Hercules" beim US-Hersteller Lockheed Martin an. Der Typ C-130J ist die modernisierte Version eines echten Luftveteranen. Die "Super Hercules" kann war nicht alle Aufgaben erfüllen, die der Airbus verspricht. Die maximale Zuladung liegt bei 19 Tonnen, schon der Transport eines Schützenpanzers ist daher nicht möglich. Das eingeschränkte Spektrum absolviert die "Super Hercules" jedoch extrem zuverlässig. Also ganz anders, als vom Militär-Airbus gewohnt.