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Jungfernflug des "Space Plane": Pentagon startet mysteriöses Raumschiff X-37B

Es sieht aus wie ein Space-Shuttle im Mini-Format: Das Space Plane X-37B ist erstmals ins All befördert worden. Das kleine Raumschiff umgibt eine Aura des Geheimnisvollen. Denn es gehört nicht zur Nasa, sondern zur US-Luftwaffe.

Es sieht aus wie ein Space-Shuttle im Mini- Format, ist gerade mal 8,80 Meter lang mit einer Flügel-Spannbreite von rund 4,60 Metern. Es hat eine kleine Ladebucht, wiegt 5 Tonnen und fliegt unbemannt. Viel mehr weiß die Öffentlichkeit nicht über das Raumflugzeug X-37B: Es gehört zu den sorgfältig gehüteten Geheimnissen der US Air Force.

In der Nacht zum Freitag (01.52 Uhr MESZ) ist das "Space Plane" vom militärischen Teil des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral (Florida) zu seinem ersten Testflug aufgebrochen. Die Dauer des Fluges? Unbekannt. Nur so viel steht fest: Es können bis zu neun Monate sein. Denn dieser mysteriöse Vogel ist so gebaut, dass er 270 Tage lang im Orbit bleiben kann. Was sind die künftigen Aufgaben? Und was kostet der Spaß? Da sind die Lippen bei der Air Force wiederum versiegelt, und auch der Hersteller, die Boeing-Abteilung Phantom Works, hüllt sich strikt in Schweigen.

Erst zivil, dann militärisch

Seit über zehn Jahren ist an dem sogenannten Orbital Test Vehicle (OTV) gearbeitet worden. Gestartet wurde das Projekt in den späten 90er Jahren zunächst von der zivilen Raumfahrtbehörde Nasa, dann übernahm das Militär 2004 die Sache. Am Donnerstag wartete das Roboterflugzeug wohlbehütet in der Nase einer Atlas-V-Rakete auf den Start. Wenn alles klappt, wird es irgendwann auf der Air-Force-Basis Vandenberg in Kalifornien landen - nachdem es mit Überschallgeschwindigkeit wieder in die Erdatmosphäre eingetaucht ist und sein Ziel vom Pazifik her angesteuert hat.

Das Space Plane ist so konzipiert, dass es das ganze Landemanöver - von dem Zeitpunkt an, wenn es seine niedrige Umlaufbahn um die Erde verlassen hat - ohne jede Steuerung von Bodenkontrolleuren absolvieren kann, zitiert Space.com Gary Payton von der US-Luftwaffe. Aber natürlich ist für den Fall der Fälle vorgesorgt. Käme der Orbiter beim Landeanflug auf Kalifornien, den bevölkerungsreichsten US-Staat, vom Kurs ab, könnte er von der Erde aus zerstört werden. Aber damit rechnet Payton nicht. "Ich habe eine Menge Vertrauen in die Fähigkeit dieses Vogels, eigenständig zurückzukommen", sagt der für Raumfahrt-Programme stellvertretende Luftwaffen-Staatssekretär.

Ein klein wenig plaudert er denn doch über den Testflug des Raumvehikels aus, das mit Hilfe von Solarzellen und Batterien angetrieben wird. "Top-Priorität ist das Flugzeug selbst: Es in den Orbit zu kriegen, die Ladebucht zu öffnen, die Sonnensegel zu entfalten, zu sehen, wie die Höhen-Kontrollen funktionieren und es dann wieder zur Erde zurückzubringen."

Neuartiger Hitzeschild

Besonders genau wollen die Experten am Boden aber auch alle wiederverwendbaren Systeme und Vorrichtungen an Bord unter die Lupe nehmen, etwa einen neuartigen Hitzeschild, der den Mini-Shuttle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre schützen soll. "Wir wollen sehen", zitiert Floridatoday.com Payton, "was wirklich nötig ist, um diesen Vogel (nach der Landung) wieder zum Fliegen zu bringen". Und das möglichst schnell: Die Space-Shuttle der Nasa brauchen drei bis vier Monate, um nach einer Reise fit für den nächsten Ausflug gemacht zu werden. Das Space Plane soll das möglichst in Tagen schaffen, das würde das Programm auch billiger machen.

Die Luftwaffe hat bereits einen zweiten X-37B-Orbiter bestellt. Über die möglichen künftigen Aufgaben wird rege spekuliert. Die Roboterflugzeuge, so sagen Experten, könnten langandauernde Spionageaktionen übernehmen, Handy-Gespräche und Radio-Kontakte belauschen, kleine Satelliten aussetzen oder wieder einfangen und Mini-Meteoriten sowie Weltraummüll beobachten. Und klappt es mit der raschen Wiederverwendung, dann läge schon darin ein unschätzbarer militärischer Wert: In Krisenfällen wäre der geheimnisumwitterte Vogel im Nu unterwegs.

Gabriele Chwallek/DPA / DPA