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Junkers Ju 52: 80 Jahre "Tante Ju"

Die "Tante Ju" war in über 40 Ländern im Einsatz. Vor 80 Jahren flog die erste Maschine. Der Beginn eines Mythos. Die Ju 52 schien unverwüstlich und wurde sogar zur Rettung von Soldaten genutzt. Acht Jahrzehnte nach dem ersten Flug ist ihre Popularität ungebrochen.

Vor 80 Jahren begann die Geschichte der inzwischen weltbekannten und beliebten "Tante Ju". Gesucht wurde seinerzeit ein Flugzeug, das Fracht und Passagiere befördert, den hohen Anforderungen der Lufthansa gerecht wurde, gleichzeitig aber auch in wirtschaftlich und verkehrstechnisch noch nicht besonders erschlossenen Ländern eingesetzt werden konnte. Gefragt waren Zuverlässigkeit, kurze Start- und Landestrecken bei möglichst geringen Wartungsproblemen.

Was Hugo Junkers bauen sollte und wollte, kam fast der Quadratur des Kreises gleich: Die Frachtflieger wollten ein einmotoriges, die Lufthanseaten ein dreimotoriges Flugzeuge haben. Junkers' genialer Chefkonstrukteur Ernst Zindel schaffte das Kunststück - in Etappen: Am 11. September 1930 startete die erste noch einmotorige Ju 52 mit der Werksnummer 4001 zum Erstflug. Doch der wichtigste Kunde Lufthansa war nicht zufrieden. Zehn einmotorige Ju 52 sollten gebaut werden - es wurden aber nur fünf flügge. Eine landete später bei kanadischen Pelzjägern in der Hudson Bay und wurde noch Ende der 40er Jahre von Canadian Pazific Airways eingesetzt.

Die erste dreimotorige Ju 52/3m startete am 7. März 1932 zum Jungfernflug. Die Struktur der einmotorigen Ju 52 war so ausgelegt gewesen, dass in den Tragflächen zusätzliche Motoren eingebaut werden konnten. So entstand die neue und noch immer erfolgreiche Version. Und noch heute fliegt eine Ju 52/3m als Oldtimer bei der Deutschen Lufthansa. Diese "Tante Ju" wurde im April 1936 auf den Namen "Fritz Simon" getauft. Sie überlebte abenteuerliche Jahre in Europa und Amerika und erhielt schließlich nach kostspieliger Restauration, die fast einem Neubau gleich kam, am 6. April 1986 den Namen "Berlin- Tempelhof" - genau 60 Jahre nach der Gründung der Luft Hansa - so nannte sich der deutsche Flagcarrier in seinen ersten Jahren noch.

Aber nicht nur um dieses Uralt-Flugzeug mit dem amtlichen Kennzeichen D-AQUI ranken sich viele Geschichten. Denn kaum ein Flugzeug in der Geschichte der Luftfahrt - ausgenommen die amerikanische DC-3 - wurde so populär wie der von Zindel und Junkers geschaffene Tiefdecker, der bei einer Höchstgeschwindigkeit von 270 Stundenkilometern 17 Passagieren Platz bietet.

Über 4000 Versionen

Viele Jahre lang war die Ju 52/3m das am meisten verbreitete Verkehrsflugzeug der Welt. Wie viele dreimotorige Ju 52/3m inklusive aller Lizenzbauten letztlich gebaut worden sind, ist bis heute nicht restlos geklärt. Auf alle Fälle waren es über 4000 zivile und militärische Versionen aller Art.

Obwohl die Ju 52 nie als militärische Entwicklung vorgesehen war, diente dieses Flugzeug auf allen Kriegsschauplätzen der 30er, 40er und sogar noch der 50er Jahre auch als Bombenflugzeug. Gleichzeitig rettete es als Transportflugzeug vor allem im Zweiten Weltkrieg auch Tausenden, vornehmlich Verwundeten, das Leben. Den Namen "Tante Ju" verdankte das Flugzeug deutschen Soldaten, die mit seiner Hilfe gerettet werden konnten. Es flog auch noch, wenn andere Flugzeuge nicht mehr vom Boden hoch kamen oder sich nicht mehr in der Luft halten konnten. Eine Maschine kehrte einmal sogar zurück, obwohl ihr fast die halbe linke Tragfläche abgeschossen worden war. Andere landeten mit durchlöcherten Rümpfen. "Tante Ju" schien unverwüstlich.

Die Maschinen wurden in allen Erdteilen geflogen, sogar mit Schwimmern und Kufen für Eis und Schnee. Die Deutsche Lufthansa hatte zeitweilig 80 Ju 52/3m im Einsatz; insgesamt hatte sie 186 Exemplare geordert. Wie zuverlässig das Flugzeug von Anfang an war, zeigt die Zahl der Notlandungen. Sie konnte auf 1,5 pro eine Million Flugkilometer gedrückt werden - eine für die 30er Jahre beispiellose Leistung. "Tante Ju" wurde in über 40 Ländern eingesetzt. Es gab kaum eine renommierte Airline in Europa, die nicht auf diese Junkers-Flugzeuge setzte. Und obwohl der Name Junkers von den Nazis vor allem im Zweiten Weltkrieg mit den späteren Kampf- und Bombenflugzeugen dieses Namens als mörderische Kriegsinstrumente gründlich missbraucht wurde, steht fest, was Hugo Junkers' kongenialer Freund und Konstrukteur Ernst Zindel später einmal erklärt hat: "Alle Überlegungen waren ausschließlich auf deren Verwendung im friedlichen Luftverkehr gerichtet ... Wir hatten bei Junkers mit der Entwicklung der Ju 52 ja auch keinen Augenblick an eine militärische Verwendung gedacht."

Haßobjebt Junkers

Junkers, der in der Weimarer Republik viele Künstler und liberale Geister zu seinen Freunden zählte, wurde von den reaktionären und konservativen Militärs und Politikern jener Zeit gehasst. Junkers, der nach dem Machtantritt der Nazis de facto enteignet wurde, durfte seine Werke nicht mehr betreten. Er starb - gedemütigt, drangsaliert, verbittert - am 3. Februar 1935, exakt an seinem 76. Geburtstag - nur knapp drei Jahre nach dem Jungfernflug seiner berühmtesten Schöpfung. Dennoch würdigten ihn die neuen Machthaber noch mit einem Staatsbegräbnis - ein Zugeständnis an seine ungebrochene Popularität. Die heuchlerische Zeremonie am 9. Februar 1935 auf dem Münchner Friedhof entlarvte ein junger Mann aus Dessau, der Stadt der größten Erfolge Hugo Junkers': Im Namen der Arbeitslosen legte er einen Kranz nieder: Es war ein Dornenkranz mit drei Rosen.

DPA / DPA