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Kamerahersteller: Canon sieht schwarz

Jahrelang hat der japanische Konzern den lukrativen Markt für professionelle Fotografen dominiert - nun muss er zusehen, wie sein alter Rivale Nikon ihm dort Anteile abknöpft. Womöglich ist das erst der Anfang.

Von Matthias Oden

Eine Woche lang war für Canon die Welt eine heile. Auf der am Sonntag beendeten Kölner Photokina präsentierte sich der Kamerahersteller in satter Pracht. Auf einem der größten Stände der Fotomesse wurden nicht weniger als 49 Produktneuheiten vorgestellt, und mit dem Slogan "We Speak Image" posaunte Canon seinen Anspruch auf den Spitzenplatz der Branche protzig in die Welt hinaus.

Eine ganz andere Sprache sprechen hingegen die Zahlen des Konzerns: Das operative Ergebnis ist im ersten Halbjahr 2008 um 15 Prozent gesunken, erstmals seit langer Zeit wird es dieses Jahr keine Dividendenerhöhung geben. Seit Mai 2007 ist die Aktie um knapp 38 Prozent eingebrochen. Der Marktführer hat schon einmal besser ausgesehen.

"Haben nicht mehr Probleme als andere"

"Ich glaube nicht, dass wir mehr Probleme haben als andere", sagt Jeppe Frandsen, Geschäftsführer von Canon Deutschland. Die Finanzkrise, die schwächelnde Volkswirtschaft im Kameraland Japan, ungünstige Yen-Wechselkurse - damit haben in der Tat auch andere zu kämpfen. Doch niemand hat binnen kurzer Zeit so viele zahlungskräftige Kunden verloren wie der Konzern aus Tokio, niemand so viel Image verspielt bei der wichtigen Zielgruppe der Profifotografen. Hauptprofiteur ist ein alter Rivale: Nikon.

Das Geschäft mit den Berufsfotografen ist hochprofitabel, die Margen sind deutlich höher als im Amateurmarkt mit seinen Kampfpreisen. Kunden, die stets das beste, neueste Gerät haben wollen und bereit sind, selbst für Objektive schon mal vierstellige Summen auf den Tisch zu legen. Allein in Deutschland werden im Profimarkt jährlich rund 2 Mrd. Euro umgesetzt, immerhin rund ein Fünftel des gesamten Kameramarktvolumens. Die Ausrüstung eines Sportfotografen kann locker 40.000 Euro kosten.

Canon patzt beim Autofokus

Als Canon im Mai 2007 die digitale Spiegelreflexkamera EOS-1D Mark III herausbringt, soll sie die Führung des Konzerns in diesem Marktsegment zementieren: zehn Bilder pro Sekunde, ein "neuer Standard in der Profifotografie", wie es bei Canon heißt. Doch das Arbeitstier für Bildjournalisten patzt beim Autofokus, liefert unscharfe Bilder.

Canon wiegelt ab, es folgen Umtauschaktionen, schließlich kocht die Geschichte in Fotografenforen im Internet hoch. Canon bleibt stur: Ein offizielles Eingeständnis der Mängel fehlt bis heute. Die Profiszene reagiert mit Enttäuschung: "Wir haben uns von Canon alleingelassen gefühlt", sagt ein Fotograf.

In dieser Situation taucht Nikon auf. Vor Jahren von Canon auf dem Spiegelreflexkameramarkt von der Spitze verdrängt, meldet sich der alte Rivale nun zurück - mit der Kamera D3, die genau das kann, was die Profis bei der Mark III vermissen. Der Autofokus von Nikons Topmodell funktioniert tadellos.

Ganze Agenturen wechseln das Lager

Die D3 wird Nikons Ticket zurück ins große Geschäft, die Marktanteile beider Firmen bei den digitalen Spiegelreflexkameras liegen fast schon gleichauf. Immer mehr Profis stellen auf Nikon um, ganze Nachrichtenagenturen wechseln in das Kameralager mit den schwarzen Objektiven. "Der Wandel ist wirklich dramatisch. Gefühlt sind das schon 50 Prozent", sagt ein Kenner. Canon sieht zunehmend schwarz.

Einer, der gewechselt hat, ist der Fotojournalist Gero Breloer. "Ich war früher mit Canon verheiratet", sagt er. Sogar einen Werbefilm über eines seiner Fotos hat der Konzern gedreht. Heute macht Breloer seine Bilder mit Nikon-Modellen. "Canon hat einfach zu viel verpatzt."

"Canons Position ist heikler als sie aussieht. Wenn Profis en masse zu Nikon wechseln, wird sich das auf dem Amateurmarkt ähnlich entwickeln", urteilt Christopher Chute, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen IDC.

Das ist auch bei Nikon bekannt. "Wir sind bewusst auf die Profis zugegangen, weil wir hoffen, über sie auch die anderen Zielgruppen zu erreichen", sagt Nikon-Deutschlandchef Koichiro Yamada. "Canon ist ein harter Gegner. Aber die Entwicklung ist für uns sehr zufriedenstellend", fügt er hinzu. Und lächelt.

FTD