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US-Armee "Die Geräte hätten uns den Tod gebracht" – US-Armee stellt Datenbrille von Microsoft vernichtendes Zeugnis aus

Ein Soldat mit einer Hololens
Microsoft möchte die US-Armee ausrüsten – doch die Tests fallen bislang nicht gut aus.
© Microsoft
Seit geraumer Zeit dürfen Soldaten der US-Armee den Einsatz von Microsofts Datenbrille Hololens für den Einsatz testen. Doch das bisherige Fazit fällt ernüchternd aus.

Seit mehr als drei Jahren arbeiten Microsoft und die US-Armee daran, die Soldaten im Feld durch Datenbrillen zu unterstützen und wichtige Einsatzinformationen direkt ins Blickfeld der Bodentruppen zu beamen. Für eine solche Brille setzt Microsoft auf Technik aus der Hololens, einer sogenannten "Mixed-Reality-Brille", die seit 2016 auf dem Markt ist, bisher aber nicht von Privatkunden gekauft werden darf. Doch erste Tests fallen nach einem Bericht von "Business Insider" vernichtend aus.

Die Hololens ermöglicht es, 3D-Projektionen, also Hologramme, im Sichtfeld einer Person darzustellen. Das ist theoretisch auch für Soldaten interessant, weshalb Microsoft trotz harscher Kritik aus der eigenen Belegschaft einen Vertrag mit der US-Armee abschloss. Nach Ansicht der Armee könnte eine solche Brille ein Gerät sein, dass "eine erhöhte Tötungs-Fähigkeit, Mobilität und Vorteile, die notwendig sind, um eine Überlegenheit gegenüber derzeitigen und zukünftigen Gegnern zu erreichen" bietet.

Viele Nachteile – bislang wenig Nutzen

In der Realität sieht das im wahrsten Sinne des Wortes aber anders aus, berichtet der "Business Insider" unter Berufung auf Aussagen von Soldaten. Demnach habe ein Tester sogar gesagt, dass die Hololens in ihrer aktuellen Form im echten Einsatz Leben gekostet hätte.

Das hat allerdings nichts mit den Informationen zu tun, die die Hololens liefert, sondern der Brille selbst. Denn das Licht, dass durch die Hololens entsteht, sei hell genug, um Soldaten bei Dunkelheit aus hunderten Metern Entfernung präzise lokalisieren zu können, heißt es.

Einem Microsoft-Mitarbeiter zufolge habe die Brille in vier von sechs Operations-Szenarien nicht überzeugt, neben der Lichtemission hätten die Soldaten auch über das Gewicht der Hololens, das eingeschränkte Sichtfeld und die Größe der Brille geklagt. Zu den häufigeren Beschwerden zählten außerdem Übelkeit, Kopfschmerzen und Überanstrengung der Augen.

Lieferungen vorerst angehalten

Wenig überraschend zogen ranghohe Offiziere das Fazit, es seien Verbesserungen erforderlich, um die Hololens einsatztauglich zu machen. Die bisherige Akzeptanz der Soldaten sei "gering", heißt es. 

Für Microsoft ist das ein finanzielles Problem, denn aufgrund der vielen Anpassungen, die von den Soldaten gefordert werden, wurden bereits genehmigte Lieferungen gestoppt und verschoben. Eigentlich sollte die US-Armee in den kommenden zehn Jahren rund 120.000 Brillen erhalten – und dafür knapp 22 Milliarden US-Dollar berappen.

Quellen: Slate, Microsoft, Business Insider

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