Microsoft Zune Hoffnungsvoller Ladenhüter


Seit Mitte November ist Zune, der MP3-Player von Microsoft, nun auf dem Markt. Er sollte die Vorherrschaft des iPod von Apple brechen. Doch die ersten Verkaufszahlen geben wenig Anlass zum Jubeln.
Von Jennifer Lachman, Susanne Hoffmann und Paul Taylor

Seit einigen Wochen steht die Filiale der Elektronikkette Circuit City am New Yorker Union Square ganz im Zeichen des Zune: An jeder Tür prangt ein Logo mit dem rosa-orangefarbenen Achteck, über der Abteilung mit den MP3-Playern hängt ein riesiges Plakat von Microsoft.

Wirkungslose Maßnahme

Doch die aufwendige Werbung zeigt wenig Wirkung: Während sich die Verkäuferinnen an den Kassen die Boxen mit den iPods des Rivalen Apple zuwerfen müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden, stapeln sich die Microsoft-Player in den Regalen.

Seit Mitte November ist der Zune auf dem US-Markt zu haben - und nach einem hoffnungsvollen Start hat sich das Gerät in den vergangenen Wochen zum Ladenhüter entwickelt. Wie das amerikanische Marktforschungsinstitut NPD ermittelt hat, schaffte es der Zune anfangs direkt auf den zweiten Platz unter den MP3-Playern mit Festplatte.

Doch schon in der zweiten Woche nach der Markteinführung stürzte er in der Gunst der US-Konsumenten auf Platz fünf ab. Insgesamt führt Apples iPod das Feld aller mobilen digitalen Musikabspielgeräte mit einem Marktanteil von 62 Prozent unangefochten an - der Zune erreichte laut NPD gerade einmal 1,9 Prozent. Beim Onlinehändler Amazon schaffte es Microsofts neues Gerät in den wichtigen Verkaufswochen vor Weihnachten noch nicht einmal unter die Top 50 der meistverkauften elektronischen Geräte. Zum Vergleich: Das Gegenstück von Apple, der 30-GB- iPod, lag auf Platz drei.

"Viele Interessenten sind verwirrt"

Die Schwäche von Microsofts MP3-Player zeigt sich auch beim Vergleich der Nutzung von Apples iTunes-Website und Microsofts Zune.net: Laut Marktforscher Hitwise lag die Zahl der Besucher bei Apple 30-mal so hoch wie bei Microsoft. Darunter sind nicht zuletzt alle jene, die zum Fest einen neuen MP3-Spieler bekommen haben und online ihre ersten Musikstücke erworben haben.

"Der Zune belegt mal wieder, dass es nicht die Stärke von Microsoft ist, neue Produkte zu entwickeln", sagt Rob Enderle, Analyst bei Enderle Group. "Obwohl die Videofunktion des Zune stark beworben wird, gibt es kein entsprechendes Angebot zum Herunterladen." Bei gebe es Apple dagegen bereits Fernsehsendungen oder Spielfilme.

Marek Niedbala, Multimediaberater in der Filiale der Elektronikkette J&R am Broadway, vermutet noch einen anderen Grund für die schwachen Absatzzahlen: "Viele Interessenten sind verwirrt, weil sie denken, dass sie mit der neuen Wireless-Funktion im Internet surfen können." Tatsächlich lassen sich damit aber nur Musikdateien drahtlos tauschen - und auch das nur von Zune zu Zune und mit Dateien, die man bei Microsoft gekauft hat. "Im Moment sind jedoch weniger als ein Prozent aller MP3-Player auf dem Markt von Microsoft", sagt Analyst Enderle.

US-Konsumenten fehlt Kauflaune

Selbst die Entscheidung von Microsoft, den Zune auch in innovativem Braun anzubieten, scheint die Kauflaune der US-Konsumenten nicht anzuregen. Laut NPD-Studie entschieden sich drei von fünf Kunden für die klassische schwarze Version und jeweils einer für die weiße oder braune.

Trotz der ernüchternden Bilanz gibt man sich bei Microsoft weiter zuversichtlich: "Wir sind froh über die Positionierung von Zune im Markt und auf gutem Weg, unser Ziel von einer Million verkauften Geräten bis zum Ende des Geschäftsjahrs zu erreichen", sagt der für die Vermarktung von Zune verantwortliche Manager Jason Reindorp.

Auch Analysten rechnen damit, dass Microsoft langen Atem haben wird. "Das ist ein erster Schritt", sagt Samir Bhavnani von Current Analysis. "Traditionell braucht Microsoft zwei bis drei Runden, um etwas richtig hinzubekommen."

FTD

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