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Tipps zum Surround-Sound: Die Kunst des räumlichen Klangs

Surround-Systeme sorgen für Kino-Feeling, bei dem der Sound von allen Seiten kommt - wenn die Lautsprecher sorgfältig aufgestellt werden.

Es klingt so einfach: Man verteile einen Haufen Lautsprecher im Wohnzimmer, schließe den passenden Verstärker an - und fertig ist das Heimkino, in dem es von allen Seiten plätschert, wenn's beim "Blade Runner" regnet. Bei dem die "Top Gun"-Jets ordnungsgemäß von hinten links nach vorne rechts vorbeisausen und die Kampfszenen in "Matrix" die Bude beben lassen.

Doch ganz so einfach ist die Sache mit dem Raumklang, neudeutsch Surround-Sound nicht. Zuerst einmal gibt es einen Wirrwarr verschiedener technischer Standards. Und zudem erfordert das eigene Home Cinema ein wenig Planung.

Ohne Quelle geht gar nichts

Zum Raumklang gehört erst mal eine Klangquelle - ein DVD-Player, aber auch ein Hi-Fi-Videorecorder oder der Fernseher. Denn praktisch alle VHS-Leih- und Kaufvideocassetten mit Spielfilmen sind in Dolby Surround aufgenommen. Auch wenn Filme in Stereo im Fernsehen gesendet werden, bringen sie fast immer den Dolby-Raumklang mit. Selbst Computerspiele tönen oft im Vielkanalsound.

Der nächste Schritt ist ein Decoder, der die Raumklang-Signale auswertet, sodann ein Verstärker, der sie an die Lautsprecher verteilt. Und davon gibt es üblicherweise sechs: drei vor dem Zuschauer beim Fernseher (links, Mitte, rechts), dazu zwei hinter dem Zuschauer für den Raumklang und schließlich einen speziellen Tieftöner für die krachend basslastigen Effekte.

Immerhin: Diese ganze Anlage sorgt nicht nur für Raumklang beim Fernsehen, sie ersetzt normalerweise auch die Stereoanlage samt CD-Player.

Kabelsalat ist vorprogrammiert

DVD-Spieler, Digitaltondecoder, Verstärker und Lautsprecher kann man als Einzelkomponenten kaufen, als Kombigeräte oder in Komplettpaketen. Manchmal haben die Lautsprecher eigene Verstärker eingebaut, manchmal wird zentral verstärkt. Und wen das Kabelgewirr abschreckt: Es gibt auch Funkübertragung, zumindest zu den zwei hinteren Boxen - aber erstens brauchen die dann immer noch ein Kabel für die Stromversorgung der Funkanlage, und zweitens leidet beim Funken oft die Klangqualität.

Günstige Anlagen sparen oft an den Boxen

DVD-Komplettanlagen (ab 300 bis etwa 1000 Euro) bringen alles fürs Heimkino mit. Das Problem: Trotz kompakter und meist eleganter Technik taugen die Lautsprecher vieler Pakete nichts. Zu einer Komplettanlage sollte man nur greifen, wenn man sie vorher Probe hören konnte.

TV-Geräte mit eingebautem Dolby-Surround/Dolby-Digital-Decoder sind eine preiswerte Lösung fürs Heimkino in der Fernsehecke. Aber auch hier tönen die mitgelieferten Boxen oft dünn, und zuweilen hapert's mit den Anschlussmöglichkeiten etwa für Spielekonsolen.

Einzelfallentscheidungen

Mehr Ton und Bild für nicht unbedingt mehr Geld gibt's mit Einzelkomponenten. DVD-Spieler sind schon ab 50 Euro zu haben, so genannte AV-Receiver - sie bringen Dolby-Decoder, ein Radio, den Verstärker für alle Lautsprecher und Anschlüsse für Plattenspieler oder Cassettendeck mit - bekommt man in guter Qualität ab 400 Euro. Praktisch alle Boxenhersteller offerieren komplette Pakete mit fünf Lautsprechern - manchmal durch einen Tiefbasslautsprecher (Subwoofer) verstärkt. Für die Rückkanäle hinter dem Zuschauer reichen meist die kleinen, so genannten Regalboxen; für die linke und rechte Frontbox sollte man, wenn möglich, auf etwas größere Standmodelle zurückgreifen. Der mittlere Lautsprecher, die Centerbox, muss magnetisch abgeschirmt sein - sonst stört er die TV-Bildröhre. Entsprechende Sets gibt es für weniger als 1000 Euro. In vielen Fällen lassen sich eventuell vorhandene Stereoboxen auch um die Zusatzlautsprecher ergänzen.

Welcher Raum ist schon perfekt?

Sind alle Komponenten komplett, geht's an die Aufstellung. Kaum ein Raum wird wohl dem Katalog-Ideal gerecht und ist exakt rechteckig wie ein Kinosaal, mit dem Sofa an der einen Seite und dem Fernseher an der anderen. So entsteht schon das erste Problem: Es sind nicht alle Lautsprecher gleich weit vom Zuschauer entfernt, was unter anderem zu Lautstärke-Unterschieden führt. Doch praktisch alle Surround-Verstärker haben die Möglichkeit, Lautstärke und andere Klangparameter individuell an die Raumverhältnisse anzupassen - die Bedienungsanleitung beschreibt das Vorgehen.

Es gibt noch weitere kleine Tricks, die den Klang verbessern können. Eines der größten Probleme in vielen Zimmern: große glatte Flächen, egal ob Boden, Wand, Fenster oder Decke. Sie sorgen für zu viel Hall - die Töne klingen zu lange nach und wirken daher verwaschen. Hochfloriger Teppich und schwere Gardinen wären die ideale Abhilfe, sind aber nicht jedermanns Geschmack.

Wohin mit dem Center?

Wer die Problemzonen kennt, kann auf andere Art etwas dagegen unternehmen. Da wäre zum Beispiel der Lautsprecher in der Mitte, die Centerbox. Sie steht meistens unter dem Fernseher - alles andere als akustisch ideal. Besser wäre sie direkt über dem Gerät angebracht, doch das sieht oft wenig elegant aus. Je näher die Box allerdings dem Boden kommt, umso mehr vermischt sich der direkt abgestrahlte Schall mit den Reflexionen vom Boden. Das Ergebnis: Die Stimmen sind nicht mehr gut zu verstehen.

Die Reflexionen verwirren das Ohr besonders, wenn sie mit kurzem Zeitabstand zum direkten Schall eintreffen. Lautsprecher sollten deswegen immer in einem bestimmten Mindestabstand von glatten Flächen, etwa Wänden, aufgestellt werden. Das Gleiche gilt auch für den Zuhörer. Ein halber Meter Wandabstand ist gut, ein Meter wäre besser. Das Sofa direkt vor der Wand ist also nicht optimal.

Bodenreflexionen vom Center-Lautsprecher lassen sich relativ einfach mit einer kleinen Teppichbrücke dämpfen, die man zwischen Box und Sitzplatz auslegt. Die genaue Position bestimmt man mit einem Spiegel, den man flach auf den Boden legt. Dort, wo vom Sessel aus der Lautsprecher zu sehen ist, gehört der Teppich hin. Denn der Schall verhält sich wie das Licht - Einfallwinkel gleich Ausfallwinkel.

Mit dem Spiegel Schwachstellen auf der Spur

Mit gleicher Methode lassen sich auch neuralgische Punkte an den Seiten ausmachen. Reflexionen an diesen Wänden sind weniger kritisch, stören aber unter Umständen die Balance und die Ortbarkeit einzelner Geräusche. Hat man mit dem Spiegeltrick die Stelle bestimmt, genügt es oft, dort ein Regal aufzustellen. Selbst eine Zimmerpflanze kann schon helfen.

Auch ungleiche Seiten machen Probleme: Links eine Glasfront, rechts ein Bücherregal, das beeinflusst die Raumakustik negativ. Schon ein Vorhang kann das wieder ins Lot bringen, wenn der Stoff nicht allzu dünn ist.

Problemzone Sitzplatz

Eine andere Problemzone liegt rund um die Sitzplätze. Wer das Sofa direkt an der Rückwand aufstellt, hat nicht nur wegen der Reflexionen Probleme. Der englische Begriff "Surround" bedeutet schließlich "umgeben". Das heißt nicht, dass man von Lautsprechern umzingelt ist, sondern vom Klang. Wo die Wand ist, kann aber nichts klingen. Und schließlich soll der Regen ringsum prasseln und nicht so, als stünde jemand mit der Gießkanne neben dem Sessel.

Kleine Tricks helfen

Genau so hört sich's aber an, wenn einer der hinteren Lautsprecher direkt neben dem Sitzplatz steht. Abhilfe schaffen zum Beispiel so genannte Dipol-Boxen, die indirekt über die Wände abstrahlen - das funktioniert aber nur, wenn hinten genug Platz ist. Ein einfacher Trick, der ähnliche Wirkung hat, ist das Ausrichten der hinteren Boxen nach oben, was bei den meist kleinen Gehäusen gut möglich ist. Die Reflexionen über die Decke gaukeln dem Ohr dann ein sehr viel breiteres Sound-Feld vor als bei direkter Abstrahlung gleich hinter dem Sofa.

Der Subwoofer lässt es krachen

Angestrengt nach hinten zu lauschen, ist beim Testen und Aufstellen übrigens ein typischer Anfängerfehler. Auch Händler führen häufig zu effektlastig vor, weil sie teure Surround-Technik verkaufen möchten. Dabei soll der Ton auf keinen Fall vom Geschehen im Bild ablenken. Wer sich umdreht, weil er ein Geräusch von hinten hört, verliert schließlich den Handlungsfaden. Guter Raumklang stellt vor allem Atmosphäre her, die gefangen nimmt. Für die brachialen Effekte ist ohnehin eine andere Komponente zuständig: der Tieftöner, auch Subwoofer genannt. Die niedrigen Frequenzen verlangen besonders viel Energie. Das Ohr kann normalerweise nicht feststellen, woher der Bass kommt, weshalb der Subwoofer seitlich oder hinter einem Vorhang versteckt werden darf. Je kleiner allerdings die übrigen Böxchen werden, umso mehr muss auch der Subwoofer zum normalen Klang beitragen. Dann kommt er in Frequenzbereiche, die das Ohr doch orten kann. Und daher sollte er im Team mit Mini-Boxen vorn beim Bildschirm stehen.

Für diese Position spricht ein weiterer Grund: Rückt man einen Tiefton-Lautsprecher zu weit ins Eck, neigt er zum Dröhnen. Dass sich die Basswellen aufschaukeln, lässt sich in Wohnräumen nie ganz vermeiden. Entsprechend bilden sich so genannte Raummoden, also Stellen im Raum, an denen die tiefen Frequenzen besonders kräftig sind. Und im Gegenzug hört man sie an anderen Punkten fast gar nicht mehr.

Plätzetausch

Um herauszufinden, wo der Subwoofer am besten steht, empfiehlt sich der Sessel-Trick: Der CD-Player spielt ein basslastiges Musikstück - und der Tieftöner kommt in den Sessel, während man selbst im Zimmer auf und ab läuft. Dort, wo es kräftig klingt, ohne zu dröhnen, ist die beste Position für den Lautsprecher.

Dieser Test hilft auch den Nachbarn. Denn ein zu weit aufgedrehter Bass überwindet dicke Wände und durchdringt mehrere Decken. Das kann zu jeder Menge Ärger mit den Mitbewohnern führen. Ganz verhindern kann man die Ausbreitung der Bass-Wellen freilich nie. Das Abkoppeln des Subwoofers vom Boden mit Gummifüßchen hilft ein wenig, etwas mehr bringt die Aufhängung an Stahlseilen oder gar die Lagerung auf Magnetpuffern. Gute Verstärker haben zudem einen "Midnight Mode", also eine Mitternachtsschaltung, die an den lautesten Stellen des Films das Volumen dämpft.

Die Oberklasse misst sich selbst ein

Die Oberklasse der audiovisuellen Elektronik bringt inzwischen ein weiteres Feature zur Klangverbesserung mit: die automatische Einmessung. Dazu wird ein kleines, mitgeliefertes Mikrofon an den Verstärker angeschlossen und an den Platz gebracht, an dem normalerweise die Zuschauer sitzen. Dort misst es den Klang und regelt automatisch die Frequenzeinstellung des AV-Receivers so, dass ein satter, ausgewogener Sound entsteht.

Ein Allheilmittel ist das aber nicht. Denn diese Messung erfasst immer direkten und indirekten Schall, während für das Hörempfinden der erste Impuls oft entscheidend ist. Die richtige Aufstellung und akustische Optimierung durch den menschlichen Besitzer ist daher durch nichts zu ersetzen.

Freunde verbessern den Sound

Die wirkungsvollste Maßnahme zur Klangverbesserung in einem Raum ist zugleich auch die billigste und eigentlich angenehmste: Nichts dämpft Hall so zuverlässig wie viele Menschen im Raum. Und allein macht Kino ja ohnehin keinen Spaß, auch nicht zu Hause.

Karl-Gerhard Haas/Ulrich von Löhneysen / print