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Britische Zerstörer Typ 45: Übungsziele - Bei den Zerstörern der Queen fällt im warmen Wasser der Motor aus

Die Zerstörer vom Typ 45 kosten über eine Milliarde Euro und waren der Stolz der britischen Marine. Aber nun stellt sich heraus, warmes Wasser legt ihre Triebwerke lahm. So taugen sie nur als Übungsziel.

HMS Dragon

Die HMS Dragon galt als kampfstarkes Schiff, bis sich herausstellte, dass sie im warmen Wasser jederzeit ausfallen kann.

Die Zerstörer vom Typ 45 sind die modernsten Schiffe der geschrumpften britischen Flotte, aber ihr Antrieb ist so anfällig, dass sie eine leichte Beute für jeden Gegner sind. Die Rolls-Royce WR-21 Gasturbinen würden nur im Heimathafen Porthsmouth pima laufen , aber sie seien nicht für extreme Temperaturen geeignet, das musste das Verteidigungskomitee in dieser Woche erfahren. In Gewässern wie dem Roten Meer würden die Maschinen passen, so das Militär.

Das Hauptproblem dabei: Der Hersteller der Turbinen ist nicht an dem Malheur schuld. Der Antrieb wurde genauso gebaut, wie angefordert. Nur hat sich bei der Bestellung offenbar niemand im Ministerium darüber Gedanken gemacht, in welcher Umgebung die Turbinen eingesetzt werden sollen. Besonders ärgerlich ist, dass die meisten internationalen Konfliktherde an warme Gewässer grenzen. Eine Quelle aus Whitehall steckte dem "Scotland’s Daily Record" das Missfallen der Regierung: "Wir können mit Kriegsschiffen nichts anfangen, die nicht mit Wasser zurechtkommen, das wärmer ist als bei uns zu Hause."


Klassische Zerstörer

Die 8000 Tonnen großen Zerstörer sind nicht als Multirole-Schiffe konzipiert, wie die überdimensionalen US-Zerstörer oder die in Russland geplante Schiffe der Lider-Klasse, die eher Kreuzern entsprechen. Ihre Hauptaufgabe ist es, mit ihrem modernen Raketenarsenal die Flotte vor Raketen- und Luftangriffen zu schützen. Sollten Antrieb und Stromversorgung allerdings im Gefecht ausfallen, wären die Zerstörer selbst ein leichtes Ziel. 

Die zwei Turbinen der Schiffe arbeiten mit einer Wärmerückgewinnung. Durch einen Konstruktionsfehler werden die Turbinen im warmen Wasser langsamer und liefern nicht mehr den gewünschten Strom. Die Steuerung versucht daraufhin, die Turbinen schneller laufen zu lassen, damit genug Energie erzeugt wird, dadurch werden die Turbinen noch langsamer – bis zum totalen Zusammenbruch der Stromversorgung. Gelöst werden soll das Problem mit zusätzlichen Dieselmaschinen. Doch um sie zu installieren, müssen riesige Löcher in die Schiffe geschnitten werden. Hinzu kommt: An Bord eines Kriegsschiffes ist jeder Winkel verplant. Damit Diesel und Tanks unterkommen, müssen andere Systeme weichen.

Keiner übernimmt Verantwortung für die Fehlplanung

Anfangs versuchte das Verteidigungsministerium, die Probleme als Geburtswehwehchen des neuen Schiffstyps darzustellen. Nur dass die Babyphase der Schiffe allmählich vorbei ist. Erstmals tauchte das Problem schon 2010 auf, als die HMS Daring mitten im Atlantik den Hauptantrieb verlor und zur Reparatur nach Kanada musste.  Zwei Jahre später brach der Antrieb des Schiffs in Bahrain zusammen. Die Marine kann zudem die dauernden Reparaturen nicht bezahlen. "In diesem Jahr ist kein Geld mehr verfügbar und auch im nächsten Jahr ist der Haushalt angespannt", musste Admiral West dem Verteidigungsausschuss mitteilen. Das ewige Verschieben der Umrüstung sei aber auch keine Lösung und "verdammt gefährlich" für die ganze Flotte. Tatsächlich würde die Stromversorgung total zusammenbrechen, die Matrosen würden buchstäblich im Dunkeln sitzen.

Im Ausschuss des Parlaments gab es hitzige Debatten darüber, wer das Desaster zu verantworten hat. Die Abgeordneten waren der Meinung, dass es in den Jahrhunderten der britischen Seemacht keine fünf Jahre gegeben habe, in denen die Navy ausschließlich Einsätze in Kaltwasserzonen erlebt habe. Entsprechend erstaunlich sei es, dass man den Golf vergessen habe, als man die Zerstörer bestellte.

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