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Schärfer als der Apple TV Nachschub für Serienjunkies: Lohnt sich der neue Fire TV von Amazon?


Mit dem Fire TV verkauft Amazon das derzeit heißeste Eisen im Streaming-Markt. Nun gibt es eine neue Version, die Ultra-HD-Auflösung unterstützt. Wir haben den Streaming-Player getestet.

Amazon verkauft schon längst nicht mehr nur Bücher, DVDs und Hundefutter. Seit vergangenem Jahr mischt der Shopping-Riese auch im Film- und Seriengeschäft mit - und das mit Erfolg. Mit der Serie "Transaprent" gewann Amazon zwei Golden Globes, mit Prime Instant Video betreibt man den hierzulande populärsten Streamingdienst. Das liegt vor allem am Kampfpreis von 49 Euro pro Jahr, während Netflix und Co. etwa zehn Euro pro Monat verlangen.

Ähnlich offensiv agiert Amazon im Geschäft mit Streaming-Boxen. Mit dem Fire TV hat man neben dem Apple TV, der Ende Oktober in einer neuen Auflage erscheint, das derzeit wohl heißeste Eisen im Feuer. Nun gibt es den Media Player in einer neuen Auflage. Wir haben den Fire TV der zweiten Generation getestet.

Aufbau und Einrichtung des Fire TV

Beim Auspacken der Verpackung entdeckt man wenig Neues. Es gibt ein Netzteil, eine Fernbedienung inklusive Batterien und natürlich die Box selbst. Bei der wagt Amazon  optisch keine Experimente: Der neue Fire TV sieht aus wie der alte. Nur an der Rückseite hat sich ein Detail verändert: Der optische Tonausgang wurde durch einen microSD-Kartenslot ersetzt. Das heißt, Dolby-Sound wird nur via HDMI weitergeleitet. Ein HDMI-Kabel ist im Lieferumfang leider nicht inbegriffen, die gibt es einzeln ab etwa 6 Euro. Wer großen Wert auf den Soundausgang legt, sollte also lieber zur ersten Version greifen.

Aufbau und Einrichtung der Box gehen kinderleicht von der Hand. Einmal im heimischen Netzwerk (via Wlan oder Ethernet) angemeldet, spielt die Box automatisch ein Erklärvideo ab, das die wichtigsten Funktionen des Fire TV vorgestellt - intuitiver geht's kaum.   

4K

Die wichtigste Neuerung: Der Fire TV 2 unterstützt erstmals die 4K-Auflösung. UHD-Fernseher (auch 4K genannt) haben die vierfache HDTV-Auflösung, auf den Bildschirm quetschen sich acht statt zwei Millionen Pixel (Auflösung: 3840 x 2160 Pixel). Selbst bei großen Bildschirmen erkennt man dann keine einzelnen Bildpunkte mehr. Außerdem bietet Ultra-HD einen deutlich umfangreicheren Farbraum. Wichtig: Der Fernseher muss HDCP 2.2 beherrschen, damit UHD-Inhalte abgespielt werden können.

Die 4K-Auswahl ist derzeit noch mickrig, Netflix und Amazon bieten nur einen Bruchteil ihres Film- und Serienkatalogs in UHD an. Bei Netflix sind das etwa die Serien "Marco Polo", "Breaking Bad" und "House of Cards". Amazon bietet im Prime-Abonnement einige Serien in 4K, darunter "Mozart in the Jungle", "Transparent" oder "Hand Of God", bei den Filmen etwa "Captain Philips" und "The Amazing Spiderman". Zum Start stehen weitere 65 Filme in Ultra-HD zum Leihen oder Kaufen bereit, das ist aber kein billiges Vergnügen. Selbst für alte Schinken werden 7,99 Euro fällig, nur damit man sie nochmal in 4K ansehen kann.

Auch Nutzer von klassischen Full-HD-Fernsehern sollen langfristig vom neuen Fire TV profitieren. Das 2015er-Modell unterstützt den HEVC-Codec (High Efficiency Video Coding), mit dem sich Videomaterial effizienter komprimieren lässt und Kunden mit langsameren Internetleitungen eine bessere Bildqualität erhalten. Dadurch sollen mehr hochauflösende 1080p-Streams zur Verfügung stehen, erklärt Amazon.

Technische Ausstattung

Ein neuer Prozessor unter der Haube sorgt für mehr Rechenpower. In unserem Test funktionierte die Steuerung sowohl im Hauptmenü als auch innerhalb von Apps schneller als beim Vorgänger. Ebenfalls neu: Der zweite Fire TV unterstützt Wlan im ultraflinken 802.11ac-Wlan-Standard. Vor allem Besitzer eines modernen Routers dürfte das freuen, es sorgt für spürbar kürzere Ladezeiten.

Probleme gibt es derzeit noch beim Sound: Derzeit erhält man in Netflix, Kodi und dem Media Center Plex über den AV-Receiver statt Surround- nur Stereo-Ton. Ein echtes Ärgernis. Amazon hat das Problem bereits zur Kenntnis genommen und verspricht, bis zum 22. Oktober ein Update für alle Geräte bereitzustellen, dass den Fehler ausmerzt.

Fernbedienung

Die Fernbedienung des zweiten Fire TV funkt ihre Befehle nicht mehr via Bluetooth an den Mediaplayer, sondern via Wlan. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass die Batterien länger halten - Amazon verspricht eine Laufzeit von einem Jahr. Allerdings beschweren sich im Netz einige Nutzer über häufige Verbindungsabbrüche der Fernbedienung - in unserem Test konnten wir das Problem nicht nachvollziehen. Vielleicht hilft hier ein zukünftiges Update.

Die integrierte Sprachsteuerung funktioniert super, so kann man etwa nach "Filmen mit Til Schweiger" suchen. Allerdings funktionierte die Sprachsuche schon beim Vorgänger prima, es ist keine Neuerung der 2015er-Box.

Die Sprachsteuerung funktioniert bislang nur im Amazon-Kosmos, bis Ende des Jahres soll sie auch auf die Mediatheken von ARD und ZDF ausgeweitet werden - möglicherweise kommt in naher Zukunft auch noch eine Netflix-Integration. Wünschenswert wäre es jedenfalls.

SD-Slot

Der SD-Slot auf der Rückseite unterstützt Karten mit bis zu 128 Gigabyte Speicherkapazität. Allerdings werden nur Karten im Fat32-Format erkannt. Unverständlich: So können Dateien mit mehr als vier Gigabyte Speicherplatz nicht auf die Karte kopiert werden. Für viele Full-HD-Filme ist das ein K.O.-Kriterium. Die meisten Nutzer dürften die Karte aber eher als Auslagerungsspeicher für Games verwenden.

Apps

Das Hauptaugenmerk des Fire TV liegt natürlich auf Amazons eigenem Streamingdienst Prime Instant Video, der tief ins System eingebunden ist. Weiterhin sehen diverse Apps zum Download bereit, darunter Netflix, die Mediatheken von ZDF, ARD und Arte sowie das Media Center Plex, die 7TV-App und ein paar Games. Da das Betriebssystem (fire OS 5) auf Android basiert, kann man auch Apps von Drittanbietern über Umwege installieren. Wie das geht, erklären wir hier. Nur auf diesem Weg kann man etwa Anwendungen wie Kodi oder Sky Go auf dem Fire TV installieren. Erst dann wird der Fire TV zu einem vollwertigen media Player, der nicht nur auf Streamingdienste angewiesen ist.

Eine weitere praktische Funktion des Fire TV ist X-Ray. Damit lassen sich, während der Film oder die Serie läuft, zusätzliche Informationen zur Filmmusik und den Schauspielern anzeigen. Die ewige Couch-Diskussion "Woher kenn ich den nochmal…?" hat damit ein Ende. So ein Feature wünschen wir uns auch für andere Media Player, etwa den Apple TV.

Fazit: Lohnt sich das Upgrade?

Für Besitzer eines 4K-Fernsehers, die regelmäßig aktuelle Serien schauen, lohnt sich der neue Fire TV. Allerdings müssen noch mehr UHD-Inhalte im Prime-Abonnement kommen, damit sich das richtig lohnt. Auch für Nutzer eines Fire TV Stick könnte der Wechsel attraktiv sein, denn die neue Box ist deutlich schneller und bietet mehr Funktionen als der HDMI-Stick. Besitzt man aber bereits einen Fire TV der ersten Generation, ist das Upgrade nicht nötig. Dafür fallen die Änderungen zu gering aus, zudem stören noch einige Kinderkrankheiten.

Wer erst einmal in den Streaming-Markt hineinschnuppern möchte, kann sich bedenkenlos die erste Generation des Fire TV holen - die wird online jetzt teilweise für 70 Euro und weniger abverkauft. Gelegentlich bekommt man die sogar zum Schnäppchenpreis von 50 Euro. Und Zusatzdienste wie Kodi laufen auch darauf problemlos.


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