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Huawei Mate 9 im Test: Akkugigant mit Doppelknipse

Das Huawei Mate 9 ist ein echter Smartphone-Brocken: Es wiegt fast 200 Gramm und hat ein riesiges 5,9-Zoll-Display. Bemerkenswert ist die Doppelkamera - die überzeugt aber nicht in jeder Situation.

Schlicht, aber edel: Das Mate 9 besteht aus Aluminium.

Schlicht, aber edel: Das Mate 9 besteht aus Aluminium.

Mehr ist mehr - das ist seit jeher das Motto der Technikwelt. In den vergangenen Jahren wurden die Smartphones größer und schneller, bekamen mehr Megapixel und Prozessoren spendiert. Doch mittlerweile scheint die Grenze des Sinnvollen erreicht, zumindest was die Bildschirmgröße betrifft - das Durchschnitts-Smartphone rangiert zwischen 5 und 6 Zoll.

Mit seiner Mate-Reihe besetzt der chinesische Hersteller Huawei traditionell das obere Ende der Größen-Skala, der Screen des diesjährigen Modells - das Mate 9 - misst satte 5,9 Zoll. Ein echter Brocken, vollgestopft mit Technik. Wir haben das Smartphone ein paar Wochen ausprobiert und sagen, welche Dinge uns begeistert haben - und welche nicht.

Das hat uns gefallen

1. Zeitloses Design

Optisch erfindet Huawei das Rad nicht neu, das Gerät sieht in vielerlei Hinsicht aus wie das Mate 8. Der einzige Unterschied: Die Kamera auf der Rückseite hat nicht eine, sondern zwei Linsen. Das Design wirkt mit seinem glatten, schnörkellosen Aluminiumrücken zeitlos elegant. Die Ränder neben dem Display sind sehr schlank, sodass das Smartphone trotz des XXL-Bildschirms vergleichsweise kompakt wirkt. Wie enorm die Platzersparnis ist, zeigt ein Vergleich mit dem aktuellen iPhone 7 Plus, das trotz kleinerem Screen (5,5 Zoll) fast genauso groß und schwer ist.

Das Mate 9 (rechts) neben dem iPhone 7 Plus (links)

Das Mate 9 (rechts) neben dem iPhone 7 Plus (links)

2. Großer Akku mit QuickCharge-Technik

Das Besondere an der Mate-Reihe war stets der überdurchschnittlich große Akku. Und auch das Mate 9 ist ein Dauerläufer: Der Akku hat eine Kapazität von 4000 Milliamperestunden und hält bei durchschnittlicher Nutzung zwei Tage durch. Selbst Power-User kommen locker über einen Tag, ohne nachzuladen. Rechenintensive Apps wie 3D-Spiele verkürzen die Laufzeit natürlich drastisch. Immerhin: Dank QuickCharge-Technik ist der Akku innerhalb einer Stunde zu etwa 80 Prozent aufgeladen. Das passende Schnellladenetzteil (USB-C) ist bereits im Lieferumfang enthalten und muss nicht wie bei einigen anderen Herstellern zusätzlich gekauft werden

3. Gute Ausstattung

Auch die technischen Daten begeistern. Der Achtkern-Prozessor vom Typ Kirin 960 und vier Gigabyte Arbeitsspeicher liefern genug Rechenpower für jede App. In Benchmarks landet das Huawei Mate 9 auf Augenhöhe mit Galaxy S7 und Google Pixel. Interessant für Gamer: Die von Google mit Android 7.0 eingeführte neue Grafik-Engine Vulkan, die für butterweiche Animationen sorgt, wird unterstützt. Selbstverständlich werden auch Wlan-ac, Bluetooth 4.2 sowie LTE Cat12 unterstützt, das Datenraten bis zu 600 Mbit/s ermöglicht - davon kann man im deutschen Mobilfunknetz noch träumen.

Die Doppelkamera wurde gemeinsam mit Leica entwickelt

Die Doppelkamera wurde gemeinsam mit Leica entwickelt

4. Schnelle Kamera

Bei der Kamera handelt es sich um die zweite Generation der gemeinsam mit Leica entwickelten Dual-Optik. Beide Sensoren haben unterschiedliche Auflösungen: Der Farbsensor knipst mit 12, der Schwarz-Weiß-Sensor (Monochrom) mit 20 Megapixeln. Dadurch ist es möglich, zu zoomen, ohne allzu viele Bildinformationen zu verlieren. Mit einem echten optischen Zoom ist das Ergebnis aber nicht zu vergleichen, wenn möglich sollte man näher an das Foto-Objekt herangehen. Mit dem Monochrom-Sensor entstehen großartige, detailreiche Schwarz-Weiß-Bilder - siehe Fotostrecke unten.

Der Farbsensor wird von einem optischen Bildstabilisator unterstützt, der nervige Verwackler in Videos minimiert. Gut gefallen hat uns die schnelle Auslösegeschwindigkeit. Der in die Kamera-App integrierte Profi-Modus bietet viele zusätzliche Funktionen wie unterschiedliche Belichtungszeiten und ISO-Anpassungen, dort kann man auch Bilder als RAW speichern. Vollends überzeugen konnte uns die Kamera aber nicht, dazu unten mehr.

5. MicroSD-Slot

Der interne Speicherplatz ist mit 64 Gigabyte üppig, reicht es trotzdem nicht, kann man via microSD aufrüsten. Alternativ kann lässt sich der Slot auch mit einer zweiten SIM-Karte bestücken, dadurch kann man etwa Dienst- und Privatnummer trennen.

Auf dem Huawei Mate 9 ist Android 7 vorinstalliert

Auf dem Huawei Mate 9 ist Android 7 vorinstalliert

6. Android 7 vorinstalliert

Das Mate 9 ist eines der ersten Smartphones mit dem aktuellen Android 7 Nougat. Die neue Betriebssystem-Version bringt weitere Emojis, einen Multi-Window-Modus (zeigt zwei Apps parallel an), ein überarbeitetes Benachrichtigungsmenü und App-Shortcuts. Auf dem Mate 9 läuft aber kein pures Android, stattdessen wurde das hauseigene EMUI 5.0 übergestülpt, das in vielen Punkten verbessert wurde. Wem das nicht gefällt, der kann einen anderen Launcher (etwa Nova) darüber installieren.

Das hat uns nicht so gut gefallen

1. Bildschirm nur Full-HD

Eigentlich macht der Bildschirm des Mate 9 in puncto Kontraste und Helligkeit eine gute Figur. Der große Wermutstropfen: Huawei setzt erneut auf Full-HD (1920 x 1080) und nicht auf die höhere WQHD-Auflösung (2560 x 1440). Wer mit dem Smartphone lediglich surft, dürfte sich daran nicht stören. Für VR-Brillen (etwa Googles Daydream VR) ist die Full-HD-Auflösung aber zu niedrig, die virtuellen Welten werden pixelig dargestellt. Wem das wichtig ist und wer tiefer ins Portemonnaie greifen kann, sollte einen Blick auf die 1400 Euro teure Porsche-Edition des Mate 9 werfen. Dieses misst 5,5 Zoll und hat eine WQHD-Auflösung.

Ab Werk ist übrigens auch beim normalen Mate 9 eine Schutzfolie angebracht, die das Display schützt, Fingerabdrücke aber geradezu magisch anzieht. Wem diese nicht gefällt, der kann sie selbstverständlich entfernen.

Smartphone: Bilder des Huawei Mate 9
Der Monochrom-Modus liefert tolle Bilder.

Der Monochrom-Modus liefert tolle Bilder.

2. Bokeh-Modus und Verschönerungs-Effekt

Bei Tageslicht oder in hellen Räumen macht die Kamera lebendige, detailreiche Bilder. Die Farben sind satt, aber nicht zu grell. Durchwachsener ist das Ergebnis bei schlechten Lichtbedingungen: Im Dunkeln sind die Bilder nicht so scharf wie bei der Konkurrenz, auch der Bokeh-Modus arbeitet nicht so sauber wie erhofft. Immer wieder entdeckt man sichtbare Unschärfen und Fehler - das ist vor allem bei Porträts ärgerlich (siehe Fotostrecke). Hier sollte Huawei noch per Software-Update nachjustieren. Und über den Verschönerungs-Effekt, der quasi das Make-up ersetzen soll, wollen wir lieber nicht zu viele Worte verlieren - glücklicherweise kann man diesen deaktivieren.

3. Kein wasserdichtes Gehäuse

Das Gehäuse ist schick, im Gegensatz zum Galaxy S7 oder iPhone 7 Plus aber leider nicht wasserdicht. Bei der nächsten Poolparty sollte man das Mate 9 also lieber im Haus lassen.

Fazit: Sehr gut, aber kein Schnäppchen

Wenn man auf der Suche nach einem schicken, großen Smartphone mit guter Akkulaufzeit und aktuellem Betriebssystem ist, ist das Mate 9 eines der besten Android-Smartphones, das man derzeit kaufen kann. Mit 64 Gigabyte (der via microSD erweitert werden kann) hat man genügend Speicher. Wer will, kann diesen via microSD erweitern. Und Gamer kommen dank des pfeilschnellen Prozessors voll auf ihre Kosten. Die Kamera ermöglicht großartige Schwarz-Weiß-Fotos und tolle Farbaufnahmen bei Tageslicht. Wird es schummrig, machen Konkurrenten wie das Galaxy S7 bessere Bilder. Verbesserungsbedarf gibt es beim Bokeh-Modus. 

Mit 700 Euro ist das Huawei Mate 9 allerdings kein Schnäppchen. Gelegentlich konnte man das Telefon bereits für unter 600 Euro ergattern, dieser Preis ist angemessen und auf Augenhöhe mit dem etwas kleineren Galaxy S7 Edge (5,5 Zoll).

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