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Android-Smartphone für 1000 Euro: Pixel im Test: So gut ist Googles iPhone wirklich

In zwei Tagen erscheint Googles Android-Smartphone zum iPhone-Preis. Neben der Kamera begeistert der Akku, doch es gibt auch ein paar Mankos. Lohnt sich ein Kauf? Der stern-Test verrät's.

Google Pixel - Android

Das Google Pixel gibt es in zwei Größen: 5 und 5,5 Zoll

Mit dem Pixel-Phone stellte Google vor wenigen Wochen sein erstes eigenes Smartphone vor. Das orientiert sich nicht nur optisch am iPhone, sondern auch preislich: Los geht's bei 759 Euro, das teuerste Modell liegt knapp über 1000 Euro. Eine Menge Geld, wenn man bedenkt, dass es viele Spitzen-Androiden für knapp die Hälfte gibt.

Um sich von der Android-Konkurrenz abzusetzen, setzt Google auf das Apple-Prinzip: Hard- und Software kommen aus einer Hand und sollen perfekt aufeinander abgestimmt sein. Zudem gibt es die neusten Android-Features exklusiv auf dem Pixel-Phone. Soweit zumindest die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Der stern hat das Pixel ausführlich getestet und verrät die Stärken und Schwächen.

Zwei Größen …

Das Google Pixel gibt es in zwei Größen: 5 und 5,5 Zoll. Die technische Ausstattung ist weitgehend gleich, Unterschiede gibt es nur bei der Auflösung und dem Akku. Die Kameras sind bei beiden Versionen identisch. Damit kann jeder die Größe kaufen, die er als angenehmer empfindet. Ein großer Vorteil, denn nicht jeder hat Dirk-Nowitzki-Pranken und bevorzugt XL-Smartphones.

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Beim Design hat sich Google klar vom iPhone inspirieren lassen - und leider auch die breiten Rahmen ober- und unterhalb des Bildschirms übernommen. Die Glasfront ist zu den Kanten hin leicht abgerundet. Eine mechanische Home-Taste fehlt. Die zweigeteilte Rückseite des Pixel, die zu etwa 30 Prozent aus Glas und zu 70 Prozent aus mattem Aluminium besteht, setzt dagegen Akzente im Smartphone-Einerlei. Dort, wo beim iPhone der angebissene Apfel zu sehen ist, befindet sich beim Pixel ein Fingerabdruckscanner.

… aber nicht wasserdicht

Doch richtig überzeugen konnte uns das Design nicht. Das Glas gibt dem Zeigefinger zwar mehr Halt, fühlt sich aber billig an, und der Übergang zwischen den beiden Materialien ist spürbar. Und warum hat das Pixel von vorne sichtbare Antennenstreifen, obwohl die halbe Rückseite aus Glas besteht? Dass der Kamerabuckel nicht herausragt wie bei vielen Konkurrenzmodellen, umgeht Google mit einem Trick: Das Pixel ist oben etwas dicker als unten, das Smartphone verjüngt sich keilförmig.

Das Design mag am Ende Geschmackssache sein, ein wichtiges Feature fehlt dem Pixel aber: Es hat kein wasserdichtes Gehäuse. Samsungs Galaxy S7 oder Apples iPhone 7 können dagegen bedenkenlos zur nächsten Poolparty mitgenommen werden. Hier muss Google im nächsten Jahr nachbessern!

Tolle Bildschirme und Schnelllade-Akku

Die technische Ausstattung ist state of the art: Der Snapdragon 821 ist pfeilschnell, dank vier Gigabyte RAM kann man problemlos mehrere Apps parallel öffnen. Eine Kopfhörerbuchse ist vorhanden. Die Funkausstattung der Smartphones lässt mit ac-WLAN, Bluetooth 4.2 und NFC keine Wünsche offen.

Eine Wucht sind die Bildschirme: Der kleinere der beiden Pixel-Zwillinge löst mit Full-HD auf (441 ppi), das XL hat ein qHD-Display (534 ppi), an den Kontrasten und der Helligkeit gibt es nichts zu meckern und auch der Schwarzwert überzeugt. Die Bildqualität ist besonders wichtig, weil die Pixel-Phones "Daydream-ready" sind, also gerüstet für die Virtuelle Realität. Das passende Headset "Daydream View" inklusive Controller kommt im November für 69 Euro.

Das 5-Zoll-Pixel hat einen Akku mit 2770 mAh Kapazität, das große XL fasst 3450 mAh. Die Batterie hält je nach Nutzung und Modell ein bis zwei Tage durch. Und nach 15 Minuten am Netzteil hat man wieder genug Saft für vier, fünf Stunden, eine Stunde an der Steckdose füllt den Akku zu 80 Prozent. Bislang gab es auch noch keine Berichte von explodierenden Geräten - auch das ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Die Kamera soll das Highlight des Pixel sein

Die Kamera soll das Highlight des Pixel sein

Wirklich die beste Kamera?

Die Kameras sind für die meisten Nutzer das mit Abstand wichtigste Feature. Doch während bei Tageslicht auch Mittelklasse-Geräte tolle Fotos knipsen, trennt sich bei schlechten Lichtbedingungen die Spreu vom Weizen. Günstige Modelle liefern dann oft verrauschte, unscharfe Bilder. Doch Google legte bei der Präsentation die Messlatte hoch: "Das Pixel hat die beste Smartphone-Kamera", behaupteten die Kalifornier. Wir haben das getestet und sagen: Google hat geliefert.

Der Konzern setzt bei seiner 12,3-Megapixel-Kamera gleich auf eine ganze Reihe technischer Features, etwa einen Phasenerkennungs- und Lasererkennungsautofokus sowie extragroße Bildpunkte. Die Kamera ist extrem schnell einsatzbereit und die elektronische Videostabilisierung funktioniert in den meisten Fällen sehr gut, leistet sich aber gelegentlich Patzer. Aber auch das Galaxy S7 und iPhone 7 Plus sind in dieser Hinsicht nicht perfekt.

Der Detailgrad der Bilder ist hoch und dank HDR+ gelingen auch Fotos bei schlechten Lichtbedingungen. Bei dieser Technik wird aus mehreren Aufnahmen ein Bild zusammengebaut. Allerdings gibt es bei einigen Aufnahmen einen leichten Gelbstich. Ist das Pixel also besser als das iPhone 7 oder Galaxy S7? Nicht in jeder Situation, aber definitiv auf Augenhöhe. Kein schlechter Einstieg für ein Erstlings-Smartphone.

Android 7.1 an Bord

Doch mit dem Pixel kauft man nicht nur ein Premium-Smartphone, sondern auch das Versprechen, stets die beste Android-Erfahrung zu haben. Vorinstalliert ist Android 7.1 Nougat. Das bietet zahlreiche neue Features, etwa den Splitscreen-Modus, mit dem zwei Apps parallel geöffnet werden können. Damit ist es möglich, in der oberen Hälfte ein Youtube-Video zu schauen, während man unten in Whatsapp schreibt.

Praktisch sind auch die Shortcuts: Hält man ein App-Symbol länger gedrückt, öffnet sich ein Schnellstartmenü. Ähnliches kennt man bereits vom iPhone 6s, hier heißt die Technik 3D Touch. Pixel-exklusiv ist der Launcher: Wischt man vom unteren Bildschirmrand nach oben, bekommt man eine Übersicht aller installierten Apps.

Google garantiert Pixel-Nutzern übrigens Betriebssystemupdates für zwei Jahre, monatliche Sicherheitsupdates gibt es sogar drei Jahre lang. In der Android-Welt ist das eine halbe Ewigkeit.

Okay, Google - zeig was du kannst!

Das Highlight ist der neue Assistant, quasi ein Siri auf Steroiden. Er steht ebenfalls exklusiv Pixel-Nutzern zur Verfügung. Aktiviert wird er mit dem Sprachbefehl "Okay, Google" oder einem längeren Druck auf den virtuellen Home-Button. Der Assistant ist Googles Aushängeschild im Software-Bereich und demonstriert eindrucksvoll, wie weit das maschinelle Lernen mittlerweile fortgeschritten ist.

So kann der Sprachassistent komplexe Fragen beantworten. Fragt man etwa "Wie alt ist Barack Obama" (er ist 55) und danach "Wie heißt seine Frau", weiß er, dass sich "seine Frau" auf Obama bezieht - und antwortet "Michelle Obama". Siri ist mit so etwas heillos überfordert. Generell gilt: Auf je mehr Daten der Assistant zugreifen kann, desto besser arbeitet er. Ein schmaler Grat zwischen Komfort und Privatsphäre. Eine gute Figur macht der Assistant bei klaren Aufträgen, etwa dem Stellen eines Weckers, dem Umrechnen von Währungen oder der Steuerung der Musikwiedergabe ("Spiele Iron Maiden auf Spotify"). Und zwischendurch kann er auch Witze erzählen. 

Gleichzeitig zeigt der Dienst aber auch, dass Google noch viele Hausaufgaben machen muss, zumindest im deutschsprachigen Raum. Bei vielen Anfragen wird man lediglich auf die Google-Suche oder auf Wikipedia verwiesen. Beim Befehl "Kaufe Tickets für das System of A Down Konzert in Hamburg" spuckte er nur eine belanglose Liste von Konzerten aus, die demnächst in der Hansestadt stattfinden. Auch einen Tisch beim Italiener um die Ecke zu bestellen ist nicht so einfach, wie es Google bei seiner Keynote demonstrierte. So schlug er im Test ein Restaurant in sieben Kilometer Entfernung vor, das gar nicht geöffnet hatte, obwohl er 400 Meter Luftlinie weiter fündig geworden wäre.

In den Anfangstagen dürfte hin und wieder der Frust überwiegen. Doch Google wird im Hintergrund unaufhörlich am Assistant schrauben und ihn ständig verbessern. Zudem bekommt er bald jede Menge Input von den Nutzern. Doch nach den markigen Worten zur Vorstellung muss Google bald auch liefern.

Cloud statt SD-Slot

Das Pixel gibt es in zwei Speichergrößen: 32 und 128 Gigabyte, der Aufpreis beträgt 110 Euro. Einen microSD-Slot zum Erweitern des Speichers gibt es nicht. Man sollte sich im Zweifelsfall also für die größere Variante entscheiden. Immerhin: Google stellt Pixel-Nutzern unbegrenzten Cloud-Speicher für Fotos und Videos zur Verfügung.

Ein weiterer Wermutstropfen: Google verbaut beim Pixel nur einen Mono-Speaker. Viele Konkurrenten wie LG, HTC oder jüngst auch Apple setzen bei ihren Flaggschiffen mittlerweile auf Stereo-Lautsprecher.

Fazit: Premiere mit Potenzial 

Das Pixel hat zwei Stärken: Stets die aktuellste Android-Version und eine sehr gute Kamera. Mit einem Preisschild um die 1000 Euro lässt sich Google dieses Gesamtpaket fürstlich bezahlen, zumal das Pixel hardware-seitig kein echtes Alleinstellungsmerkmal bietet. Hier fahren Samsung mit den schrägen Display-Kanten oder Apple mit der Doppelkamera schwerere Geschütze auf.

Google setzt voll auf die die Software. Der neue Assistant macht Spaß und zeigt, wohin die Reise geht. Doch bis zum Start des Wohnzimmer-Lautsprechers Home im Frühjahr 2017 muss Google noch am Algorithmus und der Verständlichkeit feilen. Angesichts der Schnellladetechnik ist der größere Akku der XL-Variante nicht kaufentscheidend, man sollte also wirklich nach der bevorzugten Bildschirmgröße entscheiden.

Eigentlich liefert das Pixel ein sehr gutes Gesamtpaket, doch der Preis ist mit 1000 Euro zu hoch. Das Galaxy S7 bietet etwa eine ähnlich gute Kamera, ein wasserdichtes Gehäuse und einen erweiterbaren Speicher und kostet mit 500 Euro nur halb so viel. 

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