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Hybrid-Rechner Lenovo Yoga 9i im Test: Mobiles Reisekino mit ordentlich Rechenpower und Top-Klang

Lenovo Yoga 9i
Macht schon als Laptop eine gute Figur: Das Lenovo Yoga 9i in seinem hübschen Aluminium-Gehäuse sieht einfach schick aus.
© stern / Christian Hensen
Lenovo baut seit Jahren Hybrid-Rechner, die sich wahlweise als Laptop oder Tablet nutzen lassen. Mit dem neuesten Wurf der Yoga-Reihe gelingt es erstmals, den wandlungsfähigen Rechner wirklich schick zu verpacken. Schwächen hat das Yoga 9i leider dennoch.

Ein Convertible sieht auf den ersten Blick nach einer guten Idee aus: Ein Tablet und ein Laptop in nur einem Gerät. Doch erfahrungsgemäß schaffen es nicht viele Hersteller, diese Mischung ansprechend und sinnvoll zu verpacken. Beim neuen Lenovo Yoga 9i ist das anders: Im Vergleich zum Vorgänger hat der chinesische Hersteller das Gehäuse vollständig überarbeitet und viele kleine Anpassungen vorgenommen. Das spürt man im Alltag, denn das Yoga 9i der siebten Generation ist wortwörtlich eine runde Sache. Es lässt sich als Notebook, Tablet oder einfach nur als aufstellbares Display nutzen. Wo das Gerät seine Stärken hat, und was zum perfekten Alltagsbegleiter fehlt, zeigt der Test.

Wirklich schönes Design

Das Allerwichtigste zuerst: Das Yoga 9i ist nicht eckig, sondern rund. Ähnlich, wie man es von älteren iPhones kennt, etwa dem iPhone X, sind die Ränder des Gehäuses abgerundet. Davon profitiert das Yoga insbesondere im Tablet-Modus, da es natürlicher in der Hand liegt. Als Bildschirm kommt bei dem Gerät ein OLED-Panel mit 14 Zoll zum Einsatz, wahlweise mit einer 4K-Auflösung (3840 x 2400 Pixel). Das Display sieht gut aus, die Farben sind knallig, die Darstellung ist gestochen scharf. Die maximale Helligkeit beträgt 400 Nits, das entspricht der Leistung des aktuellen Macbook Air und reicht für den Alltag. 

Selbstverständlich unterstützt das Gerät eine Steuerung per Touch, da es schließlich auch als Tablet ohne Eingabeperipherie funktionieren muss. Für das Gerät sind zwei Stifte verfügbar, am Yoga 9i selbst ist allerdings keine Möglichkeit zur Unterbringung zu finden – das Verlustrisiko ist somit hoch. Typisch für gläserne Bildschirme, spiegelt auch das OLED-Display des Yoga 9i unter freiem Himmel oder bei direkter Lichteinstrahlung sehr. Die Arbeit im Freien gestaltet sich schwierig, Tablets wie das aktuelle iPad Air sind unter gleichen Bedingungen etwas besser ablesbar.

Lenovo Yoga 9i in Sonneneinstrahlung
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Die Glasscheibe des Lenovo Yoga 9i rächt sich im Freien, bei Gegenlicht ist (wie bei den meisten Laptops) nicht viel zu erkennen. 
© stern / Christian Hensen

Lenovo gibt den Ton an

Schwer zu schlagen ist das Lenovo 9i, wenn es um die Wiedergabe von Medien geht. Das Scharnier, welches die verschiedenen Modi durch das Umklappen des Bildschirms erst ermöglich, ist gleichzeitig auch ein Teil des Lautsprechersystems. Zusammen mit den Sound-Experten von Bowers & Wilkins hat Lenovo dort zwei Hochtöner verbaut, die zusammen mit den zwei Subwoofern im Gehäuseboden einen kraftvollen Klang erzeugen. Das Lenovo 9i steckt in dieser Hinsicht die meisten Macbooks in die Tasche, iPads erst recht. Selten waren die Bässe bei Wiedergabe auf einem mobilen Gerät so spürbar, wie bei dem Yoga.

Die übrige Hardware kann sich sehen lassen, ist in allen Belangen auf dem aktuellsten Stand. Als Prozessor kommt ein stromsparender Intel Core i7 1260P zum Einsatz, die Berechnung der Grafik übernimmt der integrierte Grafikchip Intel Iris XE. Zusammen mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem Terabyte SSD-Speicher ergibt das einen Laptop, der den meisten Aufgaben locker gewachsen ist. Schwierigkeiten hat das Gerät bei aufwendigen Spielen, dafür reicht die Grafikleistung schlicht nicht aus. Die beiden Lüfter des Yoga 9i starten nur selten, können bei hoher Systemlast aber durchaus nervig werden.

Tablet oder Laptop

Das Gerät wiegt insgesamt 1,4 Kilogramm und ist damit problemlos unterwegs benutzbar. Aber: Herkömmliche Tablets wiegen nur die Hälfte. Wer das Yoga 9i hauptsächlich in diesem Modus nutzen möchte, ist mit einem anderen Gerät unter Umständen besser bedient. Das gilt auch in Sachen Durchhaltevermögen. Während die meisten Tablets locker über den Tag kommen, schwächelt die 75-Wattstunden-Batterie des Lenovo je nach Auslastung schon nach einigen Stunden. Im Test war nach sechs Stunden kontinuierlicher Anzeige von hochauflösenden Web-Videos Schluss. Das ist recht schwach, zumal der Hersteller von bis zu 20 Stunden spricht, die das Lenovo 9i wohl in Realität kaum erreichen dürfte.

Lenovo Yoga 9i Tablet
Einfach Bildschirm umklappen und schon ist das Lenovo Yoga 9i ein Tablet. Die Tastatur ist selbstverständlich in diesem Zustand deaktiviert, um Fehleingaben zu verhindern.
© stern / Christian Hensen

Als Computer macht das Gerät eine gute Figur, mit insgesamt drei USB-C-Anschlüssen (2x Thunderbolt 4) und einem USB-A-Anschluss muss auch nicht immer sofort ein Adapter her. Das Trackpad ist riesig, die Bedienung angenehm. Bei der Tastatur macht Lenovo keine Abstriche, die Tasten sind ausreichend dimensioniert und das Tippgefühl prima. Einzig die Sondertasten für das Umschalten zwischen den Stromsparmodi, einem recht schlecht funktionierenden Sichtschutzfilter, Audioprofilen und dem Dark-Mode hätte Lenovo sich zugunsten anderer Tasten sparen können – wirklich nützlich erschienen sie im Test nicht.

Lenovo Yoga 9i Anschlüsse
Auf der linken Seite befinden sich ein USB-A-Anschluss und zwei USB-C-Anschlüsse im Thunderbolt-4-Standard, über einen der Ports kann das Gerät mit Strom versorgt werden.
© stern / Christian Hensen

Ein kleines Ärgernis erwartet Käufer nach der ersten Installation aber dann doch noch: Mit Testversionen von McAfee LiveSafe und Microsoft Office 2019 sind gleich zwei umfangreiche Programmsammlungen installiert, die nicht unbedingt auf das Gerät gemusst hätten. Besonders McAfee fiel aufgrund ungefragter Update-Installationen und damit einhergehendem Lüftergeheule umgehend negativ auf.

Fazit: Lenovo Yoga 9i 2022

Das neue Lenovo Yoga 9iist ein wirklich schönes Gerät geworden, das vor allem bei der Wiedergabe von Medien seinesgleichen sucht. Die Flexibilität des Bildschirms, gepaart mit dem beeindruckenden Klang, machen aus dem Gerät ein echtes Multimediabollwerk. Für sonstige Arbeiten ist das Yoga 9i schnell genug, der Intel-Prozessor überzeugt hier auf ganzer Linie, zumal er theoretisch für längere Akkulaufzeiten sorgt. Für Gaming eignet sich das System kaum.

Was das Durchhaltevermögen aber betrifft, zeigte das Yoga 9i im Test deutliche Schwächen. Bei Netflix-Streams oder Youtube-Videos mit mittelhoher Bildschirmhelligkeit schmolz der Akku gnadenlos dahin, mehr als sechs Stunden konnten nicht erreicht werden. Das mag aber auch daran liegen, dass Programme wie McAfee im Hintergrund ungefragt Ressourcen geräubert haben. Lenovo, aber auch jeder andere Hersteller von Windows-Laptops, täte sich einen Gefallen, die Vorinstallation unerwünschter Testversionen zu streichen.

Wegen steigender Temperaturen überhitzen Laptops gerne. Da kann eine Spardose Abhilfe schaffen.

Das stern-Testgerät kostet zum Zeitpunkt dieser Rezension 1999 Euro, der günstigste Einstieg liegt bei 1779 Euro. Und das ist ein Problem. Denn dieser Preis lohnt sich wirklich nur dann, wenn eine Kombination aus Tablet und Laptop explizit gewünscht ist. Für sich genommen gibt es sowohl für Tablets als auch für Notebooks bessere Alternativen, die zudem deutlich günstiger sind. Soll es aber unbedingt ein Convertible sein, bietet Lenovo mit dem Yoga 9i der siebten Generation trotz der genannten Schwächen ein ziemlich rundes Gesamtpaket.

Alternativen in dieser Preisklasse sind das HP Spectre X360 15, das LG Gram 16, Samsungs Galaxy Book2 Pro 360Microsofts Surface Book 3 oder das Acer Spin 5 Evo. Das clevere Scharnier-Design mit integriertem Lautsprecher bietet aktuell nur das Lenovo.

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