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Neue Datenschutzrichtlinien Tiktok-Mitarbeiter in China können künftig auf Daten europäischer Nutzer zugreifen

Das Symbol der Tiktok-App auf einem Smartphone
Künftig wird es für Tiktok noch einfacher, auf die Daten seiner europäischen User zuzugreifen (Symbolbild)
© Marijan Murat / DPA
Seit Tiktok in den Appstores dieser Welt verfügbar ist, steht die Plattform in der Kritik von Datenschützern. Nun hat das chinesische Unternehmen mitgeteilt, dass Mitarbeiter in China künftig auf die Daten von europäischen Nutzern zugreifen können.

Tiktok ist auf dem Weg, das wichtigste Soziale Netzwerk der Welt zu werden. Keine andere Plattform wächst so schnell wie die chinesische Video-App und ist insbesondere bei jüngeren Nutzern beliebt. Doch Datenschützer warnten schon früh: Tiktok befinde sich in Besitz des chinesischen Staates, einige nannten die harmlos daherkommende App eine "Datenkrake". 

Nun könnte Licht in die undurchsichtige Datenschutz-Lage kommen. Allerdings auf keine gute Art und Weise. Wie der britische "Guardian" berichtet, weist Tiktok seine Nutzer in Europa in diesen Tagen auf eine Änderung der Datenschutzrichtlinien hin. Viele werden die Pop-Up-Meldung wahrscheinlich nur mit einem genervten Druck auf den den "Annehmen"-Button quittieren, sie hat es aber in sich. 

Tiktok: Chinesische Mitarbeiter können künftig auf europäische Daten zugreifen

Denn Tiktok weist seine europäischen Nutzer darauf hin, dass ihre Daten künftig von Mitarbeitern außerhalb des Kontinents, auch in China, eingesehen werden können. Grund dafür seien politische und regulatorische Bedenken hinsichtlich des chinesischen Zugriffs auf Nutzerdaten. 

Tiktok will auf die Nutzerdaten zugreifen dürfen, um sicherzustellen, dass die Nutzung der Plattform "konsistent, angenehm und sicher" ist, heißt es. Schon jetzt kann das Unternehmen aus anderen Ländern auf die Daten europäischer Nutzer zugreifen. Zu diesen Staaten gehören Brasilien, Kanada und Israel sowie die USA und Singapur, wo europäische Nutzerdaten derzeit gespeichert sind.

Elaine Fox, Leiterin der Datenschutzabteilung von Tiktok in Europa, erklärte in einem Blogeintrag: "Basierend auf einer nachgewiesenen Notwendigkeit und vorbehaltlich einer Reihe von Sicherheitskontrollen und Genehmigungsprotokollen mittels Methoden, die unter der allgemeinen Datenschutzverordnung der EU anerkannt sind, erlauben wir bestimmten Mitarbeitern innerhalb unserer Unternehmensgruppe in Brasilien, Kanada, China, Israel, Japan, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Südkorea und den Vereinigten Staaten den Fernzugriff auf die europäischen Nutzerdaten von Tiktok."

Änderung der Datenschutzrichtlinien am 2. Dezember

Die Daten könnten für verschiedene Aspekte der Plattform verwendet werden. Einschließlich der Verbesserung der Algorithmen, die den Nutzern Inhalte empfehlen, und zur Erkennung automatisierter Accounts. Tiktok hat bereits eingeräumt, dass Mitarbeiter der Muttergesellschaft ByteDance in China Zugriff auf einige Nutzerdaten haben.

Hinter der Aktualisierung der Datenschutzrichtlinien, die für den Europäischen Raum, die Schweiz und das Vereinigte Königreich gilt und am 2. Dezember in Kraft tritt, steht offenbar der politische Druck Chinas, auf die Nutzung der von der App generierten Daten zugreifen zu können.

In den vergangenen Jahren waren Tiktok und seine Datenschutzrichtlinien ein Streitpunkt insbesondere zwischen China und den USA. Das US-Handelsministerium wurde beauftragt, Empfehlungen zum Datenschutz gegenüber China auszuarbeiten.

Auch die irische Datenaufsichtsbehörde, die für Tiktok in der gesamten EU zuständig ist, hat eine Untersuchung der "Übermittlung personenbezogener Daten durch Tiktok nach China" eingeleitet. In einem Blog-Beitrag im vergangenen Jahr erklärte TikTok, dass das Unternehmen mit dem europäischen Recht "im Einklang" stehe. 

Quellen: "The Guardian", Blogeintrag zur Datenschutz-Änderung

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