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Verwechslung mit Schimpfwörtern Von Ville de Bitche bis Devil's Dyke: Wie Facebooks Algorithmus Städte und Stätten nervt

Das Ortsschild von Ville de Bitche im Verwaltungsbezirk Moselle nahe der deutschen Grenze
Verfänglicher Name: Ville de Bitche im Verwaltungsbezirk Moselle nahe der deutschen Grenze.
© Victor Vasseur / Picture Alliance
Bürgermeister Benoît Kieffer staunte nicht schlecht: Mitte März hatte Facebook die Seite seiner Stadt "Ville de Bitche" plötzlich gesperrt. Eine Verwechslung, wie sich mittlerweile herausstellte – und es ist nicht die einzige.

Kommt Mark Zuckerberg bald zu Besuch nach Bitche? Der Bürgermeister der französischen 5000-Einwohner-Gemeinde, Benoît Kieffer, hat den Facebookchef jedenfalls eingeladen. Der Grund? Die Seite der Stadt "Ville de Bitche" in dem sozialen Netzwerk ist vor einigen Wochen gesperrt worden. Erst am Dienstagnachmittag wurde sie wieder freigeschaltet. Die Stadt vermutet: Für den Algorithmus von Facebook klang "Bitche" wohl ein bisschen zu sehr nach "bitch". Das englische Schimpfwort "bitch" wird abwertend für Frauen verwendet, auf Deutsch bedeutet es Miststück, Schlampe.

Facebook entschuldigt sich bei "Ville de Bitche"

"Wir legten Einspruch ein und versuchten, Facebook über verschiedene Wege zu kontaktieren", erklärte die Stadt im Département Moselle nahe der deutschen Grenze in einer Mitteilung. Facebook habe daraufhin mitgeteilt, dass die Seite gegen die geltenden Nutzungsbedingungen verstoße. Er habe Facebook mehrfach aufgefordert, die Seite zu entsperren, berichtete Bürgermeister Kieffer. Entnervt richtete er schließlich die neue Seite "Mairie 57230" ein. Der spröde aber harmlose Name enthält neben dem französischen Wort für Rathaus die Postleitzahl der Gemeinde, die im Verwaltungsbezirk Moselle an der deutschen Grenze liegt und für ihre Zitadelle aus dem 18. Jahrhundert berühmt ist.

Am Dienstagnachmittag – drei Wochen nach der Sperrung – kam dann endlich die gute Nachricht: Bitche ist wieder online. Der Chef von Facebook Frankreich habe sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt, so die Stadt und erklärt, die Seite sei wegen einer "fehlerhaften Analyse durch unsere Systeme" gesperrt worden. Beleidigungen wie "bitch" würden automatisch gesperrt.

Die Anwohner der historischen Stätte Devil's Dyke und Plymouth Hoe in Großbritannien können das bestätigen. Facebooks überempfindliche Hassfilter machten es unmöglich, diese Orte in den Grafschaften Sussex bzw. Devon in dem Netzwerk zu erwähnen, berichtete die britische Zeitung "The Guardian" vor einigen Wochen.

Im Visier des Facebook-Algorithmus 

Devil's Dyke bedeutet übersetzt Damm oder Kanal des Teufels. Der Name des schartenförmigen Tals rührt von einer Legende her, die besagt, dass der Teufel persönlich mit einer Axt einen Wassergraben zum Meer in den Berg geschlagen habe. Dyke ist aber eben auch ein abfälliger Begriff für eine homosexuelle Frau – und deshalb auf Facebook tabu.

Marc Zuckerberg Deepfake

Plymouth Hoe ist der Name einer beliebten Uferpromenade mit Park in der Hafenstadt Plymouth und eine der bekanntesten Stätten der britischen Seefahrergeschichte. Sir Francis Drake soll dort eine Partie Boule gespielt haben, bevor er zum Kampf gegen die spanische Armada aufbrach. Zum Missfallen von Facebook steht Hoe aber auch für Hure, Schlampe, Nutte – Schimpfwörter, die das Netzwerk nicht duldet. Anwohner, die die Begriffe verwendeten, gerieten dem "Guardian" zufolge ins Visier des Algorithmus, weil dieser fälschlicherweise annahm, sie würden frauenfeindliche Äußerungen verbreiten.

Auch in diesem Fall entschuldigte sich das Social-Media-Unternehmen später für seinen Fehler und versprach, Schritte zu unternehmen, damit Bewohner und Besucher sich künftig ungestraft über das berühmte Wahrzeichen von Devon austauschen können.

Die Anwohner eines berühmten Ortes in der Gemeinde Tarsdorf in Oberösterreich hatten dagegen auch ohne Facebook-Blockade keine Lust mehr auf den verfänglichen Namen ihrer Heimat. Genervt von Wortwitzen, dem Medienrummel und vor allem von Schilder-Dieben tauften sie im November vergangenen Jahres ihr 100-Seelen-Dorf um – von "Fucking" in "Fugging".

Quellen: AFP, "The Guardian"

mad / AFP

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