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AUSLANDSSTUDIUM: Grundstein für eine europäische Karriere

Interdisziplinär ist das Zauberwort unter den Europa-Studien. Programme, die mehrere Fächer miteinander kombinieren, bieten das ideale Rüstzeug, um raum- und systemübergreifend tätig zu werden.

Das erste Staatsexamen in der Tasche, Europa im Kopf und die Menschenrechte im Herzen: So kam Gisela Elsner zum Aufbaustudiengang Europäische Integration nach Saarbrücken. Dort will das Europa-Institut für Juristen mit abgeschlossenem Hochschulstudium den Grundstein für eine europäische Karriere legen.

Und für den müssen die Studenten hart schuften: 16 Stunden in den Grundkursen, mindestens 12 Wahlkursstunden pro Woche und ebenso viele Prüfungen nach nur neun Monaten. Dreisprachigkeit ist gefragt und ein Thema: Europa.

»Man muss schon sehr motiviert sein«, sagt Gisela Elsner. »Ich habe den Schwerpunkt Europäischen Menschenrechtsschutz gewählt. Und mit Erfolg bestanden.« In den anschließenden Semesterferien hat sie ein Praktikum beim Europarat in Straßburg absolviert. Jetzt will die Rechtsreferendarin ihr zweites Staatsexamen machen, um dann umzusetzen, was sie gelernt hat: »Ich würde gerne beim Europarat arbeiten oder für Menschenrechtsorganisationen tätig sein.«

Europa-Studien verbinden Fächer, Länder, Theorie und Praxis. Sie gewinnen hochkarätige Dozenten aus verschiedenen europäischen Institutionen und Professoren aus vielen Ländern für sich. Sie ziehen Studenten aus den 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, aber auch aus Übersee an. Die Abschlussbezeichnungen zeugen von der Internationalität der Programme: Zum »Master of European Administrative Management« führt beispielsweise das Fernstudium Europäisches Verwaltungsmanagement der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin, zum »Magister Iuris Europae« das Aufbaustudium »Recht der europäischen Integration« der Universität Leipzig.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn weist 23 grundständige und 48 weiterführende Angebote im Sachgebiet Europa-Studien auf. Die meisten von ihnen sind noch recht jung. Nur das Europa-Institut in Saarbrücken kann bereits auf ein 50-jähriges Bestehen zurückblicken und ist nach Brügge die zweitälteste Einrichtung dieser Art. »Europa ist im Kommen«, sagt Christian Tausch, Leiter der internationalen Abteilung bei der HRK.

Die meisten Angebote erheben Studiengebühren. Im Studiengang »European Masters Program« an der Universität Bonn sind das beispielsweise 5.112,92 Euro (10.000 Mark). Die Zahl der Stipendien ist begrenzt. Dennoch kommen 300 Anfragen und 100 konkrete Bewerbungen auf die 20 bis 30 Studienplätze.

Deutsche Universitäten verfügen nicht selten über eigene europäische Forschungseinrichtungen: So das Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI), 1995 als selbstständig arbeitende Forschungseinrichtung an der Universität Bonn begründet. Es verbindet Forschung, Politikberatung und Weiterbildung.

»Unter dem Label des Auswärtigen Amtes, aber nur mit dessen ideeller Hilfe wurden vier Studiengänge nach einheitlichen Richtlinien in Bonn, Hamburg, Berlin und Saarbrücken ins Leben gerufen«, erläutert Stefan Fröhlich, Politikwissenschaftler am ZEI. Das interdisziplinäre Flaggschiff unter ihnen sei Bonn: Hier setzt sich das Studienangebot tatsächlich aus drei gleichen Teilen der Politik, Wirtschaft und Rechtswissenschaft zusammen.

Interdisziplinär ist das große Zauberwort unter den Europa-Studien. »Programme, die mehrere Fächer miteinander kombinieren, bieten das ideale Rüstzeug, um raum- und systemübergreifend tätig zu werden«, sagt Achim Fischer, Pressesprecher der Universität Mannheim. Auch Mannheim bietet mit dem Zentrum für Europäische Sozialforschung länderübergreifende Forschungsprojekte an.

Viele Hochschulen sind untereinander so vernetzt, dass nicht einmal mehr die HRK weiß, wer da mit wem kooperiert. Dazu beigetragen haben die zahlreichen EU-Förderprogramme, die Austausch und Internationalität fördern. Für das Thema europäische Integration steht die Aktion »Jean Monnet«. Seit 1990 wurden mit ihrer Hilfe mehr als 2.300 Hochschulvorhaben zum Thema der europäischen Integration eingeführt, davon 47 europäische Forschungszentren, 491 Jean-Monnet-Lehrstühle, 800 Pflicht-Lehrveranstaltungen und 641 so genannte Europa-Module.

Nur ein kleiner Teil der Absolventen landet allerdings in den Institutionen der Europäischen Union, von denen die Kommission mit 20.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber ist. Die Auswahlverfahren sind streng reglementiert: »Der Weg führt nicht automatisch nach Brüssel. Aber ohne die Beschäftigung mit dem Thema Europa ist keine Karriere in Europa möglich«, so Stefan Fröhlich. Europa-Fachkräfte arbeiten auch bei international ausgerichteten Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Kanzleien - oder in der Politik, so wie Wirtschaftsminister Werner Müller, Absolvent der Universität Mannheim.

dpa

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