HOME

Bankenfusion: Darum ist die Postbank so attraktiv

Die Deutsche Bank schnappt sich die Postbank. Droht nun die Schließung von Filialen und der Abbau von Arbeitsplätzen? Müssen Kunden einen schlechteren Service befürchten? Wie geht es nun weiter auf dem Bankensektor in Deutschland?stern.de erklärt, welche Konsequenzen die Fusion hat.

Von Nora Jakob und Leonie Seifert

Die Deutsche Bank hat es geschafft: Der Einstieg beim Konkurrenten Postbank ist perfekt. In einem ersten Schritt ist nach Angaben aus Finanzkreisen geplant, 29,75 Prozent an der Postbank zu übernehmen. Der Aufsichtsrat der Deutschen Post werde an diesem Freitag die Vereinbarung absegnen. "Eine Annahme ist zu erwarten", hieß es aus Finanzkreisen.

Erstmals hatte Ende 2007 der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel angedeutet, die Post AG könne sich von ihrer Mehrheit an der Postbank trennen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte daraufhin schon früh offen Interesse an der Übernahme des Geldinstituts bekundet, das sich vor allem durch einen Stamm von etwa 14,5 Millionen Privatkunden auszeichnet.

Trotzdem kommt der Einstieg überraschend: Zuletzt hatte es geheißen, die Preisvorstellungen der Deutschen Post und der Deutschen Bank lägen noch weit auseinander. Die Post habe jedoch Abstriche vorgenommen, deshalb sei neuer Schwung in die Gespräche gekommen. Die weltweite Finanzkrise hat auch die Postbank getroffen, der Börsenwert lag zuletzt nur noch bei 7,1 Milliarden Euro und ist damit um rund ein Viertel gesunken.

Mit dem Einstieg kommt die Konsolidierung des deutschen Bankensektors einen großen Schritt voran. Bereits Anfang September war die Fusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank besiegelt worden. Bei stern.de erfahren Sie, was der Einstieg für die Branche und die Kunden bedeutet.

Wem gehört die Postbank?

Mit rund 14,5 Millionen Kunden ist die Postbank die größte Privatkundenbank in Deutschland. Sie hat über 22.000 Mitarbeiter - ihre Bilanzsumme beträgt 203 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme der Deutschen Bank war im vergangenen Jahr mehr als zehn Mal so groß und lag bei über zwei Billionen Euro.

Hervorgegangen ist die Postbank 1989, ebenso wie Telekom und Post, aus der Deutschen Bundespost. 1999 kaufte die Post AG dem damaligen Eigentümer Bundesrepublik Deutschland die Postbank ab. Eines der Argumente für die Wiedervereinigung der Post und ihrer Bank war die gemeinsame Schalternutzung. Seit zwei Jahren gehören die 850 größten Post-Filialen der Postbank. Im Jahr 2004 ging die Postbank an die Börse - die Deutsche Post behielt aber mit 50 Prozent plus einer Aktie die Mehrheit.

Ausgegeben wurden die Papiere zu einem Preis von 28,50 Euro - derzeit sind sie rund 45 Euro wert. Das Geldinstitut ist an der Börse im Deutschen Aktienindex gelistet. Der Marktwert liegt bei mehr als sieben Milliarden Euro, wegen der Börsenturbulenzen etwa drei Milliarden weniger als im Frühjahr.

Was ändert sich für die Kunden?

"Das hängt von der Geschäftsführung ab", sagt Frank-Christian Pauli, Bankenexperte bei der Verbraucherzentrale Bundesverband. Mit einer Minderheitsbeteiligung von 30 Prozent hätte die Deutsche Bank bereits einen großen Einfluss auf die Postbank. Anders aber als die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank bedeute der Kauf zunächst nicht, dass die beiden Privatbanken all ihre Produkte zusammenlegen würden.

Grundsätzlich sei mit einem solchen Einstieg das Ziel einer Kostensenkung verbunden, so Pauli. Die Folgen: Filialen könnten geschlossen und Stellen abgebaut werden. "Das würde dann einen schlechteren Service für die Kunden bedeuten."

Christian Hamann, Wertpapieranalyst der Hamburger Sparkasse, hält das allerdings für unwahrscheinlich. "Mit der Minderheitsbeteiligung werden keine Filialen geschlossen", sagt Hamann. Er bezeichnet den Einstieg bei der Postbank als Zwischenlösung für die Deutsche Bank, die sich damit einen späteren Zugriff auf die nach Kundenzahl größte deutsche Privatbank sichern möchte.

Ändern könnte sich die Situation für Kunden erst, wenn die Deutsche Bank in einem zweiten Schritt den Rest der Postbank übernimmt. "Damit ist erst zu rechnen, wenn die Postbank nicht mehr so teuer ist oder sich der Kurs der Deutschen Bank so erhöht, dass sie sich eine Kapitalerhöhung leisten kann", sagt Hamann. So einfach könnten Filialen der Postbank nicht geschlossen werden, da sie oft in Postfilialen eingegliedert sind. Allerdings sieht die Post ihre Zukunft im Ausbau der weltweiten Logistik und nicht im Bankgeschäft.

Was macht die Postbank für die Deutsche Bank attraktiv?

Es ist vor allem die große Kundenzahl, die die Postbank für die Deutsche Bank attraktiv macht. Mit mindestens 14,4 Millionen ist das Bonner Kreditinstitut die größte Privatkundenbank in Deutschland. Davon haben rund fünf Millionen mehr als drei Postbankprodukte, wie beispielsweise ein Girokonto oder einen Riester-Vertrag. Außerdem seien die Kunden der Postbank sehr vermögend, sagt der Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg.

Nach Ansicht von Thomas Hartmann-Wendels, Professor für Bankbetriebslehre der Universität Köln, könnten Deutsche Bank und Postbank weiterhin als zwei Marken nebeneinander existieren. Denkbar sei aber auch, dass die Filialen der Postbank in Geschäftsstellen der Deutschen Bank umgewandelt werden.

Warum übernimmt die Deutsche Bank nur 30 Prozent?

Bei mehr als 30 Prozent müsste die Deutsche Bank ein Pflichtgebot an alle anderen Aktionäre abgeben. Außerdem könne, so Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg, das Kreditinstitut diesen Anteil "ohne eine Kapitalerhöhung stemmen".

Die Postbank werde nach dem Einstieg der Deutschen Bank zunächst separat weiter existieren, sagt Bankenexperte Thomas Hartmann-Wendels von der Uni-Köln. Allerdings sichere sich die Deutsche Bank mit dem Einstieg den kompletten Zugriff auf die Bank, da sind sich die Experten sicher. So habe es das Frankfurter Bankenhaus anderen Interessenten schwerer gemacht, bei der Postbank einzusteigen, sagte Banken-Experte Wolfgang Gerke.

Ist mit weiteren Zusammenschlüssen zu rechnen?

In Deutschland gibt es nach Ansicht der meisten Experten zu viele Banken und zu wenig Kunden pro Institut. Um ihre Kosten zu senken und effizienter zu werden, befindet sich die Branche seit Jahren in einem Konsolidierungsprozess. Die Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank Anfang September war eine Übernahme von vielen, wenn auch die größte der vergangenen Jahre.

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) schrumpfte die Zahl der Banken und Sparkassen in Deutschland um rund zwei Fünftel von knapp 3400 auf etwa 2000 Ende 2006. Und mit weiteren Zusammenschlüssen ist zu rechnen. Denn die Kosten für die vielen Banken und Sparkassen sind immer noch zu hoch. Im internationalen Vergleich entwickeln sich ihre Erträge ungünstig. Ihnen droht die Übernahme durch ausländische Investoren.

Wie ist der deutsche Bankensektor aufgebaut?

Das deutsche Bankensystem beruht auf drei Säulen. Gemessen an der Bilanzsumme sind die öffentlich-rechtlichen Institute wie Sparkassen und Landesbanken mit einem Gesamtanteil von rund 46 Prozent und rund 50 Millionen Kunden der wichtigste Stützpfeiler der Branche. Die Sparkassen gehören mit wenigen Ausnahmen den Kommunen, sind also öffentlich-rechtliche Institute, ihr Geschäftsgebaren ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Im Gegensatz zu den Privatbanken besitzen sie noch ein sehr ausgedehntes Netz an Filialen.

Die privaten Geschäftsbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank und Dresdner Bank haben einen Anteil von rund 39 Prozent auf dem deutschen Markt. Die neue Commerzbank wird insgesamt elf Millionen Kunden betreuen, womit sie einen Marktanteil von acht Prozent erreicht.

Insgesamt 15 Prozent und damit 30 Millionen Kunden entfallen auf die Genossenschaftsbanken. Die Eigentümer der Volks- und Raiffeisenbanken sind dagegen deren Kunden, also Kleinsparer und Unternehmer in der Geschäftsregion der Bank. Die Idee dieser Genossenschaftsbanken stammt von regionalen Gewerbetreibenden. Sie gründeten vor mehr als 100 Jahren überall im Land sogenannte Kreditgenossenschaften, geschäftlich orientiert an ihren eigenen Bedürfnissen. Sie waren also selbst ihre Kunden. Dieses Prinzip gilt bis heute. Genossenschaftsbanken gehören nach wie vor einem breiten Kreis ihrer jeweiligen Kunden.

Wissenscommunity