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berlin: Ausländische Studierende an der FU Berlin

13 Prozent der Studierenden an der Freien Universität Berlin sind Ausländerinnen und Ausländer.

13 Prozent der Studierenden an der Freien Universität Berlin sind Ausländerinnen und Ausländer.

So unterschiedlich Herkunftsland und Personen sind, so verschieden sind die Motive nach Deutschland zu kommen und die Erfahrungen, hier zu studieren und zu leben.

»Ich bin aus zwei Gründen nach Deutschland gekommen«, sagt Frederico aus Buenos Aires, »wegen meiner Freundin, die ich in Argentinien kennen gelernt hatte und die nach Berlin zurückmußte, und weil ich mal raus und etwas anderes sehen wollte.«

Der 27-Jährige studiert Soziologie an der Freien Universität Berlin. Hier arbeitet er auch als Tutor, der in Praktikumsfragen andere Studierende berät. Frederico hat nicht nur selbst schon viele Praktika absolviert, sondern auch von Anfang an aktiv an der Uni Hochschulpolitik mitgestaltet. Als positiv stellt sich nach seiner Meinung die gute Organisation (!) der Uni dar. Und Deutschland? Die Menschen sind zuverlässig, aber auch verschlossen. Ausländerfeindlichkeit hat er hier nie erlebt. Die Frage, ob er sich denn richtig integriert fühle, kann er allerdings auch nur mit einem »jein« beantworten. Er hat sich angepasst. Es war für ihn zwar nie ein Problem, Deutsche kennen zu lernen und deutsche Freunde zu finden, doch das Gefühl, eigentlich eine andere Art von Mensch zu sein, blieb. Finanzielle Probleme hat Frederico weniger als viele seiner deutschen Kommilitonen. Seine Eltern gehören in Buenos Aires zum wohlhabenden Teil der Bevölkerung. Bleibt nur noch die Frage, wo es nach dem Studium hingeht: Deutschland oder Argentinien? Weder noch, sondern irgendwo anders hin. »Meine alten Freunde in Argentinien haben alle BWL oder VWL studiert, die meisten arbeiten schon und viele sind mittlerweile verheiratet und gründen eine Familie. Das ist nicht mein Weg.« Frederico lebt mittlerweile seit fünf Jahren in Deutschland. Mit seiner Freundin ist er schon längst nicht mehr zusammen.

Aus Liebe nach Deutschland zu kommen und hier zu studieren - ein vermutlich eher seltener Grund. Ganz anders sieht es bei Komlan aus. Der 25-Jährige Afrikaner wollte in einer anderen Sprache als Französisch studieren. Vor allem aber waren die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in seinem Heimatland so schlecht, dass die Eltern allen drei Kindern geraten haben, das Land zu verlassen. Komlan lebt seit vier Jahren in Deutschland. Seine Eltern haben nicht die Möglichkeit, ihn zu unterstützen. Die finanzielle Situation stellt auch ein Problem dar: Es bedeutet mehr als neben dem Studium permanent zu arbeiten, nämlich keinerlei Rückhalt zu haben und von der Hand in den Mund leben zu müssen.

Doch das ist nicht die einzige Schwierigkeit für Komlan. »Ich habe das erste Mal Rassismus kennen gelernt, als die Eltern meiner Freundin ihr verboten haben mich zu sehen, weil ich Schwarzer bin. Die Trennung von meiner Freundin hat mich eine Depression gekostet.« erzählt Komlan. Sicherlich ein Ausnahmefall. Aber es ist insgesamt schwierig sich hier einzuleben. »Ich fühle mich in Deutschland zu sehr als Ausländer. Ich habe hier kaum deutsche Freunde. Das macht mich schon traurig. Es sollte so sein. Ich lebe in Deutschland, ich sollte deutsche Freunde haben.«

Komlan arbeitet nebenher für eine Versicherungsgesellschaft. Die Uni ist für ihn ganz und gar nicht strukturiert. Eher durcheinander und mit der Schwierigkeit behaftet, sich alle Informationen selbst suchen zu müssen. Es fehlt gerade am Anfang eine Betreuung. Jemand, der hilft, die Unistrukturen zu durchschauen und die bürokratischen Prozesse nachzuvollziehen.

An der FU Berlin studieren 5.465 Ausländer. Mit 3.159 ausländischen Studentinnen ist der Frauenanteil erstaunlich hoch. Am stärksten vertreten ist der europäische Kontinent, mit der Türkei, Polen und Frankreich an der Spitze der Studierendenzahlen. Mit großem Abstand folgt Asien. Von den 475 Amerikanern, die an der FU studieren, sind 218 aus den Vereinigten Staaten. 362 Studenten kommen aus Afrika.

Vielleicht braucht es, egal aus welchen Gründen jemand sein Land verlässt und die Menschen, Erinnerungen und Erfahrungen hinter sich lässt, doch immer ein bisschen »Weltenbummlergene«. Und es geht auch umgekehrt: Neulich begegnete mir ein ehemaliger Kommilitone, der alle seine Möbel verschenkt, seine Wohnung aufgegeben hat und für immer nach Paris geht. Nicht, dass er französisch spräche; aber dafür fährt er ja hin. (sr)

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