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berlin: Otto-Suhr-Institut besetzt

Proteste gegen Kürzungen

Proteste gegen Kürzungen

An der Freien Universität Berlin verschärft sich der Widerstand gegen die Empfehlungen des Wissenschaftsrats. Etwa hundert Studenten besetzten das Hauptgebäude des Otto-Suhr-Instituts (OSI) für Politikwissenschaften um gegen die geplanten Kürzungen zu demonstrieren. Die geplante Reform der Berliner Hochschulen scheint für die Freie Universität tiefe Einschnitte zu bringen. So empfiehlt der zuständige Wissenschaftsrat die Anzahl der Professuren von derzeit 28 auf zehn bis zwölf zu kürzen.

An Vorschlägen zur Beseitigung der Krise mangelt es nicht. Allerdings herrschen unterschiedliche Ansichten über die zukünftige Form der Lehre. Im Schussfeld studentischer Kritik steht dabei vornehmlich Dr. Eberhard Sandschneider. Der Institutsleiter spricht sich für die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge nach amerikanischem Vorbild aus. »Dann kommen wir mit den geplanten zehn bis zwölf Professuren aus«, so Sandschneider.

Die neuen Abschlüsse sind zwar international besser vergleichbar, allerdings würde die Änderung die relativ freie Wahl der Studieninhalte einschränken, das Studium insgesamt verschulen. Die Vorschläge des »Reformers« treffen auch auf Kritik der Lehrenden. Sie sehen den »kritischen, interdisziplinären« Ansatz der politischen Wissenschaft gefährdet.

Ähnlich denken die streikenden Studenten. »Studierte Politologen sollen in der Lage sein, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch gegenüberzustehen, die Verschulung des Studiums führt zu Schubladendenken«, so ein aufgebrachter Student. »Traditionalisten« um Professor Peter Grottian wollen an dem bisherigen Diplomstudiengang festhalten. Bachelor- und Master-Abschlüsse sind für Grottian nur als äußerste Notlösung akzeptabel.

Auslöser der Besetzung war der gescheiterte Kompromissvorschlag der eingesetzten Schlichtungskommission. In dem unter studentischer Mitarbeit ausgehandelten Konzept sahen viele einen annehmbaren Kompromiss.

Beendet wurde die eintägige Besetzung nachdem die Polizei erschienen war. »An einer gewalttätigen Konfrontation ist hier keiner interessiert«, sagte ein streikender Student. Allerdings sind weitere Protestaktionen geplant. Mit Studierenden anderer Fachbereiche werden regelmäßige Demonstrationen vor dem FU-Präsidialamt durchgeführt.

Indes haben Idealisten ihre Lösung längst parat. »Eliteunis für alle« prangt in roten Lettern an der OSI-Wand. (ad)

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