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Betreuungsqualität: "Wichtig ist, dass die Qualität bei der Betreuung stimmt"

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt fordert mehr Qualität bei der Kinderbetreuung. Dabei will sie eng mit freien Verbänden und dem Tagesmütterverband zusammenarbeiten.

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt setzt beim Ausbau der Kinderbetreuung nicht nur auf staatliche Einrichtungen, sondern auch auf Privatinitiativen. Um das Koalitionsziel zu erreichen, künftig für mindestens 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren eine ganztägige Betreuung zu garantieren, wolle sie auch eng mit den freien Verbänden und mit dem Tagesmütterverband zusammenarbeiten, sagte Schmidt.

Qualifizierte Fachkräfte sind nötig

"Wichtig ist, dass die Qualität bei der Betreuung stimmt", sagte Schmidt. "Ich sage ganz deutlich, unsere Kinder sind zu schade, um mal schnell von irgendeiner Hilfskraft für ein paar Stunden betreut zu werden." Für die Betreuung der kleinen wie auch der älteren Vorschul-Kinder seien qualifizierte Fachkräfte nötig.

Alle Fachleute seien sich einig, dass der Kindergarten künftig besser auf das Lernen in der Schule vorbereiten müsse, sagte Schmidt. Dies sei auch eine Konsequenz aus dem miserablen deutschen Abschneiden bei der PISA-Schulstudie wie auch dem jüngsten OECD-Bericht über die Bildungssysteme der Industrienationen. "Spielendes Lernen im Kindergarten heißt jetzt aber nicht, dass wir den Kleinen gerade mal Englisch beibringen wollen." Es gehe vielmehr darum, ihre kindliche Neugier zu nutzen und ihre Fähigkeiten anzuregen und zu fördern.

Deutschland hat Nachholbedarf

Deutschland habe im Vergleich zu allen anderen Industriestaaten bei der Betreuung der kleinen Kinder erheblichen Nachholbedarf. In Bayern gebe es, wenn man alle Angebote zusammenfasse, Betreuungsmöglichkeiten für gerade einmal dreieinhalb Prozent der unter Dreijährigen. In anderen Bundesländern sehe es mit bis zu zehn Prozent ein wenig besser aus. Mit 65 Prozent sei Dänemark Spitzenreiter. Im übrigen Europa gebe es für 35 bis 40 Prozent aller Kleinkinder Tagesbetreuung. Nicht überall seien dies Krippen. In Frankreich ergänze beispielsweise ein breit ausgebautes Tagesmutternetz die Krippen. Diese Tagesmütter seien ausgebildet und auch sozial abgesichert.

Auf die Frage nach einer weiteren Kindergeld-Erhöhung in dieser Wahlperiode sagte Schmidt, die Bundesregierung habe das Urteil des Verfassungsgerichts zu beachten, das eine Besserstellung der Familien verlangt. Angesichts der aktuellen Finanzlage sei sie aber eher skeptisch, ob in nächster Zeit weitere große Sprünge möglich seien. Das Kindergeld war zwischen 1998 und 2002 von 220 auf 300 Mark (154 Euro) erhöht worden. Schmidt sagte weiter, der Schwerpunkt der nächsten vier Jahre werde eindeutig bei der Verbesserung der Betreuungssituation liegen.

Schmidt will 200.000 Kinder aus der Sozialhilfe bringen

Dabei wolle sie eng mit den Kommunen, den Ländern sowie den freien Trägern zusammenarbeiten und deren Erfahrungen nutzen. Dazu werde es einen "Betreuungs- und Bildungsgipfel" geben.

Schmidt kündigte des weiteren einen Vorstoß an, um mindestens 200.000 Kinder aus der Sozialhilfe herauszubringen. Dies könne ähnlich wie bei dem Modell der Grundsicherung im Alter durch ein erhöhtes Kindergeld bei einkommensschwachen Familien erfolgen. Betroffen seien davon Eltern mit geringem Einkommen, das zwar für sie allein zum Lebensunterhalt reicht, aber nicht mehr für die Kinder. Derzeit beziehen diese Eltern vom Sozialamt "ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt". Durch Umschichtung dieser staatlichen Leistungen hätten diese Eltern zwar im Endeffekt das gleiche Einkommen. Sie seien aber dann keine Sozialhilfe-Empfänger mehr, sondern seien in der Lage, den Lebensunterhalt ihrer Familie alleine zu bestreiten.

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