HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Meine Schwester hat einen Stalker – muss ich Angst um sie haben?

Wenn eine Beziehung endet, fällt es manchen Menschen schwer, das einzusehen. Auch der Ex von Ludwigs Schwester will einfach nicht von seiner Liebe ablassen – und stalkt sie nun. Ist das ein Grund zur Sorge?

Stalker können im Alltag Angst machen (Symbolbild)

Stalker können im Alltag Angst machen (Symbolbild)

Getty Images

Liebe Frau Peirano,

Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit meiner Schwester. Sie war ein halbes Jahr lang mit einem sehr merkwürdigen Mann zusammen, der in den Augen der ganzen Familie ein absoluter Fehlgriff war. Er war mit seiner Firma insolvent gegangen, schon 2017, hatte das aber verschleiert und vorgetäuscht, dass er noch dort arbeitet. Außerdem hatte er ein massives Alkoholproblem, das er auch in der ersten Zeit vor meiner Schwester versteckt hat. Insgesamt steckte er bis zum Hals in Problemen. Er war eindeutig depressiv, wollte aber von einer Behandlung nichts wissen. Meine Schwester hat sich dann Hals über Kopf von ihm getrennt, weil sie einen anderen Mann kennen gelernt hatte. Der neue Mann tut ihr richtig gut und die beiden sind seit vier Monaten zusammen. Zum Glück! 

Sorgen macht mir der Ex-Freund meiner Schwester. Er hat nach der Trennung mehrere Versuche gestartet, mit meiner Schwester zu sprechen und bat sie immer wieder darum, noch eine Chance zu bekommen. Sie hat sich dann mit ihm getroffen, um klar zu stellen, dass Schluss ist. Er tauchte dann angetrunken in ihrem Laden auf und hat mehrfach spät abends bei ihr geklingelt, um mit ihr noch einmal zu reden. Sie konnte sich gegen ihn nicht behaupten und fing an, lange mit ihm zu reden und sich für die Trennung zu entschuldigen. Einmal war ich gerade zu Besuch und habe mitbekommen, wie er den Fuß in die Tür stellte und lauter mit ihr redete. Ich bin dann zur Tür gegangen und habe ihn deutlich aufgefordert, zu verschwinden und sich nie wieder blicken zu lassen. Er wurde laut und hat im Hausflur gegen einige Fahrräder getreten und meinte, das würden wir noch bereuen.

Ich frage mich jetzt, wie sicher meine Schwester jetzt ist. Wird er sie wieder belästigen, wenn niemand bei ihr ist? Wird er ihr nach der Arbeit auflauern (es ist ja früh dunkel) und ihr etwas antun? Der Mann hat nichts zu verlieren. Seine Arbeit ist gescheitert, er ist finanziell ruiniert, seine Freundin hat ihn verlassen, seine Familie sich von ihm distanziert. Und er ist Alkoholiker.

Diese Überlegung erschreckt mich, und ich frage mich, wie ich meiner Schwester klar machen kann, dass sie sich noch deutlicher von ihm distanzieren muss. Sie selbst sieht das ganze lockerer und sagt, dass er harmlos ist und nur gerade in einer Krise steckt.

Wie schätzen Sie das ein und was kann ich tun?

Vielen Dank,

Ludwig B.


Lieber Ludwig B.,

Ich kann nachvollziehen, dass Sie sich Sorgen um die Sicherheit Ihrer Schwester machen. Ihre Argumente sind stimmig: Der Ex-Freund Ihrer Schwester steht mit dem Rücken an der Wand, hat nichts mehr zu verlieren und scheint durch die Trennung von ihr den letzten Halt verloren zu haben.  Dazu ist es so, dass der Ex-Freund Ihrer Schwester ein Alkoholproblem hat, was die Impulskontrolle noch einmal herab setzt. Bisher hat Ihre Schwester immer noch mit ihm geredet und ihn beschwichtigt, wenn er spät abends vor ihrer Tür stand oder sie bei der Arbeit bedrängt hat. Das Szenario kann aber eskalieren, z.B. wenn er noch betrunkener ist, zusätzlich durch einen anderen Faktor unter Druck gesetzt wird oder wenn Ihre Schwester ihn bestimmter abweist. Wie ein Mensch in einer solchen Extremsituation agiert, ist sehr unterschiedlich. Aber eigentlich kann man gerade deswegen auch nichts hundertprozentig ausschließen. Aus vergangenem Verhalten eines Menschen kann man Hinweise auf die Zukunft erhalten: Wenn der Ex-Freund bereits gegen frühere Partnerinnen oder enge Bezugspersonen gewalttätig geworden ist, wäre das ein sehr alarmierendes Zeichen! In dem Fall sollten Sie unbedingt mit der Polizei oder einem Anwalt sprechen.

Bisher hat der Ex-Freund Ihrer Schwester gegenüber einige Grenzen überschritten: Er ist unangemeldet in ihrer Wohnung und bei ihrer Arbeit erschienen und hat sie in Diskussionen verwickelt, die ihr unangenehm waren. Auf der anderen Seite hat Ihre Schwester aber die Grenzen nicht explizit benannt, und genau das sollte sie eigentlich tun. Sie sollte klarstellen, dass sie keinen Kontakt mit ihm wünscht und ihm Hausverbot erteilen (und wenn es ihr Laden ist, auch dort Hausverbot aussprechen). Wenn der Ex-Freund sich nicht daran hält oder sie an anderen Orten aufsucht, kann sie beim Anwalt ein Kontaktverbot erwirken, das dazu führt, dass der Ex-Freund sich ihr nicht nähern darf, sie nicht ansprechen oder sie anrufen darf.

Das wäre ein deutliches Signal an den Freund. Jedoch habe ich einige Zweifel, ob Ihre Schwester die für diese Schritte nötige Konsequenz besitzt. Sie scheint sich nicht klar abgrenzen zu können bzw. zu wollen. Offensichtlich hat Ihre Schwester viel Empathie und in diesem Falle Mitleid. Sie war mit diesem Mann für eine Weile verbunden und fühlt sich verantwortlich. Es könnte sein, dass der Ex-Freund Ihrer Schwester sich in seiner aktuellen Bedrängnis selbst etwas antut - d.h. sich verletzt oder sich das Leben nimmt. Ihre Schwester spürt das und will nicht den letzten Faden durchtrennen, der die beiden verbindet. Wenn ihr Ex-Freund sich nämlich wirklich etwas antun würde, würde das Ihre Schwester sehr belasten und sie würde sich zum Teil die Schuld dafür geben. Deswegen fällt es ihr so schwer, ihn vor die Tür zu setzen und ihm klare Grenzen aufzuzeigen.

Wie wäre es, wenn Sie, Ihre Schwester und der neue Partner der Schwester ein Gespräch führen, in dem Sie das Gefahrenpotenzial abschätzen? Sie könnten ihr die Argumente vor Augen führen, die Sie selbst genannt haben: Er hat nichts zu verlieren, sie ist der letzte Strohhalm, und wenn der wegbricht, könnte er die Kontrolle verlieren. Es wäre wichtig, sinnvolle Maßnahmen zu besprechen, mit denen Ihre Schwester sich in den nächsten Monaten schützen kann. Gehen Sie die möglichen Gefahrensituationen doch einmal Punkt für Punkt durch und überlegen Sie sich sinnvolle Schutzmaßnahmen. Zum Beispiel: Wie kann Ihre Schwester sich schützen, wenn Sie alleine zu Hause ist und jemand klingelt (Spion benutzen, Türkette, nicht öffnen). Wie kann Ihre Schwester sich bei der Arbeit oder auf dem Weg zum Auto schützen (Umgebung genau beachten, sich nicht durch Handy etc. ablenken lassen, sich begleiten lassen…) Welche Routinen kann sie verändern (z.B. den Wochentag für Yoga verlegen) Die Anschaffung eines Pfeffersprays oder von einer anderen Methode zur Selbstverteidigung sollte Ihre Schwester auch sorgfältig abwägen.

Gibt es außerdem Bekannte des Ex-Freundes, zu denen Ihre Schwester noch Kontakt hält? Könnte man mit denen sprechen und um eine Einschätzung der Lage bitten?

Ich denke, dass es sehr wichtig ist, die Gefahr weder zu verleugnen noch zu übertreiben. Bleiben Sie gemeinsam wachsam und schauen Sie sich an, was wirklich passiert. Ganz herzliche Grüße, Julia Peirano

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.