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Untreue Das "Upgrade"-Phänomen: Warum Männer ihre Frauen mit Doppelgängerinnen betrügen

Ein Mann und eine Frau in einem Hotel
Frauen sind schockiert, wenn die Affäre so aussieht wie sie selbst. Doch es gibt eine psychologische Erklärung dafür
© Getty Images
Was bedeutet es, wenn die Affäre genauso aussieht wie die legitime Partnerin? Solche Männer suchen keine exotische Erfahrung, sondern nur eine verbesserte Version von zu Haus, sagt Dating-Coach James Preece. Außerdem helfe die Ähnlichkeit den Männern, sich selbst etwas einzureden.

Großbritannien ist schockiert. Gleich zwei Stars der britischen TV-Institution "The Only Way Is Essex" – kurz TOWIE – wurden von ihren Männern betrogen. Das allein fällt im Universum der kultigen Reality-Trash-Serie nicht auf. Aber die Affären sahen jeweils beinahe exakt so aus wie die legitimen Partnerinnen.

Lauren Goodger hat ihren Freund Charles Drury rausgeschmissen, weil er kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Sex mit Amy Gilbert gehabt haben soll. Gilbert sieht Goodger nicht nur ähnlich, sie liebt auch die gleichen Posen.

Kurz darauf musste Yazmin Oukhellou feststellen, dass der Mann, für den sie TOWIE verlassen hatte, um ihn nach Dubai zu begleiten, nachts mit einer anderen Frau gesehen wurde. Jake McLean suchte sich ausgerechnet Ellie Jones aus – in Großbritannien wurde sie mit der Serie "Love Island" bekannt. Und auch sie sieht aus wie eine Doppelgängerin der Original-Frau.

Ähnlich – und gleichzeitig besser

"Warum gehen so viele Männer mit Frauen aus, die wie ihre Freundinnen aussehen," fragte das Boulevard-Blatt "Sun" daher den Beziehungsexperten und Promi-Dating-Coach James Preece. Dessen Antwort ist realistisch, aber denkbar unromantisch: Die Männer suchten nach einem "Upgrade", sagte er dem Blatt. Ein rabiater Vergleich aus der Welt der Luftfahrt. Airline und Destination sind okay – dennoch könnte man ja von der Touristen-Klasse nach Business upgraden.

"Manchmal sind Menschen völlig verliebt in ihren Partner und haben trotzdem den Drang, ihn zu betrügen", so Preece. Das läge daran, dass sie das Gefühl haben, dass ihnen etwas fehlt. Sex, Intimität, Gespräche oder gemeinsame Werte.

Die Beziehung ist demnach eigentlich in Ordnung, doch partiell gibt es Defizite – eigentlich ganz normal und im Alltag nicht zu vermeiden. "Vielleicht fühlen sie sich kritisiert, genervt oder sind traurig darüber, dass der anfängliche Funke nicht mehr da ist." Und dann tauche die Doppelgängerin auf. "Wenn sie jetzt zufällig jemanden treffen, der sie an all die Dinge erinnert, die sie an ihrer Partnerin lieben, die aber auch diese zusätzlichen Dinge mitbringt, ist es, als würden sie eine verbesserte Version ihrer Freundin daten."

Grund für Untreue – eine "bessere" Version der Partnerin finden

Das ist etwas ganz anderes als das, was man sich früher unter einer Affäre vorstellte. Die klassische Affäre war das Gegenteil einer häuslichen langfristigen Beziehung, das "Upgrade" ist nun die verbesserte Version von daheim. Zumindest fühle es sich so an, wie der Beziehungs-Experte erklärt: "Alle Probleme, die sie mit ihrem ursprünglichen Partner haben, verschwinden. Das scheint also eine großartige Gelegenheit zu sein."

Männer, die fremdgehen, wollten gern glauben, dass es frisch und aufregend sein wird, führte Preece weiter aus. Zusätzlich gebe es den "zusätzlichen Bonus der Vertrautheit". Und dieses Gefühl halte eine Zeit lang an.

Weil es sich "nur" um eine neue Romanze handelt, ist der Druck Preece zufolge insgesamt geringer als bei einer stabilen, langfristigen Beziehung. Der Mann erlebe mir der Neuen in etwa die gleichen Gefühle, wie damals als er seine Partnerin kennenlernte, ohne all die Erschwernisse, die das reale Leben mit sich bringe.

Irgendwie doch die gleiche Frau

Die Ähnlichkeit der Doppelgängerin helfe den Männern zudem, sich selbst einzulullen. Die Tatsache, dass sich beide Frauen gleichen, könne dazu führen, dass der Mann das Gefühl habe, nicht wirklich fremdzugehen, weil sich die beiden Frauen so ähnlich sind, fürchtet Preece. "Auf diese Weise rechtfertigen die Männer ihr Verhalten." Einfach weil die Männer glaubten, dass die Affäre weniger persönlich sei, weil sie nichts mit der körperlichen Attraktivität einer Person zu tun habe.

Aus Sicht der Männer, die ihre Partnerinnen betrügen, gäbe es dann eigentlich auch gar keinen Grund für den Hauptpartner, sich aufzuregen. Wenn sie bei ihrem Betrug erwischt würden, fühlten sie sich daher auch nicht als schlechte Menschen.

Natürlich – auch das erklärt der Experte – fallen die Frauen auf diesen Trick nicht herein und regen sich dennoch auf, wenn sie die Affäre mit der Doppelgängerin bemerken. Für sie ist die andere eine Rivalin wie jede andere auch und nicht etwa eine unbeschwerte Ausgabe der eigenen Person.

Insgesamt befänden sich die untreuen Männer in einer Sackgasse, so Preece. Denn auch die Beziehung mit der Doppelgängerin verlasse schnell die Flitterwochen-Phase und normalisiere sich. In kurzer Zeit landeten sie genau in der Art von Beziehung, die sie ja eigentlich "upgraden" wollten. "Es ist wahrscheinlich, dass die Männer dann erkennen, dass alle Beziehungen Probleme mit sich bringen und dass Fremdgehen keine Lösung ist", so das ernüchternde Fazit des Dating-Coaches.

Quelle: "The Sun"


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