BILDUNG Pisa-Test für Lehrer polarisiert


Nach den Schülern sollen nun die Lehrer ihr Wissen unter Beweis stellen. Der geplante Pisa-Test löst bei den Pädagogen ein geteiltes Echo aus.

Der geplante Pisa-Test für Lehrer hat bei den Pädagogen ein geteiltes Echo ausgelöst. Der Deutsche Lehrerverband (DL) hält den von der OECD geplanten Test für überflüssig. »Jedes Jahr eine neue Testerei durch Deutschlands Schulen zu jagen, das bringt nichts«, sagte DL-Präsident Josef Kraus am Donnerstag im »Saarländischen Rundfunk«. »Man muss uns auch mal wieder in Ruhe arbeiten lassen.« Dagegen begrüßte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) das Vorhaben.

»Vom Wiegen wird die Sau nicht fett«

Kraus verwies darauf, dass es schon 1996/97 einen internationalen Leistungsvergleich der Lehrer gegeben habe. Es sei fraglich, ob sich nach fünf Jahren eine erneute Untersuchung wirklich lohne. »Mal sehr urbayerisch ausgedrückt: Allein vom Wiegen wird die Sau nicht fett«, sagte Kraus. Er habe manchmal den Eindruck, die OECD sei »krampfhaft auf der Suche nach einer Rechtfertigung ihrer Existenz«.

Deutsche Lehrer arbeiten nicht optimal

Zudem seien internationale Vergleiche problematisch. Jedes Land habe eine eigene Lehrtradition, ein eigenes Menschen-, Gesellschafts- und Schülerbild. Der Leistungsvergleich vor fünf Jahren habe beispielsweise ergeben, dass deutsche Lehrer »nicht so optimal« wie ihre japanischen Kollegen arbeiten. Deutsche und japanische Lehrmethoden könne man aber kaum miteinander vergleichen, gab Kraus zu bedenken. »Wir haben ein sehr individualistisches Menschenbild, die Japaner ein relativ kollektivistisches.«

Pisa-Test bringt Umwälzungen

Der Pisa-Test für Schüler hat dagegen nach Einschätzung des Lehrerverbandes zu wichtigen Veränderungen in der bundesdeutschen Bildungspolitik geführt: »Man ist endlich mal quer durch alle 16 Bundesländer bereit, über inhaltliche Standards, über Prüfungsstandards in den Kernfächern zu reden,« sagte Kraus. Dies sei ein großer Fortschritt. Vor zwei Jahren sei es noch undenkbar gewesen, dass die SPD-regierten Länder dies mitgemacht hätten. Bessere Leistungen der Schüler könnten jedoch nicht sofort erzielt werden. Erst »in einer halben Schülergeneration sehen wir den Erfolg unserer Bemühungen«.

Verband stimmt Test zu

Der VBE-Bundesvorsitzende Ludwig Eckinger äußerte »volle Zustimmung« für den Plan eines Pisa-Tests für Lehrer, der seinem Verband schon länger bekannt sei. Die Reflexion der Arbeit sei gerade auch für Lehrer unverzichtbar. »Wenn es der OECD gelingt, ein methodisch überzeugendes Konzept zu entwickeln, die Qualität der Unterrichtsarbeit vergleichend zu prüfen, so wäre dies ein sehr hilfreicher Ansatz, die Lehrerprofession zu stärken.«

Pisa für Lehrer stärkt Lernen im Beruf

Eckinger verspricht sich davon zum einen nachhaltige Impulse für eine berufsbezogene pädagogische Lehrerbildung in Deutschland. Zum anderen rechnet der VBE-Vorsitzende mit einer Aufwertung der »dritten Phase - dem Lernen im Beruf«. Der VBE-Bundesvorsitzende erinnert daran, dass die OECD bereits mit der ersten Pisa-Studie bewiesen habe, dass es ihr nicht um Schuldzuweisungen gehe. In Deutschland sei die Debatte nach der nationalen Pisa-Studie aber leider in eine andere Richtung gegangen.


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