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Bildung: Soziale Herkunft darf nicht entscheidend sein

Der Schulerfolg in Deutschland darf nach den Worten von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn nicht länger von der sozialen Herkunft eines Kindes abhängig sein.

Der Schulerfolg in Deutschland darf nach den Worten von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nicht länger von der sozialen Herkunft eines Kindes abhängig sein. Bei der Reform der deutschen Schulen nach dem miserablen PISA-Abschneiden sei deshalb mehr Chancengleichheit genauso wichtig wie mehr Unterrichtsqualität. Bulmahn legte am Freitag in Berlin eine neue PISA-Vergleichsstudie vor, in der die deutschen Schulen mit denen von sechs anderen erfolgreichen PISA-Teilnehmerstaaten verglichen werden.

PISA zeigt auf, dass in Deutschland ein Akademikerkind eine fünf bis sieben mal größere Chance hat, das Abitur zu erwerben, als ein Kind aus einer Arbeiterfamilie - bei gleichen intellektuellen Ausgangsfähigkeiten der Kinder. Bei der sozialen Förderung der Arbeiterkinder versage weltweit kein Schulsystem eines anderen Industrielandes so sehr wie das deutsche, heben die Schulforscher hervor. Ähnliches gilt für die Schulbildung von Ausländerkindern.

Die neue Studie geht zugleich der Frage nach, warum die Schulsysteme von Kanada, England, Finnland, Frankreich, den Niederlanden und Schweden auch in puncto Leistung beim PISA-Test so viel besser als Deutschland abgeschnitten haben. Alle sechs Länder haben eine Art Gesamtschulsystem. Anders als in Deutschland, wo die Kinder in der Regel im Alter von zehn Jahren nach der vierten Grundschulklasse auf die verschiedenen Schulformen verteilt werden, gehen die Schüler dort bis zum 15. oder 16. Lebensjahr gemeinsam in eine Schule. Die Niederlande verteilen die Kinder nach sechs gemeinsamen Schuljahren.

Sitzen bleiben ist in den anderen Ländern fast ein Fremdwort

Die von den Verfechtern des dreigliedrigen deutschen Schulsystems immer wieder angeführte These, dass sich nur durch frühe Aufteilung der Kinder und die damit verbundene Herstellung eines "vermeintlich leistungshomogenen Lernmilieus ein hohes Leistungsniveau erreichbar ist", lässt sich nach Aussage der Schulforscher nicht aufrechterhalten. Allerdings werden in erfolgreichen PISA-Ländern die Lehrer schon in ihrer Ausbildung mit dem Unterricht in solch gemischt zusammengesetzten Klassen vertraut gemacht.

Was machen die erfolgreichen PISA-Länder noch anders? Alle verfügen über eine hohe gesellschaftliche Wertschätzung von Bildung. Der Lehrerberuf ist in der Öffentlichkeit anerkannt, obwohl Pädagogen dort bis zu 25 Prozent weniger als in Deutschland verdienen. Es gibt eine Art Fortbildungspflicht für Lehrer. Zumindest ist ihr Aufstieg davon abhängig. Lehrer fungieren oft als Berater für die Schüler außerhalb des Schullebens. Deutsche Schüler klagen dagegen im internationalen Vergleich besonders häufig über mangelnde Unterstützung durch ihre Lehrer. Sitzen bleiben ist in den anderen Ländern fast ein Fremdwort. Zugleich wird in Deutschland so viel wie in keinem anderen Land für Nachhilfe ausgegeben.

Die von den Länder-Kultusministern jetzt als Konsequenz aus PISA vorgelegten ersten Entwürfe für neue nationale Bildungsstandards bezeichnete Bulmahn wie auch die Schulforscher "als Schritt in die richtige Richtung". Bulmahn bot den Ländern nochmals die Hilfe des Bundes bei der Gründung einer wissenschaftlichen Agentur an, die die Standards und die Leistungsfähigkeit der deutschen Schulen ständig überprüfen soll.

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