VG-Wort Pixel

Coronavirus Im Überblick: Wann und wie öffnen die Schulen in welchem Bundesland?

Leere Schule wegen Coronavirus
Noch sind die Schulen wegen der Coronavirus-Pandemie bundesweit leer (wie hier im Berliner Stadtteil Friedenau): Das soll sich aber bald wieder ändern
Die Schulen in Deutschland werden wieder öffnen und auch die Abschlussprüfungen werden stattfinden – trotz der Coronavirus-Pandemie. Allerdings beschreitet jedes Bundesland einen anderen Weg zurück zu ein bisschen Normalität. Die Maßnahmen im Überblick.

Viel Einigkeit zwischen dem Bund und den 16 Ländern gab's zu bestaunen, als es am Mittwoch um erste Lockerungen der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus ging. Am Ende verständigten sich die Regierungschefs auf zahlreiche Regeln, die bundesweit gelten sollen, zum Beispiel auf die Öffnung von Läden mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern oder die dringende Empfehlung, beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln Masken zu tragen. Die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen bleiben dagegen in allen Bundesländern so, wie sie sind, also mit regionalen Unterschieden.

Vorkehrungen wegen Coronavirus in den Schulen

Und noch in einem anderen Bereich kommt der Föderalismus voll zum Tragen: in der Bildungspolitik. Öffnen die Schulen? Wenn ja, für wen? Finden Abitur- und andere Abschlussprüfungen statt?

Fakt ist: Die Schulen brauchen Zeit, um sich auf eine wie auch immer geartete (Teil-)Öffnung vorzubereiten und sich auf strengere Hygienanforderungen einzustellen. Dazu haben sich Bundesregierung und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder auf einen Rahmen für die schrittweise Öffnung der Schulen verständigt. Danach sollen die Abschlussprüfungen in diesem Jahr stattfinden, dazu sollen ab dem 4. Mai die Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgänge und auch jene des Prüfungsjahrgangs 2021 wieder in die Schulen gehen können. Auch die letzten Klassen der Grundschulen sollen wieder mit dem Unterricht beginnen.

Wie genau der Neustart des Lehrbetriebs aussehen wird, ist jedoch noch vollkommen unklar. Die Kultusministerkonferenz soll dazu bis zum 29. April ein Konzept vorlegen. Die Abstände zwischen Lehrkräften und Schülern müssen sichergestellt werden, dazu sollen die Klassen verkleinert werden.

Trotz des Bemühens um eine einheitliche Linie der 16 Bundesländer wird aus den Äußerungen der zuständigen Politiker jetzt schon deutlich, dass es in puncto Schulöffnungen und Abschlussprüfungen Unterschiede geben wird.

Der stern gibt einen Überblick über den aktuellen Stand in den Ländern:

Baden-Württemberg will den Schulbetrieb ab dem 4. Mai wieder aufnehmen und zwar für die Schülerinnen und Schüler, die in diesem oder im kommenden Jahr ihre Abschlussprüfungen schreiben (dies gilt für allgemeinbildende und berufliche Schulen). Erst später sollen die Viertklässlerinnen und Viertklässler wieder am Unterricht teilnehmen, "damit der Übergang auf die weiterführenden Schulen möglichst geordnet ablaufen kann", wie das Kultusministerium in Stuttgart erklärte. Detailfragen der Wiederaufnahme des Schulbetriebs sollen noch geklärt werden.

In Bayern soll der Schulbetrieb erst eine Woche später, am 11. Mai, schrittweise wieder starten. Allerdings dauert dort wegen des späten Sommerferienbeginns das Schuljahr auch noch länger, so dass der Zeitdruck weniger groß ist. Als einen Grund für das abweichende Vorgehen des Freistaats nannte Ministerpräsident Markus Söder die starke Betroffenheit seines Bundeslandes durch die Coronavirus-Pandemie. Die zentralen Abschlussprüfungen in Bayern sollen stattfinden, werden aber größtenteils um mindestens 14 Tage nach hinten verlegt. Statt am 19. Juni sollen zum Beispiel die letzten Abiturprüfungen nach derzeitigem Stand erst am 3. Juli stattfinden.

Abiturientinnen und Abiturienten in Berlin sollen schon ab kommenden Montag (20. April) wie geplant ihre ersten Prüfungen ablegen, gegen den Willen der Landesschülervertretung – los geht es mit Latein. Es gehe darum, "dass auch unsere Berliner Jugendlichen in ganz Deutschland an den Hochschulen studieren können", sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Es sollen jedoch besondere Hygienemaßnahmen greifen. Bereits am 27. April sollen dann auch Zehntklässler wieder unterrichtet werde, um sich auf den Mittleren Schulabschluss vorzubereiten. In dem schrittweisen Hochfahren des Unterrichts soll dann am 4. Mai der Unterricht der Sechstklässler wieder beginnen. Ab dann sollen vor allem auch die Schüler der Abschlussklassen wieder Unterricht erhalten, außerdem "qualifikationsrelevante" Jahrgänge, die im nächsten Schuljahr ihre Prüfungen ablegen

Auch Brandenburg will bereits am kommenden Montag mit den Abiturprüfungen beginnen. Eine Woche später sollen dann die Zehntklässlerinnen und Zehntklässler wieder die Schulen besuchen. Noch eine Woche später, am 4. Mai, beginnt der Unterricht für die letzten Grundschulklassen und die Klassen und Jahrgänge, die im kommenden Jahr ihre Abschlussprüfungen schreiben.

Die Abiturientinnen und Abiturienten in Bremen können frei entscheiden, wann sie ihre Abschlussprüfungen ablegen wollen. Der ursprünglich geplante Zeitraum bleibt mit Beginn am kommenden Mittwoch (22. April). Zusätzlich startet ein zweiter Prüfungszeitraum am 12. Mai. Den derzeit erschwerten Bedingungen soll so Rechnung getragen werden. Das genaue Prozedere zur Wiederaufnahme des Schulunterrichts in der Hansestadt steht noch nicht fest. "Auch wenn alle gern Planungssicherheit hätten, kann von hier zur Zeit noch keine klare Aussage getroffen werden", teilte die Bildungssenatorin jüngst mit.

Der Senat in Hamburg will erst am Freitag abschließend entscheiden, in welcher Form und wann die Schulen dort öffnen. Auch in der Hansestadt wird erwartet, dass sich die Behörden an den bundesweiten Empfehlungen orientieren werden. Zum Abitur hieß es, dass es ab dem 21. April stattfinden soll. "Alle schriftlichen Abschlussprüfungen an den allgemeinbildenden und den berufsbildenden Schulen finden voraussichtlich planmäßig statt", erklärte die Schulbehörde zuletzt.

Hessen startet bereits am 27. April mit der schrittweisen Wiederaufnahme des Schulbetriebs – zuerst für die Abschlussklassen. Die Grundschulen stehen nach den Worten von Ministerpräsident Volker Bouffier "am Ende der Kette". Über weitere Schritte der Schulöffnungen werde sehr bald entschieden, sagte Bouffier laut "Gießener Anzeiger". Das Abitur in Hessen wurde bereits geschrieben.

Nach jüngsten Planungen starten die Abiturprüfungen in Mecklenburg-Vorpommern am 8. Mai im Fach Deutsch. "Ich habe von Anfang an gesagt, dass es im März und April keine Prüfungen geben wird und wir im Mai beginnen. Wir haben damit Planungssicherheit gegeben“, betonte Bildungsministerin Bettina Martin. Die Schulen sollten ursprünglich am 20. April wieder öffnen, nun wird aber erwartet, dass sich auch Mecklenburg-Vorpommern den am Mittwoch beschlossenen Rahmenbedingungen anschließt und die Schulen erst später schrittweise wieder öffnen wird. Eine offizielle Mitteilung gibt es aber noch nicht.

Reaktionen auf geschlossene Schulen in Deutschland: #Twitterlehrerzimmer

Die Landesregierung in Niedersachsen will im Verlauf dieses Donnerstags darüber entscheiden, wie der Schulbetrieb im Land wieder angefahren wird. Alle Abschlussprüfungen sollen stattfinden, versicherte Kultusminister Grant Hendrik Tonne im Norddeutschen Rundfunk. Seinen Worten zufolge soll am 27. April zunächst der Abiturjahrgang wieder die Schulen besuchen, 

In Nordrhein-Westfalen sollen Schülerinnen und Schüler von Abschlussklassen bereits kurz nach dem 20. April in die Schulen zurückkehren. Wie es danach genau weitergeht, will Bildungsministerin Yvonne Gebauer zunächst dem Schulausschuss des Landtags vorstellen. Die Abschlussprüfungen in allen Schulformen sollen nach einem neuen Zeitplan im Mai und im Juni stattfinden.

Rheinland-Pfalz hat bereits einen detaillierten Plan für die Wiedereröffnung der Schulen im Land unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln veröffentlicht. Demnach öffnen die Schulen zur Vorbereitung der Abiturprüfungen am 27. April. Am 4. Mai können die Abschlussklassen an allen anderen Schulen wieder den Unterricht besuchen, ebenso die Viertklässlerinnen und Viertklässler ihre Grundschulen. Alle Abschlussprüfungen sollen an den ursprünglich geplanten Terminen stattfinden.

Im Saarland ist der 25. Mai ein wichtiges Datum. Ab diesem Zeitpunkt sollen das Abitur, die Prüfungen für den Hauptschul- und den mittleren Bildungsabschluss abgelegt werden. Zuvor sollen auch dort die Schulen schrittweise öffnen. Ab dem 4. Mai sollen zunächst die Abschlussklassen wieder unterrichtet werden. Wann und wie genau die anderen Schülerinnen und Schüler in die Schulen zurückkehren dürfen, ist noch nicht final entschieden. Eine schnelle Rückkehr zur Normalität in den Bildungseinrichtungen erwartet Ministerpräsident Tobias Hans nicht.

"Für die Schülerinnen und Schüler aller Abschlussklassen an den Gymnasien, Berufsbildenden Schulen, Oberschulen und Förderschulen werden die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen", hat die Landesregierung in Sachsen festgelegt. Erster Schultag für sie ist demnach der 20. April. So sollen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten können. Sie sollen wie geplant stattfinden. Über den Start des Unterrichts für alle anderen Jahrgangsstufen soll noch abschließend entschieden werden.

In Sachsen-Anhalt soll der Schulbetrieb ab dem 4. Mai schrittweise wieder aufgenommen werden. Der  Unterricht für Abschlussklassen beginne "jedoch bereits wieder ab nächster Woche", heißt es von der Landesrgeierung, also ab dem 20. April. weitere Details sollen im Laufe des dieses Donnerstags bekanntgegeben werden.

Abiturientinnen und Abiturienten in Schleswig-Holstein sollen ab kommenden Montag ihre Prüfungen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ablegen, die Abschlussprüfungen der anderen Schulformen finden ebenfalls von April bis Juni statt. Der generelle Schulbetrieb soll erst ab dem 4. Mai wieder schrittweise hochgefahren werden.

In Thüringen sollen Abiturienten bereits vom 27. April an wieder zurück in die Schulen. Dies kündigte Ministerpräsident Bodo Ramelow am Mittwoch nach der Telefonkonferenz der Länder-Regierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise an. Am 4. Mai sollen die Jahrgänge folgen, die in diesem Jahr andere Prüfungen ablegen müssen. Laut Mitteldeutschem Rundfunk sollen die anderen Schülerinnen und Schüler Ende Mai/Anfang Juni wieder mit dem Unterricht beginnen.



Quellen: Bundesregierung, Kultusministerium Baden-Württemberg, Kultusministerium Bayern, Rundfunk Berlin-Brandenburg, Land Brandenburg, Bildungssenatorin BremenSchulbehörde Hamburg, "Gießener Anzeiger", Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern, Norddeutscher Rundfunk, Bildungsministerium Nordrhein-WestfalenLandesregierung Rheinland-Pfalz, Landesregierung SaarlandKultusministerium Sachsen, Landesregierung Sachsen-Anhalt, Bildungsministerium Schleswig-HolsteinMitteldeutscher Rundfunk, Nachrichtenagenturen DPA und AFP


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker